
Artikelbeschreibung
Traumerzählungen bilden einen entscheidenden Teil unseres Wissens über die Shoah. Für zahlreiche Überlebende sind sie eine Strategie des Weiterlebens: Sie drücken Erfahrungen aus, die auf anderem Wege kaum kommuniziert werden können. Das Erzählen und Teilen von Träumen wird in diesem Essay als eine paradoxe, individuelle wie kollektive Praxis der Reparation verstanden. So wichtig - ja unausweichlich - finanzielle, politische und juristische Reparationsbemühungen auch sein mögen, sie erweisen sich stets als unzureichend. Insofern die entstandenen Zerstörungen und Verletzungen niemals 'wiedergutgemacht' werden können, gewinnt die kulturelle Auseinandersetzung mit ihnen an Bedeutung: als fortwährende Bearbeitung irreparabler Erfahrungen. Christiane Solte-Gresser eröffnet ein eindrückliches Spektrum an Träumen von Shoah-Überlebenden, die ihren traumatischen Erfahrungen erzählend Ausdruck verleihen. Zugleich lotet sie das reparative Potenzial des Traums für unser kulturelles Gedächtnis und seinen Beitrag zu gegenwärtigen Erinnerungspolitiken aus.
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