Mittelberge

roman
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Bayern im Buch-Rezension
Eine unerwünschte Bauerstochter sucht sich in den 1930er Jahren ihren Lebensweg.
Um den Mittelberg, im Mittelfränkischen südwestlich von Nürnberg, wächst Sophie in den 1930er Jahren auf: kränklich und unerwünscht, weil der Erstgeborene früh verstarb und mit ihr keine Hofnachfolge zu erwarten ist. Doch sie kämpft sich dank der Unterstützung der Mutter und der unverheirateten Tante durch. Die Familie kommt dank Bauernschläue, Courage und viel Distanz unbeschadet durch die Nazizeit und die Versuchungen der Besatzungsphase. Man bleibt in Armut, aber selbstversorgt auf seiner Scholle, hilft den Nachbarn, wagt keine Schritte außerhalb des Vertrauten. Sophie lernt Neues für ein Taschengeld nach der Schulzeit als Dienstmädchen in einem Försterhaushalt und baut schließlich im Akkord Holzverkleidungen für Fernseher. Vom Einatmen des aufgeklebten Furniers bekommt sie Asthma, aber sie genießt die entstehende Selbständigkeit. Dann lernt sie bei den üblichen Tanzveranstaltungen Max kennen und mögen, kann sich lange nicht binden, aber geht entsprechend den sie umgebenden Konventionen den Weg in die Ehe. Max will hinaus in die Welt, möglichst nach Skandinavien. Vor allem trifft er große Entscheidungen allein, bis hin zum Kauf einer alten Schuhfabrik im neuen Zonenrandgebiet. – Durchsetzt von den die Inhalte der Prosatexte ankündigenden oder zusammenfassenden Gedichten, gelingt Specht eine Entwicklungsgeschichte in hoher Dichte, mit Sprachwitz und poetischer Kraft. Der erste Roman dieser bisher durch Theaterstücke bekannten Autorin (*1956) entwirft eine fesselnde Lebensgeschichte wie aus einem anderen Leben, in dem weibliche Fähigkeiten kaum Beachtung fanden. – Gerne empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Mittelberge erzählt in poetischer Prosa die Lebensgeschichte der eigensinnigen Sophie. Ihre Kindheit ist geprägt von Armut und der Nähe zur Natur in einem oberfränkischen Dorf der 1930er Jahre. Hier kennt jeder jeden und die Erwartungen und Gedanken müssen nicht laut ausgesprochen werden, um für jedermann hörbar zu sein. Kerstin Specht zeichnet mit Sprachwitz und hintergründigem Humor das Panorama einer wundersamen Welt von kleinen Leuten."Ein Sog. Irgendwann lässt einen so viel Armut, Stärke, Schicksal, Tapferkeit, Geschichte, Versuch von Liebe, unbekanntes Landleben gar nicht mehr los." Elke Heidenreich

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Personeninformation

Kerstin Specht wuchs in Oberfranken auf. Sie studierte in München Germanistik und evangelische Theologie sowie an der Hochschule für Fernsehen und Film. Seit 1990 schrieb sie zahlreiche preisgekrönte und in viele Sprachen übersetzte Theaterstücke, unter anderem DAS GLÜHEND MÄNNLA und AMIWIESEN. Für MOND AUF DEM RÜCKEN erhielt sie den Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis. Aufenthaltsstipendien unter anderem in der Villa Aurora Los Angeles 1997 und der Villa Concordia Bamberg 2014. 2002 wurde sie in die Bayerische Akademie der Schönen Künste aufgenommen, 2013 erhielt sie die Auszeichnung Pro Meritis scientiae et litterarum. MITTELBERGE ist ihr erster Roman.
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