Das Königreich der Sprache

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Buchprofile - Rezension
Sprache, was ist das? Tom Wolfes spannende Reportage auf den Spuren der Sprachursprungstheorien.
Tom Wolfe, nicht zu verwechseln mit Thomas Wolfe, ist bekannt durch seine Reportageromane. Der neue ist einer seiner besten. "Das Königreich der Sprache" ist: diese Sprache selbst. Wie kam der Mensch zur Sprache und wie kam die Sprache zum Menschen? Beim Surfen im Internet stieß Wolfe 2016 auf das Mysterium der Sprachrevolutionen. Nicht lange, und er hatte nach seiner Art ein Buch daraus gemacht: eine Abenteuerreise in den Dschungel der Sprachursprungsforschung, der wirklich ein Dschungel war. Die Evolutionslehre von der Entstehung der Arten durch natürliche Auslese wurde im Malaiischen Archipel geboren. Der Naturforscher Alfred Russel Wallace fand dort die Erklärung für die Überlebenschance der "fittesten" Art und schickte sie 1858 mit der Post über 7200 Meilen nach England an Darwin. Wir wissen, was daraus wurde. Die Geschichte wiederholte sich fast 150 Jahre später, als der Chomsky-Schüler Daniel Everett seinen Lehrer angriff, der dem Menschen eine natürliche Sprachbegabung nachgewiesen hatte. Everett hatte in jahrzehntelanger Arbeit beim Volk der PirahAs im Amazonasgebiet entdeckt, dass deren 'Sprache' nicht mit laufendem Motor auf ihre Nutzung wartet, sondern über Jahrhunderte in einem Minimalstatus stecken geblieben ist, mit einer schriftlosen Schrumpfgrammatik, ganz ohne Vergangenheit und Zukunft. Das Buch endet, wo es begonnen hat: bei der Erkenntnis, dass der Ursprung der Sprache rätselhaft bleibt. Oder religiös. Daran konnte Chomskys Universalgrammatik ebenso wenig ändern wie die neueste Theorie der Neurobiologie. Ein spannender Wissenschaftsroman, ein lehrreiches Sachbuch, strotzend vor Erzähllust.
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Artikelbeschreibung

In den vergangenen 150 Jahren wurden von der Entdeckung des Penizillins über die Entschlüsselung der menschlichen DNS bis zum Nachweis des Higgs-Bosons kolossale Fortschritte gemacht. Doch an einer der drängendsten Fragen der Menschheitsgeschichte - Wo liegt der Ursprung der menschlichen Sprache? - scheitert die Wissenschaft bis heute. Das hat, wie Tom Wolfe genüsslich darlegt, führende Forscher von Charles Darwin bis Noam Chomsky jedoch zu keiner Zeit davon abgehalten, grandiose Erfolge zu verkünden, die gar keine waren, Konkurrenten zu diffamieren, anstatt eigene Fehler einzugestehen, und generell des Kaisers neue Kleider in den schillerndsten Farben zu beschreiben.

In Das Königreich der Sprache vertritt Wolfe die These, wonach die Sprache die erste kulturelle Leistung des Menschen und somit nicht mit der Evolutiontheorie oder wissenschaftlicher Systematik zu erklären ist.

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Personeninformation

Tom Wolfe, 1930 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. für The Washington Post, Esquire und Harper's. In den 1960er-Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des "New Journalism". Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (National Book Award u.a.) war mit Büchern wie The Electric Kool-Aid Acid Test (1968) international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er mit Fegefeuer der Eitelkeiten (1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten mit Hooking Up eine Sammlung von Essays und Erzählprosa (Blessing 2001) und weitere erfolgreiche Romane, darunter Ich bin Charlotte Simmons (Blessing 2005) und der SPIEGEL-Bestseller Back to Blood (Blessing 2013). Zuletzt erschien Das Königreich der Sprache (Blessing 2017). Tom Wolfe verstarb im Mai 2018 in New York.

Pressestimmen

»Lesenswert und sehr witzig.« David Eisermann, WDR 5
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