Hitlers Komplizen

Helfer und Vollstrecker: Das Dritte Reich in 24 Porträts
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Buchprofile - Rezension
Waren die NS-Täter abartig oder gestört?
In der Schlussbetrachtung zu seinem hochinteressanten Buch über Hitler und seine Helfershelfer fasst der renommierte britische Historiker Richard J. Evans seine auf neuesten Forschungen beruhenden Erkenntnisse zur NS-Zeit folgendermaßen zusammen: "Unter Aufkündigung der in allen menschlichen Gesellschaften in normalen Zeiten vorhandenen moralischen Hemmungen machte das NS-Regime Mordlust, Grausamkeit bis hin zu Sadismus und Folter zu legitimen und sogar wünschenswerten Eigenschaften derjenigen, die für es arbeiteten." Wie dies funktionieren konnte, welche charakterlichen, moralischen und sozialen Voraussetzungen die Männer, aber auch einige Frauen besaßen oder sich aneigneten, wie sie ihre Funktionen erlangen und behalten sowie ihren hohen Lebensstandard erreichen und ausleben konnten, analysiert der Autor präzise und gewährt so tiefe Einblicke in die Denkmuster und Handlungsweisen der Protagonisten in all ihrer Perversität, moralischen Verkommenheit und absoluten Hitler-Gefolgschaft. Obwohl diese Merkmale bei allen 24 vorgestellten Porträts zutreffen, unterscheidet sie Evans dennoch aufgrund ihrer Funktion im NS-Staat bzw. ihrem Selbstverständnis und ordnet diese verschiedenen Gruppen zu: Hitler, unangefochtener, ideologisch besessener Diktator; die Paladine: u.a. Hermann Göring, Heinrich Himmler, Joseph Goebbels; die Vollstrecker: z.B. Rudolf Heß, Reinhard Heydrich, Adolf Eichmann: die Werkzeuge: u.a. Ilse Koch, Leni Riefenstahl, Gertrud Scholtz-Klink. Um deren Verständnis von Machtausübung und unverbrüchlicher Treue zu Hitler einordnen zu können und diese Männer und Frauen nicht einfach als Psychopathen, Geistesgestörte oder als "Bande" (Churchill) zu klassifizieren, beleuchtet der Autor ihre Persönlichkeitsstruktur, ihre Motive, ihre individuelle Prägung durch Familie und Gesellschaft, insbesondere die Krisen nach 1918. – Ein wichtiges Buch und eine eindrückliche Mahnung, rechtzeitig die Gefährdung unserer Demokratie zu erkennen und dagegen einzuschreiten.
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Artikelbeschreibung

Der Sunday-Times-Bestseller von NS-Experte Sir Richard Evans über Hitlers Helfer und Vollstrecker - von Paladinen wie Göring, Goebbels, Himmler bis zu Propagandisten wie Riefenstahl und Handlangern wie Irma Grese und Paul Zapp

Wer waren die Nazis? Verfolgten sie kriminelle Absichten, oder waren sie »gewöhnliche Deutsche«? Was brachte sie dazu, furchtbare Gräuel gegen wirkliche oder eingebildete Feinde zu begehen oder zu billigen? Warum waren so viele Deutsche an den Verbrechen beteiligt? Wie kam es, dass sie Hitler fast bis zum Ende folgten?

Der renommierte Historiker Richard J. Evans zeichnet oft verblüffend neue Porträts der Männer und Frauen, die NS-Deutschland schufen und ihm dienten, angefangen bei Hitler über Paladine wie Göring, Goebbels und Himmler bis zu Exekutoren wie Eichmann und Heydrich, Propagandisten wie Leni Riefenstahl, Täter wie die berüchtigte KZ-Aufseherin Irma Grese und unbekannte Sympathisanten und Mitläufer, die das Regime auf vielfältige Weise unterstützten. Evans hilft die Struktur des Dritten Reiches besser zu verstehen und zeigt auf, wie weit Einzelne gehen, wenn der moralische Kompass abhandengekommen ist.

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Personeninformation

Richard J. Evans, geboren 1947, war Professor of Modern History von 1998 bis 2008 und Regius Professor of History von 2008 bis 2014 an der Cambridge University. Seine Publikationen zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und zum Nationalsozialismus waren bahnbrechend. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Wolfson Literary Award for History und die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Hansestadt Hamburg. 2012 wurde Evans von Queen Elizabeth II. zum Ritter ernannt. Zuletzt sind von ihm erschienen »Das europäische Jahrhundert. Ein Kontinent im Umbruch - 1815-1914« (DVA 2018), »Das Dritte Reich und seine Verschwörungstheorien« (DVA 2021) und »Tod in Hamburg. Stadt, Gesellschaft und Politik in den Cholera-Jahren 1830-1910« (Pantheon 2022). Klaus-Dieter Schmidt, geboren 1950 in Teltow, lebt in Berlin. Zunächst als Korrektor und Lektor tätig, übersetzt er seit vielen Jahren vor allem zeitgeschichtliche Sachbücher aus dem Englischen. Zu den von ihm übersetzten Autorinnen und Autoren zählen unter anderen Paul Collier, Niall Ferguson, Ian Kershaw, Margaret MacMillan und Brendan Simms.

Pressestimmen

»Elegant im Stil und kraftvoll in seiner Argumentation gehört das Buch zu den besten Arbeiten über diese grauenvolle Epoche.« Sunday Times
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