Leonardo da Vinci

Das Auge der Welt
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Buchprofile - Rezension
Eine quellennahe Biografie, die Leonardo als Denker und Schöpfer gegen seine Zeit zeigen will.
Biographien über Leonardo da Vinci (1452-1519) gibt es immer wieder neue. Diesmal wagt sich ein Historiker an das Thema, der von den Notizbüchern und anderen schriftlichen Quellen ausgeht und so gängige Mutmaßungen und Hypothesen "einer rein stilimmanenten kunsthistorischen Leonardo-Forschung" in Frage stellt, wenn nicht gar als Mythen entlarvt. Zugleich arbeitet der Autor heraus, dass Leonardos Schriften zu Natur und Malerei eine Antwort auf permanente Demütigungen, ja, wütende Entwürfe gegen seine Zeit sind: gegen die wort- wie antikenverliebten Humanisten, gegen die naturfeindlichen Theologen oder gegen die Geheimwissen vorgaukelnden Alchemisten. Damit wird Leonardo nicht nur wieder mehr als sperriger Außenseiter oder auch Nicht-Christ herausgestellt, sondern zudem als ein Mensch, der lebenslang konsequent an seinem Image feilte, der Welt ein Rätsel bzw. erster Wahrheitssucher (vgl. Untertitel) zu sein, der die bequemen Scheingewissheiten seiner Zeit hinter sich gelassen hat. - Eine anregende neue Sichtweise zu einer großen Persönlichkeit, die viele Leser/innen interessiert.
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Artikelbeschreibung

Leonardo da Vinci Maler der Mona Lisa, visionärer Konstrukteur von Flugapparaten und Zeichner des ideal proportionierten Menschen ist als prototypisches Universalgenie der Renaissance weltberühmt. Volker Reinhardt entdeckt demgegenüber einen Künstler, der vor allem gegen seine Zeit lebte: gegen die wortverliebten Humanisten, gegen das naturfeindliche Christentum, gegen den Glauben der Alchemisten an verborgene Kräfte der Natur. Für Leonardo galt nur, was das Auge sieht, und seine Mission war es, sehend, zeichnend und malend zum Auge der Welt zu werden.
Leonardo da Vinci (1452 1519) wuchs im Florenz der Medici auf, arbeitete in der Werkstatt des florentinischen Malers und Bildhauers Verrocchio, diente als Hofkünstler in Mailand, als Kriegsingenieur Cesare Borgias und verbrachte einen luxuriösen Lebensabend am Hof des kunstliebenden französischen Königs. Die Stationen seines Lebens sind gut erforscht und doch voller Rätsel: Warum stellte Leonardo kaum ein Werk fertig und schrieb in Spiegelschrift? Wen stellt die Mona Lisa dar? Sind seine gebirgigen Hintergründe geheime Seelenlandschaften? Volker Reinhardt hat die von Kunsthistorikern vernachlässigten Notizbücher Leonardos neu gelesen und kann so quellenbasiert gängige Mutmaßungen über sein Leben und Werk korrigieren. Vor allem aber gibt er dem von allen vereinnahmten Außenseiter seine subversive Sperrigkeit zurück und sein Geheimnis, denn die Aura des Mysteriums, mit der sich Leonardo selbst umgab, war, wie das profunde, glänzend geschriebene Buch zeigt, eines seiner erfolgreichsten Werke.

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