Münchens verrückte 80er

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Bayern im Buch-Rezension
Die 80er Jahre in München aus der Sicht eines Foto-Journalisten.
Vergangenen Jahrzehnten im Rückblick einen eigenen Charakter aufzustempeln, ist beliebt bei Autoren wie bei Journalisten, doch am überzeugendsten sind in dieser Disziplin immer noch die Fotografen. Wir wissen ja: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Unschlagbar ist natürlich ein schreibender Fotograf, vorausgesetzt er ist auf beiden Feldern gut. Der Münchner Heinz Gebhardt ist weit mehr als das, was wohl daran liegt, dass er sein Thema München wie kaum ein anderer kennt und mit nie nachlassender Neugier die spezielle Lebensart seiner Bewohner und die Vernarrtheit seiner Gäste beobachtet hat. Den 70er Jahren hat er in seinem letzten Buch das Prädikat „wild“ verliehen, die 80er sind für ihn dagegen schlicht verrückt. Das meint er nicht im Sinne von „extrem“, ein Begriff, der doch eher zum Rest der Republik (Kalter Krieg, atomare Nachrüstung, Barschel-Affäre, Waldsterben, Tschernobyl) gepasst hätte. Nein, verrückt eher im Sinne von „narrisch“ und wie es Eugen Roth mal entspannt formuliert hat: „Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon, der in München wohnt.“ Freilich wird bei Heinz Gebhard nichts schöngefärbt, immerhin stand am Anfang des Jahrzehnts das Oktoberfest-Attentat vom 26. September. Franz Josef Strauß wurde zu Grabe getragen, dann der Mordfall Walter Sedlmayr oder die Hagelkatastrophe mitten im Juli 1984. Und was war sonst noch los? Lady Diana und Prinz Charles auf Besuch, Mick Jagger rockte im Olympiastadion, das erste „Bleifreie“ auf der Wiesn, Sterneköche gleich mehrfach, das erste Tollwood-Festival, eine rundum durchgeknallte Mode, Radio Gong geht auf Sendung, die Republikaner gründen sich (längst vergessen), und an all diesen Aufregern und verrückten kleinen oder großen, skurrilen oder stilvollen Events war Heinz Gebhardt (sein Bildarchiv muss gigantisch sein) immer dicht dran. Was er dazu schreibt, liest sich unterhaltsam und informativ, doch es sind seine einmaligen Fotos, die uns das Jahrzehnt der 80er so intensiv vor Augen führen. Auf die 90er aus seiner Sicht dürfen wir gespannt sein.
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Artikelbeschreibung

Neonfarbene Ballonhosen, Sneaker, Stirnbänder und karierte Sakkos - Münchens 80er-Jahre waren nicht nur modisch ein durchgeknalltes Jahrzehnt. Über die heimischen Bildschirme flimmerten "Dallas" und "Wetten, dass?", Hip-Hop und Breakdance hielten Einzug in die Jugendkultur und das Aerobic-Fieber griff auch unter den Münchner Hausfrauen um sich.Den Beginn des Jahrzehnts markierte jedoch eine Katastrophe: Beim Oktoberfestattentat von 1980 starben 13 Menschen und aus Furcht vor radioaktiver Strahlung aus Tschernobyl aßen die Münchner nur noch Salat aus Gewächshäusern. Der Widerstand gegen den Flughafen im Erdinger Moos oder der Tod von Franz Josef Strauß und Walter Sedlmayr prägten das München der 80er-Jahre genauso wie die Staatsbesuche von Erich Honecker, Lady Diana, Prinz Charles und Papst Johannes Paul II. Trotzdem ließ Münchens Schickeria immer noch die Schampuskorken knallen: ob mit Punker-Fürstin Gloria und ihren Wahnsinnsfrisuren, den 3-Sterne-Köchen Eckart Witzigmann und Heinz Winkler oder 1982 bei Mick Jagger im Olympiastadion.Der Fotograf Heinz Gebhardt war immer dicht dran am Geschehen in seiner Heimatstadt. Kritische Distanz und von Humor getragene Nähe zeichnen seine brillanten Fotografien aus, die das Lebensgefühl jener Zeit, aber auch den Alltag der Münchner Bevölkerung dokumentieren.

Produktsicherheit

Hersteller: Volk München
Anschrift: Neumarkter Str. 23
DE-81673 München
Kontakt: info@volkverlag.de

Personeninformation

Heinz Gebhardt, geboren 1947 in München, ist Fotograf, Fotohistoriker und München-Chronist. Als freier Bildjournalist arbeitet er ebenso für die Münchner Tageszeitungen tz, Abendzeitung, Münchner Merkur wie für die überregionale Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Spiegel und Stern. Seine Arbeit wurde mit diversen Preisen honoriert, darunter der "Forschungspreis für Photographiegeschichte . Er hat mehrere Bildbände rund um das Thema Bayern veröffentlicht.

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