Der Riss in der Wand

Roman
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Buchprofile - Rezension
Hedwig erzählt die metaphernreiche Emanzipationsgeschichte von ihrer sie einengenden Familie.
Ich-Erzählerin Hedwig lebt mit 26 Jahren noch bei ihren Eltern. Sie zeichnet für ihr Leben gerne, und als sie zum Kunststudium in Wien zugelassen wird, wagt sie es kaum, es ihren Eltern zu sagen. Sie hat die Zensurschere im Kopf und stellt sich vor, was ihr Vater sagen würde: Die ganze Hausarbeit bleibe an ihm hängen, denn die Mutter liegt krank im Bett. Und über Bruder Franz, der vor 14 Jahren das Haus verlassen hat, wird gar nicht mehr geredet. Hedwig zieht sich in sich selbst zurück, sieht plötzlich Risse in den Wänden. Dinge fallen ihr vor die Füße, als wollten sie ihr etwas sagen. So findet sie über 30 Jahre alte Liebesbriefe einer Hanna Wallner an ihren Vater, versteckt im Küchenschrank. Und in einer Schatulle im roten Zimmer ist ein Tagebuch ihrer Mutter Gretel. Diese schreibt dort von ihrer sehr ehrgeizigen und fordernden Familie, in der sie neben den erfolgreichen Geschwistern als der “faule Apfel“ galt. All diese Funde tragen zu Hedwigs Emanzipation von der sie erstickenden Familie bei. Endlich, denk man sich als Leser:in! Denn die küchenpsychologischen Metaphern der an Schauerliteratur geschulten Autorin nerven zusehends.
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Artikelbeschreibung

Nur wer zu sich selbst steht, kann frei sein

Ich höre ein Klack. Die Tür ist ins Schloss gefallen. Ich lege langsam meine Hand um die Türklinke, doch sie lässt sich nicht öffnen. Immer schneller drücke ich die Klinke hinauf- und hinunter und zerre daran. Doch die Tür rührt sich kein Stück. Die Wolle meines Pullovers kratzt die Haut an meinem Hals. Mit meiner anderen Hand packe ich den Kragen und ziehe ihn herunter. Aber er ist es nicht, der mir den Hals zuschnürt. Ich schlage gegen die Tür und fange zu wimmern an: »Lasst mich raus! Bitte, lasst mich doch raus!«

Hedwig lebt noch bei ihren Eltern, obwohl sie lieber hinaus in die Welt möchte. Die Sicherheit des Elternhauses hält sie zwar, aber sie will mehr, weiß aber nicht so recht was und wie. Um ihren Gefühlen und Wünschen Raum zu geben, liebt sie es zu zeichnen. Eines Tages fasst sie sich schließlich ein Herz und bewirbt sich für ein Kunststudium, von dem sie schon seit langem träumt. Doch immer wieder zögert sie, mal aus Schuldgefühlen ihren Eltern gegenüber, mal aus Angst vor dem Unbekannten. Sie ist schon kurz davor, ihren Traum aufzugeben, als plötzlich seltsame Dinge im Haus geschehen. Sie sieht, was nicht da ist, Gegenstände verschwinden und tauchen woanders wieder auf, sie fühlt eine Präsenz, die zunehmend stärker wird.

Während sie dem Spuk auf den Grund geht, wird ihr nach und nach klar, dass diese Erscheinungen von ihren eigenen innersten Wünsche hervorgerufen werden. Sie wird mutiger, entwickelt Selbstvertrauen und ist bereit für ein neues Leben. Doch wird sie ihre Ängste wirklich besiegen?

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Personeninformation

Ina Maschner wurde 1992 in Prien am Chiemsee geboren. An der LMU studierte sie Germanistik mit Schwerpunkt auf Schauerliteratur. Die Autor*innen der Münchner Autorengruppe Prosathek sagen von ihr: Was unauffällig in die Ecke gestellt, hastig unters Bett geschoben, in den Keller gesperrt und totgeschwiegen wurde - darüber schreibt Ina.

Die Autorin ist Mitglied der Münchener Autorengruppe Prosathek.
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