München leuchtete nicht für jeden

Was Gedenktafeln der Stadt verschweigen
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Bayern im Buch-Rezension
Was Gedenktafeln verschweigen.
Andrea Kästle nimmt Leserinnen und Leser mit auf interessante Spaziergänge durch verschiedene Münchner Stadtviertel, in denen der Weg an Plaketten und Gedenktafeln vorbeiführt, die an bekannte Persönlichkeiten - u.a. Künstler, Wissenschaftler, Prominente - erinnern, die in München gewohnt sowie gearbeitet und so der Stadt ihren Stempel aufgedrückt haben. Aber leider informieren die Hinweistafeln nur über die notwendigsten Daten, sodass die eigentlichen Persönlichkeiten im Dunklen bleiben. Und hier setzt die Autorin ein. In unterhaltsam geschriebenen Biografien erzählt sie von der familiären Herkunft, vom schulischen wie beruflichen Werdegang, von der Motivation, in München zu bleiben oder von weither in die vielgepriesene Stadt zu übersiedeln, von der Enttäuschung über politische Entwicklungen bzw. bürgerliche Befindlichkeiten, aber auch von der großen Liebe zu München ("Immer sagst du mir in meine Träume meiner Jugend zart geliebte Stadt" - Schalom Ben-Chorin) und von dem bedeutenden Erbe, das sie hinterließen. Man begegnet berühmten Namen, z.B. Thomas Mann, der die Hälfte seines Lebens (1894-1933) in München verbracht, hier seine bedeutendsten Romane verfasst und den bekannten Satz "München leuchtet" einem seiner Werke vorangestellt hat. Auch Albert Einstein, 1879 in Ulm geboren und von 1880 bis 1894 in München aufgewachsen, verbindet mit der Stadt verschiedene Erinnerungen, u.a. an Lehrer, die ihm prophezeiten, dass er es nie zu etwas bringen werde. Ebenso verrät die Gedenktafel an Schalom Ben-Chorin, Religionswissenschaftler und Brückenbauer zwischen Deutschen und Juden, kaum Konkretes über seine Anfeindungen als Jude, seine notgedrungene Emigration und seine wehmütigen Erinnerungen an seine "Jugend an der Isar" sowie seiner Sehnsucht nach der verlorenen Heimat. Insgesamt gelingt es der Autorin, die durch Gedenktafeln Geehrten zu lebendigen Zeugen der Münchner Stadtgeschichte zu machen. - Für Münchner Büchereien ein Muss!
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Artikelbeschreibung

Über 120 Gedenktafeln gibt es in München. Sie erinnern an berühmte Künstler, Wissenschaftler, Widerstandskämpfer, die eine Weile in der Landeshauptstadt gewohnt, die München geprägt haben und von München geprägt worden sind. Nur leider wird das Wesentliche in der Regel auf den Gedenkplatten nicht erzählt: etwa dass Albert Einstein hier zwar aufgewachsen ist, aber die Schule in München so schlimm fand, dass er sein ganzes Leben davon erzählte; dass der Maler Corinth voller Hoffnung hierher gegangen war, aber dann höchst frustriert doch lieber nach Berlin zog. Und auch Lion Feuchtwanger zog schon in den 20er-Jahren weg von der Isar, nachdem er hier '137 Begabte, 537.284 unternormal Veranlagte, 122.963 Voll-Antisemiten' ausgemacht hatte. 'München leuchtete' eben nicht für jeden - das von Thomas Mann geprägte Zitat wird hier ins Negative verkehrt.Das Buch versammelt, ausgehend von Plaketten, 60 Biografien und ermuntert zu besonderen Stadtspaziergängen, die an den Lebenswegen prominenter München-Bewohner entlangführen.

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