Kinder des Radiums

Auf den Spuren meiner jüdischen Familie
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Buchprofile - Rezension
Ein mutiges, ehrliches Buch über die Mittäterschaft des jüdischen Urgroßvaters des Autors während der Naziherrschaft, eines Chemikers, der auch nach seiner Flucht nach Ankara weiterhin für die Nazis forschte.
Seine inzwischen verstorbene Großmutter hatte Dunthorne nichts über das Leben und Wirken seines Urgroßvaters Siegfried Merzbacher während der NS-Zeit erzählt, auch die Lektüre von Merzbachers 2000-seitigen Memoiren bringen ihn nicht weiter. Erst seine Recherche in Museen und Archiven und die Lektüre des Briefwechsels zwischen Merzbacher in der Türkei und dessen Chef in Deutschland und der Besuch der Wirkungsstätten seines Urgroßvaters lassen Dunthorne das erschreckende Maß der Mittäterschaft seines Vorfahren ermessen: Der Chemiker war mit seiner radioaktiven Zahnpasta bekannt geworden und hatte bei der Auergesellschaft in Oranienburg und der Orgacid GmbH im heute noch von giftigen Chemikalien verseuchten Ammendorf an der Herstellung von Giftgas mitgeforscht. Sein Chef hatte ihm und seiner Familie die Flucht vor den Nazis in die Türkei im komfortablen Orientexpress ermöglicht und dafür gesorgt, dass Merzbacher weiterhin für Orgacid arbeiten konnte und so nicht nur den Nazis, sondern auch Atatürk zuarbeitete, der ethnische Minderheiten mit chemischen Waffen bekämpfte. – Ein mutiges, gut verständlich geschriebenes Buch, das angesichts der jüdischen Herkunft des Mittäters besonders betroffen macht. – Sehr empfehlenswert!
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Der britische Schriftsteller Joe Dunthorne entdeckt in seiner Familiengeschichte schockierend Überraschendes über seinen jüdischen Urgroßvater. Sein Vorfahr war der deutsch-jüdische Chemiker Siegfried Merzbacher aus Oranienburg, der allerlei Haushaltsreiniger erfand, darunter auch eine radioaktive Zahnpasta. Was Joe nicht wusste: Merzbacher war in den 1920er und 30er Jahren bis zu seiner erstaunlich unkomplizierten Emigration1935 maßgeblich an der Entwicklung chemischer Waffen und der davor schützenden Gasmasken beteiligt. Die Überreste dieser Produktion belasten noch heute den Boden und zusammen mit überdurchschnittlich vielen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gilt Oranienburg als gefährlichste Stadt Deutschlands. Dunthorne ist Romancier und Siegfrieds Biografie liest sich wie Fiktion, ist aber von einer Wahrheit, die ihn tief erschüttert hat, denn in den umfangreichen Memoiren Merzbachers ist über dieses Kapitel rein gar nichts zu lesen. Auch deswegen ist diese außergewöhnliche Lebensgeschichte ein weiteres Beispiel für vererbte Schuld und Traumata.  

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

Familiengeheimnisse und die Suche nach Wahrheit

Als der britische Autor Joe Dunthorne gebeten wird, einen Vortrag über seine Familie im »Dritten Reich« zu halten, macht er bei seinen Recherchen eine schier unglaubliche Entdeckung: Sein jüdischer Urgroßvater Siegfried Merzbacher, der in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren in Oranienburg lebte und dort als Chemiker Haushaltsartikel herstellte, darunter eine radioaktive Zahnpasta, war später maßgeblich an der Entwicklung chemischer Waffen für die Nazis beteiligt. Mitte der Dreißigerjahre musste die Familie emigrieren. Die quälende Erinnerung blieb über Generationen ... Eine atemberaubende Spurensuche.

Basierend auf den Memoiren des Urgroßvaters, die die Jahre 1890 bis 1970 umspannen

»Meine Großmutter wuchs damit auf, dass sie sich die Zähne mit radioaktiver Zahnpasta putzte. Die Wohnung lag so nahe an der Fabrik, dass Großmutter noch beim Einschlafen das Schüttelgeräusch des Autoklavs hören konnte.«

Recherchen zur eigenen Familiengeschichte führen Joe Dunthorne nach Oranienburg - nicht nur wegen der vielen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg die »gefährlichste Stadt Deutschlands«: Dunthornes Urgroßvater stellte hier radioaktive Zahnpasta sowie Gasmasken und chemische Waffen für die Nazis her, die den Boden noch heute belasten. Als Jude musste Siegfried Merzbacher 1935 zwar das Land verlassen, konnte dies aber vollkommen unbehelligt tun. In seinen umfangreichen Memoiren, die er später schrieb und die die Jahre 1890 bis 1970 umspannen, fehlt diese Episode. Dennoch hat sie sein weiteres Leben im türkischen Exil und später in den USA offenbar geprägt, wie sein Urenkel andeutet. Kinder des Radiums ist eine tiefgreifende Reflexion über individuelles und kollektives Erbe, über Traumata, Schuld und die Suche nach Wahrheit.

Die außergewöhnliche Familiengeschichte eines preisgekrönten Autors

»Eine fesselnde Geschichte über Familiengeheimnisse und chemische Kriegsführung sowie über die Suche eines Schriftstellers nach einer verlässlichen Vergangenheit ... Joe Dunthorne hat einen modernen Klassiker geschrieben.« Andrew O'Hagan

»Eine kluge Erkundung der eigenen Familiengeschichte, die verblüffende Entdeckungen zutage bringt. Dunthorne nimmt den Leser mit auf ein bemerkenswertes Abenteuer, das Länder und Generationen umspannt. Ich habe schon viele Kriegserinnerungen gelesen, aber so etwas ist mir noch nie begegnet. Lyrisch, aber schonungslos, ist dies ein außergewöhnliches Buch.« Ariana Neumann, New York Times-Bestsellerautorin

»Kinder des Radiums ist ein bewegendes, komisches, beunruhigendes und zutiefst überraschendes Buch, eine actiongeladene Meditation und eine moralische Abenteuergeschichte, voll von intimen und historischen Widersprüchen, mit denen wir alle auf die eine oder andere Weise leben. Wie Primo Levis 'Grauzone' ist das Gebiet, das dieses Buch erforscht, durch seine Mehrdeutigkeit und Komplexität definiert, und wir können uns glücklich schätzen, dass uns ein Autor wie Dunthornes mit seinem außerordentlichem Talent auf die Spur führt.« Sam Lipsyte

Produktsicherheit

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Personeninformation

Joe Dunthorne, 1982 im walisischen Swansea geboren, lebt heute in London und ist Verfasser der Romane Submarine (2008), Wild Abandon (2011) und The Adulterants (2018). Sein Debütroman erhielt den Curtis Brown Prize und wurde 2010 verfilmt, sein zweiter Roman wurde mit dem Royal Society of Literature's Encore Award ausgezeichnet. Seine Großmutter Dorothea lebte in Oranienburg; als Jüdin verfolgt floh sie 1935 in die Türkei.

Hans-Christian Oeser lebt als Literaturübersetzer und Herausgeber in Dublin und Berlin. Er hat u. a. Werke von Maeve Brennan, Patrick McCabe, Ian McEwan, William Trevor, Mark Twain, Oscar Wilde und Virginia Woolf ins Deutsche übertragen. Für sein Lebenswerk wurde er 2010 mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Das erzählerische Talent des Autors lässt seine vielschichtigen biografischen, politischen und historischen Erkenntnisse zu einem geschmeidigen Ganzen mit Spannungshöhepunkten werden.« Cornelia Geissler Berliner Zeitung 20250517
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