Kafkas Reise durch die bucklige Welt

Roman
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Bayern im Buch-Rezension
Ein flotter "Road Movie" von und mit Franz Kafka - hinreißend.
Bernhard Setzwein ist eine rare Gestalt der bayerischen und deutschen Literatur, der es vermag, seine Stoffe bis ins Detail zu recherchieren, um sie dann fantasievoll und gekonnt in lesbare Texte umzusetzen. Pünktlich zum Kafkajahr 2024 legt Setzwein nun seine ganz eigene Hommage an den Meister vor. Das Jahr ist 1960, der Ort ist Meran. Der junge, aufsässige polnische Exilautor Marek H?asko (1934-1969) trifft auf Franz, den Doktor, den schrulligen alten Kartenabreißer des Apollo-Kinos. Man freundet sich an, man besorgt sich einen Fiat Olleario und bricht eine Reise auf. Nach und nach wird Marek klar, der Franciszek ist Franz Kafka, der 1924 doch nicht gestorben ist, sondern sich nur abgesetzt hatte. Auf dem Weg nach Graz, nach Wien und schließlich bis nach München besuchen die beiden auch nicht irgendwelche Orte und Personen, fast alle haben direkt etwas mit der Vergangenheit Kafkas zu tun. Daneben trifft man auch auf die Weltmaschine Franz Gsells in der Oststeiermark, auf HC Artmann in Wien und zeitweilig begleitet wird man von einer jungen Dichterin, hinter der man Ingeborg Bachmann vermuten darf. Setzwein hat seinen Kafka (und seine anderen Protagonisten) gekonnt im Griff, vieles, sehr vieles in seinem Roman ist gelungene Verbeugung vor und gut angepasstes Zitat aus Briefen und Texten Kafkas. Sympathisch, humorvoll, aber ohne Klamauk erfährt man als Leser viel über das Leben Kafkas, H?askos und der anderen. Während die Romanhandlung selbst eher kurz ist, führen die vielen Dialoge ein in die fiktionale, aber überzeugend gezeichnete Gedankenwelt Kafkas. Dem Autor ist eine liebevolle, gut lesbare Hommage gelungen, die einen manchmal schmunzeln und oft nachdenklich werden lässt. Ein Roman um Franz Kafka hätte leicht zu einem Desaster werden können. Bernhard Setzwein ist dagegen ein literarisches Kleinod gelungen. Ihm sind viele Leserinnen und Leser zu wünschen.
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Artikelbeschreibung

Keineswegs ist Franz Kafka 1924 in einem Sanatorium in Wien gestorben, wie die Welt glaubt. Seinen Tod hat er nur vorgetäuscht. Jetzt in den Nachkriegsjahren führt er ein unaufgeregtes Leben in Meran, von niemandem erkannt. Die erfolglose Schriftstellerei hat er aufgegeben, stattdessen arbeitet er als Billeteur in einem Kino.Eines Nachts führt ihn der Zufall mit Marek Hlasko zusammen, einem jungen Schriftsteller aus Polen. Das ungleiche Paar organisiert sich kurzerhand ein Fahrzeug, einen Fiat Ollearo, und die beiden brechen auf zu einer Reise. Ihr surrealer Trip führt sie nach Graz, Wien und München. Die Gespräche mit Hlasko und die Abenteuer unterwegs wecken Erinnerungen bei Kafka, zum Beispiel an die aufregende, aber kurze Beziehung zu Milena Jesenská, an seine letzte große Liebe Dora Diamant, an die eng vertraute Schwester Ottla und an das schwierige Verhältnis zu seinem Vater. Bernhard Setzwein legt einen amüsanten Roman vor, der es schafft, aufs Neue die Lust auf Franz Kafkas Werke und das Interesse für sein Leben zu wecken!

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Personeninformation

Bernhard Setzwein wurde 1960 in München geboren und studierte Germanistik. 1990 zog er in die Oberpfalz, er lebt heute in Waldmünchen und in München. Setzwein ist Autor von Lyrikbänden, Essays, Reisefeuilletons und Romanen. Außerdem hat er ein Dutzend Theaterstücke und zahlreiche Radio-Features verfasst. Oft befassen sich seine Werke mit dem mitteleuropäischen Kulturraum. Bernhard Setzwein erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Seine Werke wurden u. a. ins Tschechische, Rumänische und Französische übersetzt.
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