"Coburg voran!"

Mechanismen der Macht - Herrschen und Leben in der "ersten nationalsozialistischen Stadt Deutschlands"
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Bayern im Buch-Rezension
Coburg und der Nationalsozialismus - mehr als nur eine Regionalgeschichte.
Im nationalsozialistischen Deutschland nahm Coburg eine besondere Stellung ein. 1929 hatten die Nationalsozialisten hier erstmals in die Mehrheit in einem Stadtrat errungen, ab 1931 regierte hier der erste NS-Bürgermeister einer kreisfreien Stadt überhaupt, Franz Schwede (1888-1960), der sich ab 1934 demonstrativ Franz Schwede-Coburg nannte. Coburg war Vorbild und Musterkommune des Nationalsozialismus, was sich nicht zuletzt in der rigorosen Verfolgung von Juden und anderen der Diktatur verhassten Menschen niederschlug. 2015 beschloss die Stadt Coburg, ihre nationalsozialistische Vergangenheit wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Die ab 2017 von Eva Karl bearbeitete und von einem hochkarätigen wissenschaftlichen Beirat begleitete Studie umfasst in der Druckfassung über 800 dicht geschriebene Seiten. Die Autorin stellt vor allem die Mechanismen der NS-Diktatur in den Mittelpunkt ihrer Arbeit: von der "Machtergreifung" der NSDAP bis 1931 über die Etablierung der Diktatur bis zu ihren Untergang 1945 wird detailreich nachgezeichnet, wie die NS-Herrschaft und ihre örtlichen Protagonisten jeden Aspekt des öffentlichen Lebens in der Stadt durchdrangen. Die Aufarbeitung des nationalsozialistischen Coburg durch Eva Karl kann als mustergültig und vorbildhaft bezeichnet werden und dürfte für die Zukunft zum Vorbild für vergleichbare Forschungen an anderen Orten werden. Dank eines Druckkostenzuschusses der Stadt Coburg ist der Band mit rund 30 € zudem für eine solche Publikation äußerst günstig. Dem Wunsch aller Beteiligten, dass möglichst viele Menschen in Coburg sich den Band zulegen werden, ist zuzustimmen. Doch darüber hinaus ist der Forschungsarbeit eine möglichst breite Leserschaft zu wünschen, denn die beschriebenen Zustände dürften bei allen lokalen Abweichungen in den meisten Städten des deutschen Reiches geherrscht haben. Wegen der Vorbildwirkung überregional empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Das Buch wird von zwei Fragen geleitet: Wie konnte es dazu kommen, dass ausgerechnet die Stadt Coburg 1929 zur "ersten nationalsozialistischen Stadt Deutschlands" und somit zum Vorreiter des Hitler-Regimes wurde? Welche Auswirkungen hatte diese Entwicklung dann auf die Stadt und ihre Bürger, auf die kommunale Verwaltung, auf Arbeit und Festkultur in den 1930er- und 40er-Jahren sowie auf die regionale Wirtschaft speziell in den umstürzenden Zweiten des Krieges bis 1945?Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die offensichtlichen und verborgenen Herrschaftsmechanismen der Coburger NSDAP, ihre Repressalien und Propagandaaktionen, ihre Erstickung jeglicher Freiheit, die Ausschlüsse ganzer Bevölkerungsgruppen, allen voran der Juden, aus der sogenannten "Volksgemeinschaft" sowie die Ausgriffe auf Leib und Leben von Andersdenkenden oder von "Minderwertigen". Aufgeschlüsselt wird ein undurchsichtiges Bollwerk, das das Alltagsleben bis in die Intimität des Privaten bestimmte und dem sich fast sechzehn Jahre lang nichts widersetzen konnte oder wollte.In "Coburg voran!" werden Forschungsergebnisse vorgelegt, die nach streng wissenschaftlichen Kriterien und mit aller gebotenen Objektivität zustande gekommen sind. Eine vollkommene Offenlegung der Quellen ermöglicht die Überprüfung jeder Aussage. So versteht sich dieses Buch nicht nur als die erste Gesamtdarstellung jener dunklen Epoche Coburger Vergangenheit, sondern zugleich als Warnung vor einer durchaus möglichen Erneuerung von Unterdrückung durch Diktatur und Gewaltherrschaft

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