Trägt

Die Kunst, Hoffnung und Liebe zu glauben
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Buchprofile - Rezension
Was trägt und wer trägt in schwierigen Zeiten? Gedanken des Hildesheimer Bischofs dazu.
„Und? Was bringt mir das?“ (Hören Sie den leicht genervten Tonfall?) Eine Frage, die oft gestellt und genauso oft als oberflächlich kritisiert wird. Heiner Wilmer überrascht die Lesenden damit, dass er die Frage aufgreift und zeigt, was Christen an spirituellen und religiösen Schätzen anzubieten haben – und was das bringt. Wilmer, der Ordensmann und Bischof von Hildesheim ist, hat das Buch während der Corona-Krise geschrieben und nun erweitert noch einmal veröffentlicht. Denn die Frage, was christliche Spiritualität bringt, stellt sich fünf Jahre danach vielleicht sogar noch dringender. Wilmer erschließt über persönliche Erlebnisse, was ihn trägt und wer ihn trägt. So erzählt er z.B., warum er Schwarzen Tee mit großen Kluntjes und Sahne mit der Ewigkeit verbindet und was das mit Hoffnung zu tun hat. Er erzählt von Etty Hillesum, der niederländischen Jüdin und Mystikerin, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Sie fasziniert ihn, weil sie ein tiefes Gottvertrauen entwickelte, das auch Krisen überstand, in denen Gott für sie wie verschüttet war. Sie vertraute darauf, dass Gottes Versprechen an Mose, "Ich werde da sein", gilt – auch als sie das Grauen von Westerbork und Auschwitz erlebte. Daran knüpft Wilmer an, wenn er schreibt: „Glaube ist Geduld mit Gott ... Die Anerkennung, dass Gott vertrauen schwer sein kann. Und die beinahe trotzige Überzeugung, dass wir schon erleben werden, dass wir getragen sind.“ Glaube brauche Geduld, Ausdauer und Übung. Von der Frage „Was trägt?“ geht Wilmer über zu „Wer trägt?“ und beantwortet diese Frage in einem unfassbar gut komponierten Kapitel über die Dreifaltigkeit aus Sohn, Vater und Heiliger Geistkraft, das ohne theologische Spekulation auskommt und trotzdem den Kern der christlichen Gottesvorstellung schildert: Vom Sohn, der deutlich macht, dass der Vater kein entfernter, sondern ein leiblicher Verwandter ist und dass seine Beziehung zu den Menschen durch den Indikativ – die Wirklichkeitsform – gekennzeichnet ist: „Ich bin und ich bin da und ich werde da sein“, wie Wilmer die Selbstvorstellung Gottes im brennenden Dornbusch übersetzt. Zugleich ist der Vater unbegreiflich, wie Wilmer in einem sehr lebendigen Streitgespräch mit alten Freunden über die Beinahe-Opferung des Isaak deutlich macht – wieder ohne theologisches Fachvokabular und dafür umso eindrucksvoller. Und das Wirken der Heiligen Geistkraft macht er nicht nur an diesem Gespräch deutlich, sondern auch an der modernen Kirche Notre Dame dEspérance in Paris. Wenn Sie die Kirche nicht kennen, suchen Sie mal nach Bildern im Internet – und dann lesen Sie, was Wilmer darüber schreibt. Heiner Wilmer schreibt lebensnah und lebendig über das, was christliche Spiritualität bringt. Seine Texte sind gehaltvoll, mehr rheinisches Schwarzbrot, das man gründlich kauen muss, als ein Croissant. Sie regen dazu an, „ein Stück von dir in uns selbst zu retten, Gott“, wie Etty Hillesum schreibt. (Religiöses Buch des Monats Oktober 2025)
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Artikelbeschreibung

Die Frage »Was bringt's mir?« ist zentral und führt zu den Kernthemen des Lebens. Bischof Heiner Wilmer zeigt mit Mut und Verve, was ihm und anderen Hoffnung und Kraft gibt, besonders in Krisenzeiten. Er erschließt spirituelle Ressourcen und macht die Dreieinigkeit einfach und lebensnah greifbar. Sein Buch fragt konsequent, was wirklich trägt. Mit starken Bildern und eingängigen Schilderungen beschreibt er, wie Glaube, Liebe, Hoffnung und Trinität unser Leben bereichern können. Ein Buch, das Mut macht und Hoffnung schenkt.

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Personeninformation

Heiner Wilmer, geboren 1961, wurde im März 2026 zum Bischof von Münster ernannt. Seit 2018 Bischof von Hildesheim, wurde er 2026 zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt. Der promovierte Theologe wurde 1987 zum Priester geweiht, von 1993 bis 2007 war er Lehrer, Schulseelsorger, Schulleiter, davon einige Zeit in der Bronx in New York. Ab 2007 war er Provinzial der Herz-Jesu-Priester (Dehonianer) in Deutschland, von 2015 bis 2018 Ordensgeneral der Dehonianer mit Sitz in Rom.

Simon Biallowons, geb. 1984, ist studierter Philosoph und Absolvent der katholischen Journalistenschule ifp. Er arbeitete als Korrespondent in Rom, lebte im Nahen Osten und berichtete als Reporter für verschiedene Medien aus vielen Ländern. Biallowons ist Verfasser mehrerer Bestseller und derzeit Geschäftsführer und Cheflektor des Herder Verlages.

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