Katastrophenschutz in der Schule: Warum Kinder lernen sollten, für den Ernstfall vorzusorgen
Was tun bei Stromausfall, Überschwemmung oder Naturkatastrophe? In einem Katastrophenschutzkurs der Malteser lernen Kinder spielerisch, wie sie in Notlagen richtig handeln, Erste Hilfe leisten und sich vorbereiten können.
In dem Katastrophenschutzkurs der Malteser lernen Kinder auch einen Verband anzulegen. Foto: © Robert Przybysz – stock.adobe.com
Was ist eine Katastrophe? Für die Fünft- und Viertklässler der Katholischen Marienschule Potsdam ist das sehr unterschiedlich. „Für mich ist eine Katastrophe ein Tsunami", sagt etwa Jakob. Für Mila ist es „ein Stromausfall - und eine Überschwemmung." Und Ferdinand stellt fest: „Wenn ein Haus einstürzt. Oder ein Asteroid einschlägt." Auch Szenarien wie Waldbrand, Herzinfarkt, Corona, Erdbeben oder „wenn man keine Luft mehr bekommt" werden von den Schulkindern genannt.
15 Kinder haben sich an diesem Mittag im „Lern- und Denkraum" der Schule versammelt, um während der Hortzeit an einem freiwilligen Kurs zum Katastrophenschutz der Malteser teilzunehmen. „Erstens, weil meine Mama gesagt hat, dass das cool ist", sagt etwa Mara, neun Jahre alt. „Und zweitens, weil ich's auch spannend finde."
Zivilschutz an Schulen: Warum Katastrophenschutz wichtiger wird
Die Kinder liegen im Trend: Erst im Juni legte Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) einen neuen Pakt zum Bevölkerungsschutz vor, der vorsieht, Zivil- und Katastrophenschutz auch im Lehrplan zu verankern. Hintergrund für das Vorhaben sind unter anderem die gewachsene Bedrohung durch Russland sowie Gefahren durch Naturkatastrophen.
Ist so ein Schulfach eine gute Idee? „Auf jeden Fall", findet Marianne Filler, 63 Jahre alt. Sie leitet die Ausbildung der haupt- und ehrenamtlichen Helfer der Malteser in den Regionen Nordost und Nordwest. „So ein Schulfach führt Kinder schon frühzeitig an eine Katastrophe heran und bereitet sie darauf vor. Es sensibilisiert für wirkliche Notlagen - und zeigt ihnen auch, dass etwa ein Krach mit der besten Freundin nicht dazugehört."
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Erste Hilfe: Kinder auf Notlagen vorbereiten
Außerdem stehe das Thema in direktem Zusammenhang mit Erster Hilfe: „Auch die Bereitschaft, Erste Hilfe zu leisten, ist hierzulande verbesserungswürdig", sagt Filler. „In Deutschland wissen nicht einmal die Hälfte der Menschen, wie sie eine Wiederbelebung starten müssten. In Skandinavien sind es dagegen 80 Prozent." Bei Kindern, die Erste Hilfe in der Schule lernen, bestehe zudem die Chance, dass sie zu Hause mit ihren Eltern darüber sprechen - und auch deren Interesse für das Thema wecken.
Im Katastrophenschutzkurs müssen die Kinder erst einmal alle Katastrophen finden, die auf einem Spielteppich dargestellt sind - von der Katze auf dem Baum bis zum Wohnungsbrand oder einem Unfall mit einem Lastwagen, der giftige Flüssigkeit verliert. „Was bedeutet denn der Totenkopf auf dem Laster?", fragt Kursleiterin Malena Moll, 21 Jahre alt. – „Dass man Abstand wahren sollte", antwortet ein Junge. – „Genau, da ist Gift drin. Der Totenkopf steht für Lebensgefahr", sagt Malena.
Notfallvorsorge für Kinder: Was tun bei einem Stromausfall?
Dann sollen sich die Kinder vorstellen, auf einer Wanderung in einen Starkregen zu geraten und eine Woche in einer leeren Wanderhütte von der Welt abgeschnitten zu sein. Was ist in so einer Situation wichtig? Was braucht man? „18 Döner", witzelt einer. Doch Malena sagt: „Die werden zu schnell schlecht. Wir brauchen Vorräte in Dosen, die man nicht kochen muss. Was machen wir bei Stromausfall? Woher bekommen wir Licht?" - Ferdinand, der nach eigenem Bekunden viele Wissenssendungen schaut, sagt: „Wir brauchen eine Taschenlampe mit Dynamo. Die funktioniert auch, wenn wir keinen Strom mehr haben."
12.700 Kursplätze bundesweit gab es seitens der Malteser im laufenden Jahr zum Thema „Zivil- und Katastrophenschutz". Das Interesse steige, stellt Filler fest. Dies habe auch mit den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Umständen zu tun, mit Ereignissen wie der Corona-Pandemie, Kriegen, Naturkatastrophen wie der Ahrtalflut oder dem winterlichen Berliner Stromausfall Anfang des Jahres.
Resilienz stärken: Warum Kinder über Katastrophen sprechen sollten
Die „aktive Großmutter" und Malteserin Filler, deren Enkel nach ihren Worten schon gut über das Thema Bescheid wissen und zum Beispiel die Notrufnummer 110 kennen, findet es wichtig, mit Kindern offen zu sprechen, sobald sie Bedenken oder Ängste über bedrohliche Szenarien äußern. Auch ein solcher Vorsorgekurs könne die Widerstandskraft stärken.
Aurelia, zehn Jahre alt, hat von dem Workshop vor allem behalten: „Dass man drei Tage ohne Trinken und vor allem drei Wochen ohne Essen leben kann." Und wie man einen Verband bei einer Verletzung anlegt - das weiß sie jetzt auch.



