Über den Fluss

Roman
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Buchprofile - Rezension
Psychologische Hilfe in einer Einrichtung für Geflüchtete, die an ihre Grenzen stößt.
Schon als unveröffentlichtes Manuskript wurde der Text, der jetzt als Debütroman erschienen ist, mit dem „Retzhof-Preis für junge Literatur“ ausgezeichnet und für den „Amadeus-Antonio-Preis“ nominiert. Und das zu Recht, denn die Autorin gewährt, nach eigenen Berufserfahrungen als Psychologin, einen detaillierten Einblick in das Leben von geflüchteten Menschen und den Arbeitsalltag einer Psychologin in einem Erstaufnahmelager für Geflüchtete. Mit viel Enthusiasmus und Altruismus geht die junge Protagonistin an ihre neue Aufgabe heran und muss doch bald erkennen, wie eingeschränkt ihre Möglichkeiten sind, wie stark die Zwänge des Asylsystems wirken und wie wenig sie bei den traumatisierten Menschen ausrichten kann. Immer mehr nimmt sie die Arbeit jenseits des Flusses von der großen Stadt gefangen; und sie tut sich schwer mit Nähe und Distanz. Beispielhaft werden einige Situationen von Geflüchteten geschildert und so kommt das Geschehen den Leser/-innen sehr nahe. „Wir hatten die Wahl zwischen dem Tod an Land oder dem Tod zu Wasser. Mich überkam unwillkürlich Traurigkeit angesichts der Vorstellung dieses ausweglosen Meers, dessen Salzatem für mich bisher Freiheit bedeutet hatte.“ Am Ende muss die junge Frau ihren Job aufgeben, denn sie trifft aus falscher Rücksichtnahme auf einen der Gäste eine folgenschwere falsche Entscheidung. Ein dichter, sprachlich ausgezeichneter, reflektierender Roman, der Dilemmata von Helfenden eindringlich thematisiert und die schwere Traumatisierung durch Gewalt, Flucht und Vertreibung deutlich macht. Ein gelungenes Debüt!
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Artikelbeschreibung

Eine junge Psychologin ist die Hauptfigur in Theresa Pleitners erstem Roman 'Über den Fluss'. Mit gerade abgeschlossenem Studium meldet sie sich freiwillig, um in einem provisorischen Aufnahmelager am Rand einer deutschen Großstadt geflüchtete Menschen zu betreuen. Bald erfährt sie, wie begrenzt ihre Möglichkeiten sind, den Traumatisierten in der hoch gesicherten Einrichtung zu helfen. Ihre Geschichten verfolgen sie bis in den Schlaf und treiben sie in die Vereinsamung. Immer stärker erlebt sie die Widersprüchlichkeit ihres Auftrags, zu dem es auch gehört, die Menschen notfalls zu entmündigen und Abschiebungen zu tolerieren - als Teil des Systems wird sie zum Teil des Problems. Als sie mit einem Geflüchteten konfrontiert wird, der sich das Leben nehmen will, gerät sie in ein moralisches Dilemma. Sie entscheidet - falsch - und verfasst einen eindringlichen Rechenschaftsbericht, nach dem man das Wort 'helfen' nie mehr lesen wird wie zuvor.

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