Venezianisches Idyll

Roman
24,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Eine ausgebrannte Mittfünfzigerin sucht in Venedig neuen Lebensmut.
Man könnte diesen Roman einreihen in die Reihe der Literatur, die auf Thomas Manns "Tod in Venedig" Bezug nimmt. Doch anders als beim Altmeister hat Hesselholdts Protagonistin Gustava – sie ist tatsächlich nach Gustav von Aschenbach benannt, weil sie laut Familienerzählung am Lido von Venedig gezeugt worden ist – zwar die Novelle im Kopf. Sie reist aber nach Venedig, um ihre Lebensfreude wiederzuentdecken. Zuvor hatte ihr Weg nach Norden geführt, nach Tromsø, die Stadt der Polarlichter, um dort die Konsequenz aus ihrem Lebensüberdruss zu ziehen und sich das Leben zu nehmen. Im Flieger entdeckt sie ein Objekt ihres Begehrens, das sie übergriffigerweise sogar berührt – ein erster Wendepunkt. Sie steht in ständigem Kontakt mit ihrem Bruder, der sich um die ältere Schwester zu sorgen beginnt. Bisher hatte sie stets zuverlässig die Rolle ausgefüllt, die seelische Lage des einsiedlerisch lebenden Mikael zu stabilisieren. Nun verlässt zum ersten Mal seit Jahren er sein Haus, um ihr hinterher zu reisen, und versucht, sie anhand einer Liste von Orten aus dem "Tod in Venedig" zu finden. Wie auf einem Spielbrett bewegt die Autorin ihre Figuren in der Stadt. Der Roman wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Gustavas, der ihres Bruders Mikael und der eines "Erzählers", der die Rolle eines halb wissenden, halb entdeckenden Beobachters einnimmt. Das fordert vom Leser die Bereitschaft, sich auf eine etwas ungewohnte Erzählweise einzulassen. Auch stilistisch erzählt Christina Hesselholdt mit eigenwilligen Mitteln: ihre Figuren sind beinahe comicartig überzeichnet, die Autorin treibt kleine Späße mit ihnen, und doch werden sie von ihr in ihren seelischen Nöten ernst genommen. So schafft sie eine bunte, humorvolle, manchmal auch schrille Oberfläche, um darunter die menschlichen Nöte ihrer Protagonisten zu schildern. Empfohlen für Büchereien mit Lesern für modern erzählte Literatur.
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

Christina Hesselholdt schreibt unglaublich humorvoll und virtuos über ein Versteckspiel in der Serenissima - der dänischste Venedigroman, den es je gab.Gustava, Psychiaterin, Mitte fünfzig, ist erschöpft von unzähligen Umzügen und dem Leid der anderen. Sie wird ihrem Leben ein Ende setzen und bricht dazu auf in den eisigen Norden. Doch vor dem Polarlicht kommt es zum Sinneswandel: Das neue Ziel heißt Venedig - hier soll ihre Lebenslust neu erblühen. Zu Hause stößt ihr labiler Bruder Mikael auf ihren Abschiedsbrief und reist ihr hinterher. Bloß von ihm, den sie schon ihr Leben lang stützen muss, will sie nicht gerettet werden, jedenfalls nicht, während sie sich mit täglichen Negronis im venezianischen Idyll entspannter Lebensfreude anzunähern versucht. Mit kluger, zärtlicher Komik inszeniert Christina Hesselholdt ein Versteckspiel im Labyrinth der Kanäle, eine Verfolgungsjagd nach dem Glück, das hinter jeder Brücke zu finden sein könnte, aber selten in uns selbst.

Produktsicherheit

Hersteller: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Anschrift: Vilshofener Straße 10
DE-81679 München
Kontakt: info@hanser.de

Personeninformation

Christina Hesselholdt, geboren 1962, gilt als eine der außergewöhnlichsten Stimmen der zeitgenössischen dänischen Literatur. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt (2018) mit dem Grand Prize of the Danish Academy. 2018 erschien ihr Roman "Gefährten", 2021 das Roman-Porträt "Vivian" bei Hanser. Ursel Allenstein ist Übersetzerin aus dem Dänischen, Schwedischen und Norwegischen. Für ihre Übersetzungen wurde sie u. a. mit dem Jane-Scatcherd-Preis der Ledig-Rowohlt-Stiftung ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Eine scharfsinnige Komödie... Dieser Roman fährt seinen Vorbildern liebevoll in die Parade - mit Witz, Tiefe und einem klaren Blick auf das moderne Scheitern.« Nina Wolf, SWR Kultur, 8.6.25 "Christina Hesselholdt bringt eine Menge unterschwelligen Witz in ihren Roman. Und ihr gelingt auf raffinierte Weise ein lebensbejahender Gegenentwurf zu Der Tod in Venedig. ... Hesselholdts Roman könnte man als Komödie einer Wiederauferstehung bezeichnen, als ein intertextuelles Versteckspiel... Ein wunderbar schräger Roman, den Ursel Alleinstein hervorragend ins Deutsche übertragen hat." Corinne Orlowski, WDR 3 Westart, 26.2.25 "Vor allem für Venedig-Fans ein großer Lesespaß" Isabella Huber, Frau im Leben, 4/2025 "Unterhaltsam und sehr belesen geschrieben." Stephan Opitz, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.3.25 "Ich liebe alles, was Christina Hesselholdt schreibt." Maria-Christina Piwowarski, blauschwarzberlin, 21.2.25 "Im Grunde lässt sich der Roman überhaupt nicht nacherzählen, da er von einem radikalen Perspektivismus geprägt ist, jede Situation in anderem Licht erscheinen lässt, je nachdem, wer von ihr berichtet. ... Christina Hesselholdts Roman ist das postmoderne Musterbeispiel dessen, was Friedrich Schlegel einst Transzendentalpoesie genannt hat: eine Dichtung, welche ständig die Bedingungen ihrer Möglichkeit reflektiert, ein Vexierspiel mit ihren eigenen Voraussetzungen und mit dem Leser treibt - ein metafiktionaler Experimentalroman." Dieter Borchmeyer, Neue Zürcher Zeitung,17.2.25 "Christina Hesselholdt hat einen sanften Roman über einsame Menschen geschrieben." Clementine Skorpil, Die Presse am Sonntag, 9.2.25 "Man hat es im Fall von Venezianisches Idyll also mit Metafiktion zu tun, mit einem postmodernen Roman, der permanent die Voraussetzungen seines Erzählens mitbedenkt. ... Hesselholdt führt auch vor, dass im Versuch einer Erfüllung Freuds psychoanalytischer Grundforderung... das postmoderne Ich keinen Hafen mehr findet. ... Ein intellektuelles, literarisches und psychologisches Vexierspiel." Beate Tröger, Deutschlandfunk Kultur, 4.2.25 "Die Sprache ist sehr humorvoll, gerade Gustava hat eine schwarzhumorige Seite, einen sehr trockenen Humor." Tim Felchlin, SRF BuchZeichen, 11.2.25
Mehr von Hesselholdt, Christina

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.