»Wehvolles Erbe«

Richard Wagner in Deutschland. Hitler, Knappertsbusch, Mann
28,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Nur die älteren Leser werden noch erfahren haben, welches Faszinosum die Musik Richard Wagners in der deutschen Kultur vor 1945 darstellte. Als wissenschaftlichen Beitrag zur Rezeptionsgeschichte legt der Germanist Hans Rudolf Vaget eine umfangreiche Studie zu drei Hauptfiguren der Wagnerverehrung vor. Ihre Zusammenstellung ist so spannungsvoll wie aufschlussreich. Hitler als Politiker und Staatsführer, der aus seinem Wagner-Impuls heraus Völker vernichtete, Kriege führte und von Großdeutschland träumte. Knappertsbusch, der Dirigent als ausführender Künstler, dessen Wagner-Verehrung ihn über die NS-Zeit hinaus zur Führungsrolle des jungen Bayreuth nach dem Zweiten Weltkrieg werden ließ. Und Thomas Mann, dem des Autors besondere Beachtung dient, der eine kritische, aber nicht weniger verehrende Position eines "anderen" Wagner einnimmt. In dem Triumvirat der Wagnerverehrer kommt Knappertsbusch, obwohl der geringste Teil des Buches von ihm berichtet, die Scharnierfunktion zu. Mit seinem harten und spätromantischen Orchesterklang und besonders mit der unsäglichen Initiative zu einem gemeinsam mit Größen wie Richard Strauß und Hans Pfitzner getragenen Aufruf gegen Thomas Mann und seine Wagner-Rede an der Münchner Universität 1933 hat er zwar sich dem NS-Regime als würdiger Wagner-Interpret empfohlen, konnte aber nicht die Gnade der Nazi-Oberen, insbesondere Hitlers, finden. Nach 1945 prägte er als Nicht-Parteimitglied bis 1964 das Wagnerbild in Bayreuth wie kein anderer. Neben der Ausleuchtung der Nazi-Ideologie zur nationalen Kulturpflege und der biografischen Nachzeichnung des Wagnermythos wird deutlich, dass die junge Bundesrepublik besonders im Umgang mit Wagner zwischen Althergebrachtem, deutsch-nationalistisch getönten Traditionen und einer demokratisch kosmopolitischen Aneignung des Erbes stand. Thomas Manns Erfahrungen mit dieser Tradition hielten ihn an, auch nach 1945 im Exil in der Schweiz zu bleiben. - Für Verehrer von Wagner wie Thomas Mann und für Leser mit Interesse an der deutschen Zeit- und Kulturgeschichte des NS-Staats ist das Buch ein großer Gewinn. Seine letztlich akademisch geprägte Darstellungsweise und der Umfang lassen es nur für größere Bestände empfehlen.
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

Hitler und Thomas Mann waren nicht nur politische Feinde, sie waren auch Gegenspieler, wenn es ums das geistige Erbe Richard Wagners ging. Das wusste der ehrgeizige Dirigent Knappertsbusch für sich zu nutzen - mit nachhaltigen Folgen.
Hitler als Wagnerianer - diese Leidenschaft prägt die Persönlichkeitsbildung und zieht sich als rote Linie durch Hitlers Leben von der Jugend in Linz bis hin zum Untergang im Führerbunker. Zum ersten Mal beschreibt Hans Rudolf Vaget diese Konstante mit all ihren Facetten, Voraussetzungen und weitreichenden Folgen.
Gegen das deutschnationale Wagner-Bild Hitlers setzt Thomas Mann ein weltoffenes, dem modernen Denken verpflichtetes Verständnis von Wagners Kunst und Leben. Damit fordert er die bayreuthhörige Wagner-Gemeinde heraus, die sich, an vorderster Stelle Hans Knappertsbusch, militant gegen Thomas Mann aufstellt. In diesem Kampf um Wagners Erbe zeigt sich - mit desaströsen und bis heute wahrnehmbaren Folgen - das Ringen um eine deutsche Identität.

Produktsicherheit

Hersteller: S. Fischer Verlag GmbH
Anschrift: Hedderichstraße 114
Frankfurt am Main
DE
Kontakt: produktsicherheit@fischerverlage.de

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.