Beziehung
10.09.2026
Minister René Wilke ist mit seiner Frau pilgert
Hochzeitreise auf dem Jakobsweg
René Wilke hat eine ungewöhnliche Hochzeitsreise gemacht. Mit seiner Frau ist Brandenburgs Arbeits-, Sozial- und Gesundheitsminister auf den Jakobsweg gegangen. Im Interview berichtet der SPD-Politiker, wie ihn die Wanderung inspiriert hat.
Vor allem am Kap Finisterre hatte René Wilke den Eindruck, an einem besonderen Ort zu sein. Foto: © AdobeStock/Viajarruteando
Herr Wilke, nach Ihrer Reise haben Sie gesagt, Sie hätten auf dem Jakobsweg die Zeit gefunden, bestimmte Dinge zu verarbeiten. Was meinen Sie damit?
Ich habe zuletzt mehrere tiefgreifende Veränderungen innerhalb sehr kurzer Zeit erlebt. Ich war sieben Jahre Oberbürgermeister in Frankfurt (Oder), bereitete mich dort gerade auf eine erneute Kandidatur vor. Im Mai 2025 wurde ich nach einem Anruf von Ministerpräsident Dietmar Woidke Innenminister. Dann zerbrach in Brandenburg die Koalition. Ich wechselte in das Ressort Gesundheit. Alles verantwortungsvolle Aufgaben, die ich gerne übernommen habe. Allerdings gab es zwischendrin kaum einen Moment Zeit, das alles zu verdauen.
Die Wanderung nach Santiago de Compostela ist ein christlicher Pilgerweg. Sind Sie oder Ihre Frau religiös?
Wir sind nicht konfessionell gebunden. Dennoch würden wir beide uns als gläubig bezeichnen.
Ich habe zuletzt mehrere tiefgreifende Veränderungen innerhalb sehr kurzer Zeit erlebt. Ich war sieben Jahre Oberbürgermeister in Frankfurt (Oder), bereitete mich dort gerade auf eine erneute Kandidatur vor. Im Mai 2025 wurde ich nach einem Anruf von Ministerpräsident Dietmar Woidke Innenminister. Dann zerbrach in Brandenburg die Koalition. Ich wechselte in das Ressort Gesundheit. Alles verantwortungsvolle Aufgaben, die ich gerne übernommen habe. Allerdings gab es zwischendrin kaum einen Moment Zeit, das alles zu verdauen.
Die Wanderung nach Santiago de Compostela ist ein christlicher Pilgerweg. Sind Sie oder Ihre Frau religiös?
Wir sind nicht konfessionell gebunden. Dennoch würden wir beide uns als gläubig bezeichnen.
Faszinierende Momente: René Wilke und seine Frau auf dem Jakobsweg. Foto: © privat
Wann sind Sie auf die Idee gekommen zu pilgern?
Die Initiative ging von meiner Frau aus. Sie ist bereits vor einigen Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter einen Teil des Jakobswegs gegangen. Nachdem wir 2019 zusammengekommen sind, sagte sie mir, dass sie auch gerne einmal mit mir eine Pilgerwanderung machen möchte.
Wie haben Sie reagiert?
Ich komme eher vom Fahrradfahren und habe früher einige lange Radtouren unternommen. Unter anderem habe ich einen großen Teil der Nordseeküste in Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen befahren. Und einmal bin ich von meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) nach Venedig und wieder zurück – über die Alpen – geradelt. Meine Frau dagegen geht lieber wandern. In der Beziehung habe ich mich etwas angepasst. 2025 haben wir gemeinsam zu Fuß die Alpen überquert.
Viele Menschen gehen den Jakobsweg aus religiösen Motiven oder zur Selbstfindung. Was war Ihr Hauptmotiv?
Das Schöne an einem Aktivurlaub ist, dass ab einer gewissen Schwelle der körperlichen Anstrengung eine geistige Erholung einsetzt. Man schaltet ab. Zudem kommt man beim Wandern noch intensiver als beim Radfahren in den direkten Kontakt mit Land und Leuten. Auch wenn ich auf dem Pilgerweg keine lebensverändernden Erfahrungen gemacht habe, merke ich doch, dass mich die Reise geerdet hat und weiter in mir nachhallt.
Wollten Sie und Ihre Frau sich auf dem Jakobsweg auch als Paar neu finden?
Das werden wir durchaus häufiger gefragt. Ob das ein nochmaliger Beziehungstest sei. Aber nein. Meine Frau und ich sind sehr gut aufeinander eingestellt und eingespielt. Und die Alpenüberquerung letztes Jahr wäre es dann noch mehr gewesen. Die war noch härter.
Trotzdem zieht es die meisten Paare zur Hochzeitsreise eher an vermeintlich romantische Reiseziele. Warum haben Sie anders entschieden?
Meine Frau und ich sind der Überzeugung, dass man bestimmte Dinge, vor allem solche, die körperlich etwas herausfordernder sind, nicht aufschieben sollte. Wir haben wahrscheinlich im Alter noch genug Zeit für reine Erholungsurlaube.
Die Initiative ging von meiner Frau aus. Sie ist bereits vor einigen Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter einen Teil des Jakobswegs gegangen. Nachdem wir 2019 zusammengekommen sind, sagte sie mir, dass sie auch gerne einmal mit mir eine Pilgerwanderung machen möchte.
Wie haben Sie reagiert?
Ich komme eher vom Fahrradfahren und habe früher einige lange Radtouren unternommen. Unter anderem habe ich einen großen Teil der Nordseeküste in Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen befahren. Und einmal bin ich von meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) nach Venedig und wieder zurück – über die Alpen – geradelt. Meine Frau dagegen geht lieber wandern. In der Beziehung habe ich mich etwas angepasst. 2025 haben wir gemeinsam zu Fuß die Alpen überquert.
Viele Menschen gehen den Jakobsweg aus religiösen Motiven oder zur Selbstfindung. Was war Ihr Hauptmotiv?
Das Schöne an einem Aktivurlaub ist, dass ab einer gewissen Schwelle der körperlichen Anstrengung eine geistige Erholung einsetzt. Man schaltet ab. Zudem kommt man beim Wandern noch intensiver als beim Radfahren in den direkten Kontakt mit Land und Leuten. Auch wenn ich auf dem Pilgerweg keine lebensverändernden Erfahrungen gemacht habe, merke ich doch, dass mich die Reise geerdet hat und weiter in mir nachhallt.
Wollten Sie und Ihre Frau sich auf dem Jakobsweg auch als Paar neu finden?
Das werden wir durchaus häufiger gefragt. Ob das ein nochmaliger Beziehungstest sei. Aber nein. Meine Frau und ich sind sehr gut aufeinander eingestellt und eingespielt. Und die Alpenüberquerung letztes Jahr wäre es dann noch mehr gewesen. Die war noch härter.
Trotzdem zieht es die meisten Paare zur Hochzeitsreise eher an vermeintlich romantische Reiseziele. Warum haben Sie anders entschieden?
Meine Frau und ich sind der Überzeugung, dass man bestimmte Dinge, vor allem solche, die körperlich etwas herausfordernder sind, nicht aufschieben sollte. Wir haben wahrscheinlich im Alter noch genug Zeit für reine Erholungsurlaube.
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Gab es Momente auf der Reise, die Sie als spirituell bezeichnen würden?
Beim Glauben und in der Beziehung zu Gott spielen das Gefühl und das Spüren eine wichtige Rolle. Vor allem am Kap Finisterre hatte ich den Eindruck, an einem besonderen Ort zu sein, der eine andere Energie hat und auch im Leben von vielen Pilgern vor uns bereits von großer Bedeutung war. Man legt dort Steine für Dinge ab, die man gerne hinter sich lassen möchte. Das habe ich auch gemacht. Zudem hatten meine Frau und ich oft den Eindruck, dass es Orte gibt, die einen eher Kraft kosten. Dann wieder gibt es Orte, die einem neue Kraft geben.
Sind Sie abends in die eher einfachen Pilgerherbergen eingekehrt?
Ja. Das waren einfache, teilweise sehr einfache Unterkünfte. Wenn man auf sich selbst und seinen Rucksack zurückgeworfen ist, wäre es für uns nicht stimmig gewesen, in teure Luxushotels einzuchecken. Wie alle Pilger hatten wir auch einen Pilgerausweis und haben uns fleißig Stempel geben lassen. Wir haben Kirchen und Gebetsorte aufgesucht und dort auch mal Kerzen angezündet.
Gab es auf der Wanderung besondere Erlebnisse?
Je näher man an Santiago de Compostela herankommt, desto voller und kommerzieller wird der Weg – und auch lauter. Da gab es zum Teil Menschen, die auf ihren Rucksäcken Musikboxen angebracht hatten und die Umgebung beschallt haben. Das fand ich schwierig. Für mich gehören die Ruhe und das freie Entscheiden darüber, wann man mit anderen Menschen in Kontakt treten möchte, zu einem respektvollen Pilgern dazu. Die schönsten Abschnitte waren für mich eher die einsamen Regionen mit wenig Infrastruktur.
Würden Sie auch anderen Politikern raten, mal beim Pilgern zu entschleunigen?
Tatsächlich würde ich es jedem empfehlen. Reisen bildet, gerade wenn man zu Fuß unterwegs ist. Fasziniert hat mich, dass in Spaniens Dörfern viele Haustüren offenstehen und es Plätze gibt, auf denen die Menschen abends zusammenkommen und einfach miteinander reden. Diese Kultur des Beieinanderseins. Auch die Siesta, in der ein ganzes Land täglich kurz auf Pause drückt, fand ich beeindruckend.
Interview: Andreas Kaiser
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