Die Hochhausspringerin

Roman
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Buchprofile - Rezension
Schöne neue Welt oder goldener Käfig? Julia von Lucadous Debütroman über die verdrängte Sehnsucht nach Menschengüte.
Es gibt einen neuen Trend in der Gegenwartsliteratur. Junge unbekannte Autoren entwerfen durchdigitalisierte Zukunftswelten. Heraus kommen realutopische Romane von einer Gesellschaft, die so perfekt schnurrt wie eine Maschine, aber von ihrer menschlichen Substanz überrascht wird. Eine solche Systemerzählung der unheimlichen Art bietet Julia von Lucadous erster Roman. Er handelt von der Hochhausspringerin Riva, die sich auch im übertragenen Sinne abseilen will aus den Funktionszwängen. Die ihr gegenüberwohnende Wirtschaftspsychologin Hitomi soll sie in den goldenen Käfig zurückholen. Dieses Resozialisierungsprojekt, wenn es denn eines ist, wird mit viel technologischem Gepäck geschultert. Es kommen Apps, Blogs, Facetags, Posts, Beziehungszielprofile, Mindfulness-Programme, Gossip- ebenso wie Newsportale ins Spiel, die Personen sind erfolgreiche Angestellte, sie ordnen ihren Tag mit Activity Trackers und sehnen sich nach ihren Bioeltern in den Peripherien, den Außenbezirken der Maschinenstädte. Faszinierend inmitten des Techniktumults ist es, wie die Autorin aus der Detektiv- und Voyeursgeschichte eine Parabel vom menschlichen Mitleid macht. Erst Neid, dann Mitleid und fast so etwas wie Barmherzigkeit und Güte sind die Untertöne in der Beziehung zwischen der Leistungssportlerin und Seelenretterin. Ein manchmal grotesker, manchmal lehrreicher Blick in eine Zukunft, die den Menschen seine familiären, emotionalen und religiösen Wurzeln vergessen lässt.
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Artikelbeschreibung

Riva ist Hochhausspringerin - ein perfekt funktionierender Mensch mit Millionen Fans. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Kameras sind allgegenwärtig in ihrer Welt, aber sie weiß nicht, dass sie gezielt beobachtet wird: Hitomi, eine andere junge Frau, soll Riva wieder gefügig machen. Wenn sie ihren Auftrag nicht erfüllt, droht die Ausweisung in die Peripherien, wo die Menschen im Schmutz leben, ohne Möglichkeit, der Gesellschaft zu dienen. Was macht den Menschen menschlich, wenn er perfekt funktioniert? "Die Hochhausspringerin" führt in eine brillante neue Welt, die so plausibel ist wie bitterkalt. Julia von Lucadou erzählt von ihr mit der Meisterschaft der großen Erzählungen über unsere Zukunft.

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Personeninformation

Julia von Lucadou ist Filmwissenschaftlerin. Sie arbeitete als Regieassistentin, Redakteurin beim Fernsehen und als Simulationspatientin; sie lebt in Köln. Ihr erster Roman "Die Hochhausspringerin" (2018) stand auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis und wurde mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. 2022 erschien der hochgelobte Roman "Tick Tack".

Pressestimmen

"Michel Foucault hätte den Roman mit Spannung gelesen ... Von Lucadou beschreibt den Terror der totalen Transparenz, die geheimnislose Offenheit dieses Albtraums in klirrend kalter Prosa. Kaum zu glauben, dass 'Die Hochhausspringerin' ihr Debütroman ist." Dominika Meindl, Falter, 19.10.18 "Eine gruselige Dystopie ... Julia von Lucadou hat eigene Erfahrungen aus der Fernsehbranche überzeichnet und auf die Spitze getrieben und daraus eine, keineswegs humorfreie, Satire gemacht. Ein äußerst gelungenes Debüt." Ulrike Sarkany, NDR Kultur, 08.11.18 "Dieser Roman geht uns nah, weil er uns nicht nur zeigt, wohin wir in unserer digitalisierten Welt geraten könnten, sondern weil er uns erzählt, wo wir bereits sind." Manfred Papst, NZZ am Sonntag, 30.09.2018 "Die Sprache ist hochpoetisch und sensibel, die Sätze sind kunstvoll strukturiert ... Erschreckend und wunderbar zu lesen." Tomasz Kurianowicz, Die Zeit, 16.08.18 "Lucadous Sätze sind so transparent wie die gläserne Architektur, die ihre Figuren umschließt, ihre Worte so präzise gewählt, als würde jemand permanent aus dem Off das Achtsamkeitslevel checken." Anja Kümmel, Zeit Online, 08.09.18 "Nüchtern, kühl, in kurzen schmucklosen Sätzen erzählt Julia von Lucadou, wie mit dem Heilsversprechen von mehr Effizienz, Wachstum und personalisiertem Glück alles verdrängt, gedämpft, zerstört wird, was Leben ausmacht: Spontaneität, Schmerz, Dreck, Emotion, Poesie." Martin Halter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.18 "Ein intelligenter, hellsichtiger und kurzweiliger Roman über unsere schöne neue Welt der freiwilligen Selbstüberwachung. Ein herausragendes Debüt!" Barbara Geschwinde, WDR 5, 04.08.18 "Soghaft spannend erzählt." Anja Ruf, Frankfurter Rundschau, 03.08.18 "Was Julia von Lucadous Roman so beeindruckend macht, ist die Genauigkeit, mit der sie diese hochglänzende, neue, aber keineswegs komplett fiktive Welt beschreibt ... Jedes Detail sitzt so genau, dass hinter der Makellosigkeit des Textes immer dieselbe Perfidie der Selbstoptimierung zu lauern scheint, um die es ihm geht." Kathleen Hildebrand, Süddeutsche Zeitung, 23.07.18
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