Gerne würdest du allen so viel sagen

Unterbrochene Gespräche des 20. Jahrhunderts
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Buchprofile - Rezension
Anthologie, in der sich 16 Comicautor:innen in ihren Erzählungen mit der totalitären Vergangenheit Deutschlands und Europas auseinandersetzen.
Der vorliegende Sammelband geht auf ein Projekt des Berliner Pilecki-Instituts in der Coronazeit zurück, bei dem vorwiegend in Berlin beheimatete Comiczeichner:innen sich erzählerisch und zeichnerisch mit der totalitären Vergangenheit in Deutschland und Europa auseinandersetzen sollten. So ist eine sehr eindrucksvolle Sammlung kürzerer historischer Erzählungen entstanden, die oftmals mit Recherchen in Archiven verbunden waren. Die Recherchen betreffen häufig Orte, die den Autor:innen vertraut sind, Freunde oder sogar die eigene Familie. Drei Beispiele: Katia Fouquet zeichnet die in der Familie nicht erzählte Geschichte ihres Großvaters, eines im Alter verschwiegenen Künstlers, nach, der bis 1945 ein NS-Militärrichter gewesen war. Sehr erschütternd ist die Eingangsgeschichte von Hannah Brinkmann, die den Juristen Hans Litten biografisch skizziert. Dieser versuchte, Hitler in der Spätzeit der Weimarer Jahre in einem Prozess bloßzustellen, und musste dieses Unterfangen später mit KZ-Haft und Tod bezahlen. Die bekannte Autorin Katharina Greve demaskiert das vermeintlich harmlose Miteinander Heranwachsender im Nazi-Bund Deutscher Mädels. Eine abschließende Geschichte von Anne Zimmermann ("Spannende Zeiten") spannt einen Bogen in die Corona-Gegenwart. – Ein nicht nur inhaltlich gehaltvoller Band, da er zugleich einen Einblick in die große Vielfalt grafischer Gestaltungsmöglichkeiten moderner Bilderzählungen und das kreative Schaffen von Comiczeichner:innen bietet. Breit empfohlen.
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Artikelbeschreibung

"Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen", schrieb der amerikanische Philosoph George Santayana einst. "Gerne würdest du allen so viel sagen" präsentiert 16 dokumentarische Comicgeschichten. Diese spannen einen Bogen von den einschneidenden Ereignissen des 20. Jahrhunderts bis hin zu den gegenwärtigen Herausforderungen für die Demokratie.Die Sammlung unterteilt sich in drei Abschnitte: zum einen die in der Familie überlieferten persönlichen Geschichten zu Krieg und Vertreibung. Zum anderen gewähren die Autor*innen Einblicke in biografische Erlebnisse und schließlich aktuelle Beobachtungen im Kontext der Erinnerung. Ein Blick in den Spiegel des 20. Jahrhunderts.Die Liste der Comiczeichner*innen, die sich in dieser Anthologie zusammengefunden haben, liest sich wie das "Who's who" der Berliner Zeichner*innen-Szene: Bianca Schaalburg, Katharina Greve, Till Lukat, Hannah Brinkmann, Julia Bernhard, Jakob Hinrichs, Katia Fouquet, Thomas Gilke, Karolina Chy¿ewska, Sheree Domingo und viele mehr.

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