Glücksritter

Recherche über meinen Vater
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Buchprofile - Rezension
Selbstvergewisserung des Autors Michael Kleeberg durch das Eintauchen in die Familiengeschichte.
Zu Beginn muss sich der Ich-Erzähler, der mit dem Autor Michael Kleeberg gleichgesetzt werden darf, furchtbar über den Vater aufregen, als Mailrecherchen ergeben, dass die Eltern wohl einem Finanz- und Anlegebetrüger aufgesessen sind und viel Geld in den Sand gesetzt haben. Die Kommunikation zwischen Sohn und Vater ist dann eine konfliktgeladene, teilweise tabuisierte, dann aber gekonnt überspielende, die Fassaden, Sehnsüchte und Lebensentwürfe letztlich unangetastet lässt. Um zu verstehen, warum der Vater ist, wie er ist, und letztlich der Sohn sein Selbstbild von elterlichen Prägungen nicht lösen kann, taucht Kleeberg in die Geschichte der Ursprungsfamilien ein, wo vorenthaltene Liebe, Bevorzugung, Status, Lavieren und Überleben Charaktere erklären wollen. Dieses Panorama geht über das Persönliche hinaus und bettet es in die Zeitgeschichte des Nationalsozialismus in Deutschland ein, sucht Gründe für Verhalten, das spätere Generationen nicht mehr entschuldigen wollen und Gründe für Verhaltensweisen, die sich in allen späteren Beziehungen und Lebenszielen spiegeln. Diesem ist der Heranwachsende Michael K. ausgesetzt und reflektiert nun retrospektiv, wieviel der Familiengeschichte ihn fest im Griff hat. Der Roman stellt ein Sammelsurium dar. Tagebuchaufzeichnungen der Mutter, Erzählungen des Vaters, Reflexionen und Recherchen ergeben das Bild, das den Vater als Suchenden, als Glücksritter eben, der wohl sein Ziel nicht erreichte, zeichnet. Kleeberg bezieht sich literarisch immer wieder auf Filme, zitiert bekannte Autoren und lässt sein Bild mit einem Vers aus Rilkes Panther enden. Das klingt nach der Poesie, die erwünscht, aber nicht erreicht ist. Ein sehr persönliches Buch des Autors Michael Kleeberg.
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Artikelbeschreibung

Die Herkunft kann man verlassen - aber kann man der eigenen Zeit entkommen?

Der Erzähler und seine Familie sind verreist - und der achtzigjährige Vater hütet das Haus. Nach der Rückkehr finden die Heimkehrer einen beunruhigenden Mailwechsel des Vaters, in dem es um ein Millionenvermögen geht, das nach Deutschland transferiert werden soll. Eine kurze Recherche macht klar: er ist einem Trickbetrüger aufgesessen, der ihn um seine letzten Groschen brachte.

Nach dem Tod des Vaters wird das Ereignis zum Ausgangspunkt für Kleebergs Nachdenken und schließlich eine regelrechten Recherche über ihn. Einen, der in fast asozialen Verhältnissen in den Gassen Frankfurts aufwächst, sich als Vierzehnjähriger alleine durch das zerstörte Land schlagen muss; der sich nach dem Krieg ohne höheren Schulabschluss hocharbeitet, ein Einzelkämpfer, der sich jeder sozialen Zugehörigkeit verweigert.

Ein Mann, der sich zeitlebens nicht von den politischen und gesellschaftlichen Prägungen seiner unter dem Nationalsozialismus verbrachten Kindheit zu lösen vermag. Ein Mann zwischen Vorurteilen, Anstand und Fluchtdrang. Idealistisch, naiv, selbstgenügsam, jähzornig. Einer, dem Geld und Status immens wichtig sind, der aber einmal Erreichtes auch immer wieder zerstört. Einer, der den Sohn zu etwas Besserem machen will, und zu dem der Sohn in ein Hassliebeverhältnis gerät, das von Rivalität, Rachegelüsten, aber auch tiefster Zärtlichkeit geprägt ist - und der im Lauf des Buches merkt, wie gespenstisch viele seiner Verhaltensweisen und Einstellungen denen des Vaters gleichen.

Kleebergs Recherche ist ebenso schonungslose Analyse wie zärtliche Annäherung. Eine Reise durch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Und eine schmerzhafte Selbstbefragung: Wieviel des Vaters steckt in mir, wieviel der Einstellungen seiner Generation prägten die Republik?

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