Warum Bairisch genial ist

I mog di obwoist a Depp bist
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Bayern im Buch-Rezension
Lebendige Einführung in grammatische Besonderheiten des Bairischen.
Gleich vorweg sei's gesagt, dass der Buchtitel nicht glücklich gewählt ist und der Titelzusatz das Vorurteil vom Bairischen als der Sprache von Grobianen bestärkt. Die beigegebene Zeichnung eines Seppls, der mit Buchstaben jongliert, bedient ein Stereotyp. Das Buch aber ist gut gemacht! Wer nur ein bisschen Interesse an sprachlichen Konstruktionen hat und Grammatik interessant findet, für den eröffnet der Sprachwissenschaftler Günther Grewendorf ein wahres Schatzkästchen. Er wendet sich behutsam erklärend mit nur wenigen grammatikalischen Begriffen und ohne linguistische Theorien an sprachinteressierte Laien. Abweichend vom Standarddeutschen weist das Bairische grammatische Besonderheiten auf, die auch in anderen Sprachen nachweisbar sind. Dazu gehört z.B. die Kombination von w-Elementen am Anfang eines Nebensatzes mit einer Konjunktion ("I mecht wissen, wer dass des gsogt hot") oder das Anhängen einer Personalendung an eine Konjunktion ("Er mog eich, weits wos davo vastehts."). Zu diesen grammatikalischen Raritäten zählt auch die Konjunktion "wo" nach einem Relativpronomen. Nebensatz und Hauptsatz können sogar ein einziges gemeinsames Subjekt oder Objekt aufweisen ("De Susi wenn i griagn kannt, dad i heiratn."). Dazu zählen auch Modalkonstruktionen ("I ge mi guat in dene Schua-"), das Fehlen eines Satzsubjekts und auch die doppelte Verneinung. Der bairische Dialekt ist also mehr als ein Standarddeutsch mit anderer Aussprache und etwas anderem Vokabular. Die 12 Kapitel des schmalen und unterhaltsamen Buches sind übersichtlich gestaltet und lesen sich in ihrer schrittweisen Darlegung ohne große Mühe. Ein Literaturverzeichnis lädt zu noch intensiverer Beschäftigung mit Sprach-Themen ein.
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Artikelbeschreibung

Bairisch verfügt über strukturelle, nicht-sichtbare Eigenschaften, die sich im Standarddeutschen nicht finden, dafür in einer Vielzahl anderer Sprachen. Der Linguist Günther Grewendorf macht diese Eigenschaften sichtbar und zeigt, wie reich, wie rätselhaft, wie »weltläufig« und wie genial dieser Dialekt ist. Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Dialekte defizitäre Versionen einer Standardsprache sind. Dafür gibt es weder eine gesellschaftliche noch eine sprachliche Rechtfertigung. Im Gegenteil: Das Bairische ist - wie man mit einem einfachen und leicht verständlichen Strukturmodell erkennen kann - geradezu genial. I mog di obwoi-st a Depp bi-st. / I mog eich obwoi-ts Deppn sei-ts ist nicht nur eine bairische Liebeserklärung. Man sieht hier vielmehr eine einzigartige grammatische Besonderheit des Bairischen, die es im Standarddeutschen nicht gibt: Nicht nur Verben können eine Endung für Person und Zahl aufweisen, sondern auch jene Wörter, die Nebensätze einleiten (wie z.B. obwohl, weil, ob oder dass). Anhand zahlreicher weiterer Beispiele (u.a. von Gerhard Polt, Karl Valentin, Bruno Jonas, Benno Höllteufel) vermittelt diese kurze, aufschlussreiche linguistische Handreichung einen wunderbaren Einblick in den strukturellen Reichtum des Bairischen. Für alle, die an Sprache und insbesondere am Bairischen interessiert sind, ein umwerfendes Aha-Erlebnis, nach dem man spontan ausruft: Ja do legst di nieder!

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Personeninformation

Günther Grewendorf, geb. 1946, ist bairischer Muttersprachler und war von 1984 bis 2014 Professor für Linguistik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Den Schwerpunkt seiner Forschung bilden die grammatischen Strukturen natürlicher Sprachen. Dazu hat er zahlreiche Bücher veröffentlicht. Er lebt in München.
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