Goethe

Porträt eines Lebens, Bild einer Zeit | "Mitreißend ... so lehrreich, so gewitzt." Die Zeit
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Buchprofile - Rezension
Um einen Goethe von heute bittend: Thomas Steinfelds Biografie stellt Goethe mitsamt seinen Zweifeln vor, und das ist sehr modern.
Bei einem Dichter von der Größe Goethes helfen Reduktion und Routine wenig. Deshalb packt es Thomas Steinfeld groß an: umfassend ist seine Biografie des Dichters und gewaltig die Masse an Büchern von und über Goethe, die er gelesen hat. Herausgekommen ist ein Porträt, das sich in jedem einzelnen Kapitel zu lesen lohnt, weil der Biograf keine Lebensbeschreibungen nachbetet, sondern vielerorts neue Zusammenhänge erschließt und auch den Dichter mitsamt seinen mephistophelischen Zweifeln an Gott und der Welt ernst nimmt. Offenbart wird auf diese Art ein Autor, dem seine eigene Größe unter den Zeitgenossen suspekt war; ein unermüdlicher Pläneschmied und Probierkünstler in seinen literarischen und auch den naturforschenden Schriften, nur nicht in der Lyrik. Mit einem Blick zum Publikum, den Goethe manchmal mied, stellt Thomas Steinfeld spannende Fragen: Warum wurde dem Autor der Bestsellererfolg des „Werther“-Romans so leidig? Wie stand Goethe in Weimar die „Weltrolle“ zu Gesicht? Wie richtete er sich dort, in der Ackerbürgerstadt und geistigen Welthauptstadt, häuslich ein und wozu heiratete er, anders als sein Freund Schiller, nach unten? Weshalb ist sein Mephisto so „verteufelt human“? Wohin flüchtete er vor Revolutionen, Kriegen und Todesfällen? Und was ihm gegen den raschen Erfahrungswandel half: das Diktieren, sogar von Briefen. Steinfeld porträtiert einen Goethe, der manche Probleme und Sinnfragen der Moderne zu erfassen vermochte: einen Autor für heute. Ein vorzüglich geschriebenes, erhellendes und bereicherndes Buch, aus dem einzelne Kapitel sich sehr gut zur Einführung in einzelne Werke oder kürzere Zeitabschnitte der klassischen Literatur eignen, eine Einladung für Lesekreise und ein Muss für alle größeren Bestände.
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Artikelbeschreibung

Als Goethe im Jahr 1832 starb, hatten die Französische Revolution, die Napoleonischen Kriege und die Industrialisierung Europa von Grund auf verändert. Thomas Steinfeld erzählt Goethe neu - als einen Menschen, in dessen Leben und Werk sich die Umbrüche jener Zeit auf einzigartige Weise spiegeln: beginnend mit der Kindheit in Frankfurt und den Studienjahren in Leipzig und Straßburg, über die Phase des poetischen Aufbruchs bis hin zum 'Faust', zur 'Farbenlehre' und zum 'West-östlichen Divan'. Auch das Herzogtum Sachsen-Weimar rückt in ein neues Licht, als eine intellektuelle Landschaft von großer Bedeutung für die Philosophie, die Medizin oder die Physik.
Goethe tritt in den vertrauten Rollen des Dichters, Theatermachers oder Reisenden auf, aber auch in den weniger bekannten des Politikers, Kriegsbeobachters und Naturforschers. Steinfeld zeichnet das Bild eines Intellektuellen, der nichts schreiben konnte, ohne zugleich das Gegenteil zu denken, eines Konservativen, der sich stets auf der Höhe der Zeit befand - und eines klugen, neugierigen, aber auch einsamen Menschen, der einige der schönsten und tiefsten Werke schrieb, die es in der deutschen Literatur gibt.

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Dieses Buch über den deutschen Klassiker sollte selber ein solcher werden. Ijoma Mangold Die Zeit
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