Die Verletzung der Menschenwürde

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Buchprofile - Rezension
In den Grauzonen der Menschenrechtsverletzungen – Fallbeispiele, die zu unterscheiden helfen.
Wenn die Klagen gegen Menschenrechtsverletzungen inflationär werden, geraten nicht nur Politik und Gesellschaft in einen Stillstand, sondern erleidet auch die Idee des Schutzes der Menschenwürde auf Dauer einen erheblichen Schaden. Möglichst präzise Grenzziehungen sind also nötig, und dazu leistet dieses Buch mit seiner Vielzahl von Fallbeispielen, mit denen sich der in Straßburg ansässige Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in den letzten Jahren zu beschäftigen hatte, einen wichtigen Beitrag. Denn es geht dem Autor nicht um abstrakte Definitionen, erkennt er doch die Not der Begriffe, die in ihrer verallgemeinernden Unschärfe die Sache nicht immer treffen. Hilfreich ist eher, differenziert den Komplex der Erfahrungen zu reflektieren, also auch sämtliche Umstände, Absichten und Situationen zu bedenken, in denen potentielle Verletzungen der Menschenrechte gegeben sein können. Das greift über den Einzelfall hinaus und bezieht auch den geschichtlichen Horizont menschlichen Handelns mit ein. Der Leser soll sensibel werden für Kriterien, die gerade in den Graubereichen Orientierungspunkte für ein Urteil geben. Gut, der Leser muss dieses Urteil nicht letztgültig sprechen; aber das ist ebenso wenig das Ziel, wie eine nachträgliche Akzeptanz richterlicher Entscheidungen zu erreiche. Viel wichtiger ist die Annäherung an einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was der Respekt vor dem Menschen und seiner Würde verlangt.
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Artikelbeschreibung

Menschenwürde ist ein hehrer Begriff; aber was bedeutet das ganz praktisch? Wann wird die Würde eines Menschen verletzt? Was bedeutet es, die Würde eines Menschen zu verletzen? Clemens Sedmak sucht Antworten auf diese Fragen mithilfe der Entscheidungen und Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, die sich mit Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention befassen. Dieser Artikel (»Würdeparagraph«) lautet: »Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.«

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Personeninformation

Clemens Sedmak, geb. 1971, ist Professor für Sozialethik an der University of Notre Dame (USA) und Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg. Gastprofessuren in Nairobi, Manila, Mexico City, Dublin, Jena, Wien. Forschungsschwerpunkte: Grundlegung der Theologie, Ethik von Institutionen, Armutsforschung.

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