Sehnsucht

"Twardoch ist ein großer Erzähler." Florian Illies
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Buchprofile - Rezension
"Weltumsegelung" eines 73-jährigen Rentners auf einem Stausee in Schlesien.
Erwin Piontek, Rentner, ehemaliger Bergmann, trägt seit Kindertagen die Sehnsucht in sich, die Welt zu umsegeln. Eines Tages kauft er sich ein Segelboot, verlässt seine Frau und sticht in See. Nein: Er sticht in den Stausee! Monatelang, immer im Kreise segelnd, schippert der skurrile Seefahrer Erwin auf dem kleinen Stausee von Rybnik, um so viele Seemeilen zu erreichen wie bei einer echten "Weltumsegelung". Der Stausee wird für ihn zum Meer. Erwin wird Medienstar, seine Aktion ist auf allen Social-Media-Kanälen, seinem Boot wird zu Wasser aufgelauert. Dieser Roman ist keine klassische Erzählung, vielmehr treibt S. Twardoch mit seiner Hauptfigur "Experimente". Er versetzt Erwin im Verlauf der Geschichte ins vorige Jahrhundert und ebenso in die Zukunft. In die Vergangenheit hinein in die Schlachten des Deutschen Kaiserreichs gegen die Herero in Deutsch-Südwestafrika ebenso wie in die Zukunft des Jahres 2028. Dort ist Erwin "Double" eines autokratischen polnischen Präsidenten, der inmitten eines rechtsextremistisch gewordenen Kerneuropas regiert. – Auf mich wirkte dieser Roman äußerst konstruiert. Er konnte mich weder berühren, noch war mir eine Identifikation mit dem Protagonisten möglich. Die Erzählung erschien mir wie eine bizarr anmutende Darbietung unserer krisenhaften Zeit, in der alles gleichzeitig zu existieren scheint: Vergangenheit und Zukunft. Erwin Piontek bleibt mit all seinen Gedanken ein Mann ohne Gesicht. Für Leser:innen, die literarische Experimente zu schätzen wissen.
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Artikelbeschreibung

Erwin Piontek, Bergmann im Ruhestand, geht seinen Lebenstraum - eine Weltumseglung - bescheiden an: im Boot auf einem Stausee. Doch während er segelt, wird er ein anderer, beginnt für ihn eine höchst abenteuerliche Reise, die ihn durch Zeiten und Kontinente führt: Plötzlich kämpft er als Soldat in Deutsch-Südwestafrika, bald darauf gerät er in Gefangenschaft und soll in Berlin, um der Gerechtigkeit willen, einen grausamen Offizier töten, muss dann schwimmend flüchten, geht unter ... und taucht neugeboren 1979 wieder auf, wird polnischer Präsident und ringt um die Macht in einem nach rechts gerückten Europa.
Ein Name reicht Szczepan Twardoch, um ein literarisches Feuerwerk zu zünden und nebenher das 20. und 21. Jahrhundert zu erzählen. Ein Mann, der seinen Träumen durch Zeiten und Epochen hinterherjagt - derselbe Mensch in drei unterschiedlichen Leben. Wie bin ich geworden, der ich bin? Warum ist der Mensch zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Ferne, dem Anderen - und der nach Heimat? Ein Abenteuer, eine Feier der Freiheit, das Neue zu denken und zu tun.

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Personeninformation

Szczepan Twardoch, geboren 1979, ist einer der herausragenden Autoren der Gegenwartsliteratur. Seine Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet worden, Twardoch erhielt u.a. den Polityka-Passport-Preis, den Brücke-Berlin-Preis (mit seinem Übersetzer Olaf Kühl), den Samuel-Bogumil-Linde-Preis und den Usedomer Literaturpreis. Zuletzt erschien Die Nulllinie. Roman aus dem Krieg, der für den Spiegel-Buchpreis nominiert war und mit dem Nike-Preis geehrt wurde, der bedeutendsten literarischen Auszeichnung Polens. Die NZZ schrieb: «Dem Sog seines Erzählens kann man sich schwer entziehen.» Twardoch lebt mit seiner Familie in Pilchowice/Schlesien.

Olaf Kühl, 1955 geboren, studierte Slawistik, Osteuropäische Geschichte und Zeitgeschichte und arbeitete lange Jahre als Osteuropareferent für die Regierenden Bürgermeister von Berlin. Er ist Autor und einer der wichtigsten Übersetzer aus dem Polnischen und Russischen, u.a. wurde er mit dem Karl-Dedecius-Preis und dem Brücke Berlin-Preis ausgezeichnet. Sein zweiter Roman, «Der wahre Sohn», war 2013 für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Pressestimmen

Ein literarisches Feuerwerk ... meisterhaft. Berliner Morgenpost
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