Melanie Wolfers - Mut
12.06.2023


Melanie Wolfers - Die Kunst, mutig zu sein - Folge 6

Guten Mutes entscheiden

Spirituelle Gedanken und Texte aus Melanie Wolfers Buch "Trau dich, es ist dein Leben".

Sich zu entscheiden braucht Mut. Denn egal, ob man ein heikles Thema anspricht, sich früh pensionieren lässt oder sich für jeman­den einsetzt – in all diesen Situationen lässt man sich auf ein Geschehen mit offenem Ausgang ein. Man geht das Wagnis ein, dass man möglicherweise falsch liegt oder enttäuscht wird. Denn ob das Gespräch gelingt oder ob unser Engagement zum Erfolg führt, haben wir nicht 100 prozentig im Griff. Jede bedeutsame Entscheidung bleibt ein Wagnis! Kein Wunder, dass viele es vorziehen, sich gar nicht erst zu entscheiden. Lieber belassen sie alles beim Alten, als dass sie Neues wagen – selbst dann, wenn sie sich mies fühlen. Doch der schlechteste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen! Unglück entsteht oft weniger aus Fehlentscheidungen als aus fehlen­den Entscheidungen. Denn wenn wir nicht entscheiden, dann entscheiden andere oder anderes über uns: der Lauf der Zeit, Umstände oder Menschen mit ihren gutgemeinten Ratschlägen.


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Leben lässt sich nicht aufschieben

Ehrlich gesagt: Es überrascht mich, wie viele Menschen ihr Leben führen, als hätten sie danach noch eins und noch eins und noch eins … Aber Leben lässt sich nicht aufschieben! Entweder ich ergreife es hier und jetzt – oder lasse es an mir vorübergleiten. Entweder ich verschlafe es – oder bin wach dabei. Aufwecken kann eine tiefe, unter die Haut gehende Einsicht in die Begrenztheit sein: in die Endlichkeit der eigenen Kraft und Lebenszeit. In die Beschränktheit der Mitmenschen, der natürlichen Ressourcen und der Machbarkeit von Dingen.

Natürlich, der Tod ist ein Tot­schlagargument. Aber er ist trotzdem ein Argument. Denn er wird kommen, und dann wäre es gut, sagen zu können: Ich habe mein Leben gelebt! Und es nicht nur hingenommen. Um das Leben hier und jetzt beim Schopf zu ergreifen, hilft es, ab und zu vom vorgestellten eigenen Ende her auf das Jetzt zu schauen. Wer wirklich spürt: „Ich habe nur dieses Leben“, entdeckt dessen Kostbarkeit oft mit einer neuen Klarheit. Die Einmalig­keit der Beziehungen und die Bedeut­samkeit des eigenen Tuns treten heller zutage. Und dies kann dazu animieren, intensiver zu leben und beherzter zu entscheiden.

Mut, sich selbst zu beschränken

Nicht nur die Angst vor Ungewissheit oder einer möglichen Fehleinschätzung führt in Entscheidungsblockaden. Ebenso schallen innere Alarmglocken angesichts des Preises, den man für eine Entscheidung zah­len müsste. Denn in jeder Entschei­dung für etwas scheiden wir andere Möglichkeiten aus. Sich entscheiden bedeutet, zu diesem Ja und zu jenem Nein zu sagen. Wer ein selbstbestimm­tes Leben führen will, braucht also den Mut, sich selbst zu beschränken. Und das wird möglich im Blick auf das Größere, zu dem er Ja sagt.

Passend zum Thema: Der Podcast "Ganz schön mutig - Mut tut gut"
Melanie Wolfers
Artikel von Melanie Wolfers
Philosophin, Theologin und Mutmacherin
Melanie Wolfers gehört zur internationalen Ordensgemeinschaft der Salvatorianerinnen, ist Bestseller-Autorin, betreibt den Podcast GANZ SCHÖN MUTIG. Sie ist freie Mitarbeiterin beim Michaelsbund und stellt als Host der ZDF-Serie "Die letzte Bank" Fragen an das Leben.