Rainer Maria Rilke oder Das offene Leben

Eine Biographie | Aus bislang unbekannten Quellen und mit exklusivem Bildmaterial | Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2025
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Buchprofile - Rezension
Hinreißende Biografie eines gewieften Ausnahmetalents.
Rainer Maria Rilke (1875-1926) hat 2025 ein Jubiläum, dem 2026 gleich das Nächste folgen wird. Aber insgesamt ist er heutzutage wohl mehr bekannt als gelesen. 2022 gelang es dem Literaturarchiv Marbach in einem spektakulären Ankauf, ein großes Nachlasskonvolut zu Rilke zu erwerben. Gemeinsam mit den bereits vorhandenen Materialien bildet es die Grundlage dieser Biografie, verfasst von der Leiterin des Archivs. Quellengesättigt und gut bebildert schildert die Autorin Rilkes Leben von seinen Anfängen als verwöhnter, nicht unbedingt hochbegabter Knabe zu einem der wichtigsten Poeten seiner Generation, der seine Leserinnen und Leser anzuziehen und zu faszinieren wusste. Das "offene" Leben Rilkes führte ihn quer durch Österreich-Ungarn, Deutschland und halb Europa, von Spanien und Italien bis nach Russland und vor allem natürlich – nach Paris. Trotz vieler finanzieller und gesundheitlicher Probleme gelang es ihm dabei immer wieder, neue Mäzene anzusprechen und auch an Geliebten war sein Leben reich. Richter beschreibt Rilke eng an den Quellen dabei durchaus als Doppelgestalt. Der empfindsame Dichter war weit weniger weltfremd, als er sich gab; er wusste sich zu inszenieren und war auch in Gelddingen weit weniger unbegabt, als die meisten glaubten. Sie schildert sein Leben auch eng verwoben mit seinen Werken, die sozusagen im Vorübergehen in großer Zahl mit analysiert werden. So gelingt der Autorin in dichter Schilderung eine überzeugende Darstellung Rilkes. Überschneidungen mit der zeitgleich erschienenen Rilke-Biografie Manfred Kochs sind erstaunlich gering. Rilke, so scheint es, bietet genügend Platz für mehr als eine Biografie.
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Artikelbeschreibung

Offen sein und schreiben, mehr wollte Rilke nicht: ein bescheidener und zugleich anspruchsvoller Wunsch. Als Autor erfuhr er »das ganze Leben [...], als ob es mit allen seinen Möglichkeiten mitten durch ihn durchginge«. Allerdings auch mit all seinen Widersprüchen: Rilke floh vor seinen Musen und konnte ohne sie nicht sein, beklagte die Folgen des menschengemachten Fortschritts und begeisterte sich für die Technik, er liebte das einfache Leben und hatte eine ausgeprägte Vorliebe für schöne Dinge und Wohnsitze. Er schuf mit den Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge einen der ersten modernen Romane und epochemachende Gedichtzyklen, deren Ausdruckskraft bis heute nachwirkt.

Sandra Richter, Literaturwissenschaftlerin und Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, arbeitet mit neuen Quellen, die mit Ankauf des großen Rilke-Archivs 2022 nach Marbach gelangt sind. In ihrer Biographie erscheint der Autor in neuem Licht: Nicht der weltabgewandte Einsiedler, zu dem er sich gern stilisierte, sondern robust, durchsetzungsfähig, alert in Gesellschaft, heiter und selbstironisch und in Finanzdingen beschlagener, als man gemeinhin annimmt. Diese Biographie macht deutlich, warum es sich heute in besonderer Weise lohnt, Rilke wieder zu lesen: Er lebte in schwierigen Zeiten, und er verarbeitete sie mit einer Wucht, die vielleicht nur im Angesicht existenzieller Bedrohung glaubhaft wirkt.

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Personeninformation

Sandra Richter, geboren 1973 in Kassel, seit Oktober 2025 Professorin für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg, seit 2019 Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Sie veröffentlichte außerdem Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur (2017). Im Literaturmuseum der Moderne in Marbach ist bis Januar 2027 die Ausstellung Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten zu sehen.

Pressestimmen

»[Rilkes] Vita lässt sich nur schwer von seinem Schaffen trennen. Umso wichtiger ist es, hinter den Mythos zu schauen. Sandra Richters erfrischender Zugang bietet dafür die beste Gelegenheit.« Björn Hayer NZZ am Sonntag 20250629
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