Der Mann, der Verlorenes wiederfindet

Novelle
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Buchprofile - Rezension
Blitzlichtartig erzählt Köhlmeier in einer Verbindung aus Fiktion und Fakten aus dem Leben des heiligen Antonius von Padua.
Auf dem Platz vor dem Kloster in Arcello nahe Padua liegt auf einer Trage der heilige Antonius von Padua im Sterben. Mit ihm warten die 3.000 Menschen auf seinen Tod, die seine Predigt hören wollten - und nun hoffen, seine Himmelfahrt zu erleben. Antonius erinnert sich an seine wichtigsten Lebensstationen: die Kindheit bei seinem Großvater, die erste Liebe, der Eintritt ins Kloster, der Kampf gegen seine Eitelkeit und seinen Hochmut, weil er mit seiner Kenntnis der Bibel und der Bücher der Kirchenlehrer gern glänzte, und an seine Predigten, mit denen er die Menschen erreichen kann. Auch in seinen letzten Stunden kämpft er mit theologischen Zweifeln: Wie kann Gott das Böse zulassen? Wie kann er den Teufel erschaffen? Was ist das für ein Gott, der sich auf eine Wette mit Luzifer um die Seele des getreuen Hiob einlässt? Hoffnung spendet ihm nur das Hohelied der Liebe. Die Himmelfahrt des Heiligen sehen die wartenden Menschen nicht, aber nach seinem Tod hat jeder seine eigene Erinnerung an die letzte Predigt des Antonius. - Mit vielen Zitaten aus der Bibel und den Schriften der Kirchenlehrer erzählt Michael Köhlmeier in meisterhafter Sprache weniger von dem Heiligen, der zuständig ist für verlorene Dinge, als von den Zweifeln des Menschen Antonius, der gegen das Böse seine Nächstenliebe, seine Bescheidenheit und seine Menschenfreundlichkeit setzt - ein Gegenstück zu Hasspredigten von Religionsfanatikern in der Gegenwart.
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Artikelbeschreibung

Antonius liegt auf dem Platz vor der Kirche. Er hatte die Schmerzen nicht mehr ertragen, die Straße nach Padua war gepflastert und der Wagen hart gefedert. Jetzt liegt er da und sieht den italienischen Himmel. Und er erinnert sich an alles, was ihn hierhergebracht hat, von der Kindheit in Portugal bis in den Orden des heiligen Franziskus. - Michael Köhlmeier erzählt, wie nur er es kann, von einer sehr fernen Zeit, doch er macht uns den Bruder Antonius zum Zeitgenossen. In einer Epoche voller Gewalt fragt sich Antonius, wie kommt das Böse in die Welt? Habe ich etwas dagegen bewirkt mit meinen Reden? Köhlmeier erzählt von dem Menschen Antonius, und der geht uns alle an.

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Personeninformation

Michael Köhlmeier, 1949 in Hard am Bodensee geboren, lebt in Hohenems / Vorarlberg und Wien. Bei Hanser erschienen u. a. die Romane »Abendland« (2007), »Zwei Herren am Strand« (2014), »Matou« (2021), »Frankie« (2023), »Das Philosophenschiff« (2024) und »Die Verdorbenen« (2025), außerdem Gedichtbände«, »Die Märchen« (mit Bildern von Nikolaus Heidelbach, 2019) sowie die Essaybände »Das Schöne. 59 Begeisterungen« (2023)« und »Das Gute. 53 Zuneigungen« (2025). Michael Köhlmeier wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 2017 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für sein Gesamtwerk und 2019 mit dem Ferdinand-Berger-Preis.

Pressestimmen

"Eine mutige und ungemein dichte Novelle." Ulrich Deuter, WDR 3, 06.09.17 "Köhlmeier erinnert uns mit seinem Antonius sowohl an die Menschlichkeit des Zweifelns als auch an das Urmotiv des Christentums: die Nächstenliebe. Sie kennt keine Glaubensunterschiede. So wird der Erzähler dieses kunstvoll komponierten Textes selbst zum Mann, der Verlorenes wiederfindet. Michael Köhlmeiers neue Novelle liest sich wie ein Klassiker." Carsten Otte, Der Tagesspiegel, 27.08.17 "Köhlmeier erschafft Erzählwelten, die aus eigenem Recht leuchten." Martin Oehlen, Frankfurter Rundschau, 23.08.17 "Die Aktualität dieses brillianten Textes liegt darin, dass er Antonius in seiner ganzen Menschenfreundlichkeit als Kontrapunkt gegen die Hassprediger, Demagogen und Religionskrieger der Gegenwart setzt." Christoph Schröder, Süddeutsche Zeitung, 07.08.17 "Köhlmeier erinnert uns sowohl an die Menschlichkeit des Zweifelns als auch an das Urmotiv des Christentums, nämlich an die Nächstenliebe, die keine Glaubensunterschiede kennt." Carsten Otte, SWR2, 31.07.17 "Michael Köhlmeier versteht es, auf betörende Weise die großen Figuren der Weltgeschichte auf ihre vermeintlich kleinen privaten Momente herunterzubrechen, um sie auf diese Weise aber nur umso mehr zum Leuchten zu bringen... Für die konzentrierte, im Ton zurückgenommene Strecke dieser Novelle legt man sich nur allzu gern neben Antonius auf das harte Pflaster und lässt sich von Köhlmeiers Sanftmut eine glückliche Weile tragen." Wiebke Porombka, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.17
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