Wie eine tickende Bombe unter uns

Fragen, die ich meiner Oma zu ihrem Leben während der NS-Diktatur 1933-1945 gerne noch gestellt hätte
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Buchprofile - Rezension
Fragen einer Enkelin an ihre Oma zu ihrem Leben während der NS-Diktatur.
Ausgehend von Fotos, die die Autorin Claudia Fratz nach dem Tod ihrer Großmutter erhält, begibt sie sich auf eine intensive Spurensuche in ihre Familie und in Archive, um die Mittäterschaft der Großeltern während der NS-Diktatur aufzuarbeiten. Neben Vorwort, Nachwort und Lebensläufen bilden den Hauptteil die Originalfotos, denen die Fragen gegenübergestellt sind, die die Autorin gern noch an ihre Oma gestellt hätte. Zu Lebzeiten war sie den Fragen immer mehr oder weniger ausgewichen. Die Fotos zeigen die Hochzeit in der Kirche vor Hakenkreuzflagge, ihre Gärtnerei in Potsdam, in der sie auch Zwangsarbeiter beschäftigt hatten, den Großvater in SA-Uniform, die Bücherverbrennung in Potsdam, Zeitungsberichte und den Stolperstein eines Juden aus der Nachbarschaft, der später ermordet wurde. Was wusste die Oma von den Gestapo-Besuchen bei dem Juden? Hat sie auch Bücher verbrannt? Was waren die Beweggründe der Großeltern für den Parteieintritt? – Die Biografie der Großeltern steht exemplarisch für viele Mittäter, Mitläufer und damit auch Mitunterstützer des Systems. Sie macht deutlich, welch belastenden Folgen das Schweigen für die Kinder und Enkel hat, wenn es über Generationen weitergetragen wird. So beging die jüngste Tochter mit 19 Jahren Suizid. Der Opa erschoss sich in den letzten Kriegstagen. Die Autorin empfand das Schweigen darüber als "tickende Bombe" (S.13). Mit ihrer persönlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit konnte sie diese entschärfen und Frieden finden. Das Buch kann zudem Anregung sein für Menschen, die selbst noch Gespräche in der Familie über die NS-Zeit führen wollen. Mit dem ungewöhnlichen Geschenkbüchlein-Format mag es auch bei jenen Interesse wecken, die sonst nicht zwingend zu Geschichtsbüchern greifen würden und ist somit auch optisch eine Bereicherung für jede Bücherei.
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Artikelbeschreibung

In 65 Fragen nimmt uns Claudia Fratz mit auf ihre langjährige Suche nach Antworten auf die vielen Fragen zum Leben ihrer Großeltern während der NS-Diktatur 1933-1945 und dem Versuch, deren Mittäterschaft und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Familie zu beleuchten.Eine Gärtnerei in Potsdam-Babelsberg, eine Familie mit gutem Auskommen während des Krieges und Hetze, die alles vergiftete.Ein mutiges und wichtiges Buch!

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