Diagnose: Judenhass

Die Wiederkehr einer deutschen Krankheit
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Buchprofile - Rezension
Dokumentation anhand von Reportagen, Interviews und Analysen, wie weit tatsächlich in unserer Gesellschaft der Antisemitismus verankert ist.
Die Autoren, beide beruflich mit dem Thema Antisemitismus durch ihre Arbeit in der KZ Gedenkstätte Dachau und in der Dachauer Redaktion der Süddeutschen Zeitung verbunden, sind kreuz und quer durch Deutschland gereist und zeigen in Reportagen, Interviews und Gesprächen auf, dass der Antisemitismus in Deutschland nach 1945 nicht verschwunden ist, sondern zurzeit wieder zunimmt und, tief in der Gesellschaft verwurzelt, immer neue gewalttätige Ausmaße annimmt, wie Brandanschläge auf Synagogen etc. bezeugen. Rassismus und Antisemitismus finden sich überall und in großen Teilen der Bevölkerung - nicht nur in der rechtsextremistischen Szene, sondern auch unter Muslimen und unter Menschen, die in puncto Israel einen gegensätzlichen Standpunkt beziehen. Insgesamt aber ist Antisemitismus in der bürgerlichen Mitte verankert, der in Witzen, stupiden Klischeevorstellungen oder Schulterzucken im Alltag bei Übergriffen o.ä. sichtbar wird. Zudem gibt es offenbar eine Rechtsprechung, die dem Thema Judenhass und seinen Auswüchsen nicht immer Rechnung trägt. Verharmlosung und Wegsehen sind in der Gesellschaft nach wie vor verbreitet. Die Interviews mit Juden und Jüdinnen zeigen, dass Antisemitismus tief verwurzelt ist, uns aber alle angeht. Die geballte Ladung an Informationen macht betroffen und sollte jeden aufrütteln. Mit seinem brisanten Inhalt ist dieses Buch wichtig für jede Bücherei. Breit empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Bis vor wenigen Jahren hieß es in Deutschland stets, jüdisches Leben sei ein selbstverständlicher Teil der Normalität. Aber spätestens nach dem Überfall auf die Synagoge in Halle 2019 und der massiven Ausbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen in der Corona-Krise bekam dieses Bild tiefe Risse. Eva Gruberová und Helmut Zeller sind durch Deutschland gereist und haben zugehört von Rostock über Berlin bis Dortmund und nach München, mit einem Abstecher nach Wien. Dabei zeigt sich, dass Juden hierzulande kein normales Leben führen können, es sei denn, man hält Polizei und Sicherheitszäune vor jüdischen Kindergärten, Brandanschläge auf Synagogen, oder perfide Witze für etwas, das zur deutschen Normalität gehört. Jüdinnen und Juden erleben Übergriffe und Anfeindungen auch aus muslimisch geprägten Milieus. Was aber viele nicht sehen: Antisemitismus kam und kommt aus der "bürgerlichen Mitte". Die Reportagen, Interviews und Analysen machen sichtbar, dass der Judenhass tief in der Gesellschaft verwurzelt ist und uns alle angeht.

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