Briefe an meinen Vater

Mit einem Vorwort von Charlotte Knobloch
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Bayern im Buch-Rezension
In Briefen an den kaum gekannten, längst verstorbenen Vater entsteht dessen Lebensbild im familiären und historischen Kontext.
Konrad Bernheimer (*1950) schrieb dieses Buch über seinen Vater Kurt Bernheimer (1911 – 1954), den er im Alter von 4 Jahren verlor, um nachträglich Ereignisse und Entwicklungen im Leben des Vaters verstehen zu können. Dazu schreibt er ihm Briefe, um mit ihm gewissermaßen ins Gespräch zu kommen und so eine konkrete Verbindung aufbauen zu können. Er erzählt von den wichtigen Begebenheiten (geschäftlicher und gesellschaftlicher Aufstieg, Reichtum, nationale wie internationale Anerkennung) in der jüdischen Familie Bernheimer, die seit 1864 München wesentlich mitgeprägt hat, im Kontext von Politik und Gesellschaft, bis 1933 die antisemitische NS-Diktatur die jüdische Bevölkerung aus dem beruflichen und öffentlichen Leben radikal ausschloss. In den Briefen wird deutlich, wie binnen kurzer Zeit statt Wohlstand und Hochachtung nun Enteignung und Diskriminierung den Alltag bestimmten. Doch die drohende Gefahr durch den Nationalsozialismus erkannte nur Kurt B., doch seine Mahnungen wurden nicht rechtzeitig gehört. Nach der Reichspogromnacht (1938) folgten KZ- und Gestapo-Haft, Misshandlungen und Beschlagnahme des gesamten Besitzes. Aufgrund der Intervention Mexikos (Otto B. war mexikanischer Honorarkonsul) emigrierte die Familie nach Venezuela, kaufte eine heruntergekommene Kaffeeplantage und bewirtschaftete sie erfolgreich. Kurt B. heiratete eine Venezolanerin und sie bekamen drei Kinder. Das Leben schien in Ordnung zu sein. Doch Kurt überlebte zwar, konnte jedoch die schrecklichen Erfahrungen von Verfolgung und Demütigung nicht überwinden und beging kurz vor der von Otto B. geforderten Rückkehr nach München Selbstmord (1954). Diese Tat durfte wegen gesellschaftlicher und religiöser Vorbehalte nicht öffentlich werden, wurde zu einem Unfalltod deklariert und führte zu einem jahrzehntelangen Schweigen. Erst als Erwachsener erfuhr Konrad die Wahrheit, der er sich in diesem Buch auf sehr sensible Weise annähert: „Heute, wenn ich nach all den Jahren, über Dich schreibe, tue ich es mit dem Gefühl, dass ich Dir endlich etwas zurückgeben kann: Eine Stimme. Eine Gegenwart. Eine Würdigung dessen, was Du erlitten, was Du ertragen, was Du zu überwinden versucht hast.“ - Ein berührendes Buch, gerade auch für junge Leute!
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Artikelbeschreibung

'Erinnerung bedeutet, dass etwas bleibt - auch wenn so vieles verschwunden ist'Konrad Bernheimer ist vier Jahre alt, als ihn sein Großvater 1954 aus Venezuela, wohin die jüdische Familie vor den Nazis geflohen ist, nach München zurückholt - dorthin, wo die Bernheimers als Kunst- und Antiquitätenhändler verwurzelt waren. Zusammen mit ihm auf die Reise machen sich seine venezolanische Mutter und seine Schwestern. Auch sein Vater Kurt sollte mit der Familie zurückkehren, doch dazu kam es nicht. Der Vater sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen, wird dem kleinen Jungen erzählt. Niemand in der Familie will über die wahren Umstände sprechen. Erst spät erfährt Konrad Bernheimer - inzwischen erwachsen und ein international erfolgreicher Kunsthändler -, was wirklich geschehen ist: Sein Vater, der die Verfolgung durch die Nazis nie verwinden konnte, hatte sich das Leben genommen. Dieses Buch ist der bewegende Versuch des Autors, mit seinem verstorbenen Vater ins Gespräch zu kommen. Ein Gespräch über Scham und Schuld, über Liebe und Prägungen und die Last, die einem die Geschichte auferlegt.

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