Bruckner stirbt nicht

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Buchprofile - Rezension
Werk und Leben Anton Bruckners aus gewitzter Perspektive.
Zu Bruckners 200. Geburtstag 2024 schreibt Christian Schacherreiter eine sehr kundige Biografie in Form eines Romans. Schacherreiter, wie Bruckner aus Oberösterreich stammend, schlüpft dazu in die Rolle des Cellisten und Musiktheoretikers Jakob Weinberger, der Ende 1892 der Uraufführung von Bruckners achter Symphonie beiwohnt. Er wird glühender Anhänger des Meisters und macht sich auf, eine Biografie Bruckners zu schreiben. In der späten, kurzen Begegnung mit dem Idol muss er erfahren, dass er nun doch nicht dessen erster Biograf ist. Erzählt wird - analog dem Aufbau von Bruckners achter Symphonie - in vier Sätzen, unterbrochen durch drei Interludien, die Weinbergers Situation nach dem Tod Bruckners zeigen. Als Bildungsroman um den jungen Musiker, der dank seines Freundes Raimund, einer mephistophelischen Figur, den eigenen Lebensweg beschreitet, fungiert das Buch ebenso wie als Werk-Analyse, Persönlichkeitsbild und Wiener Zeithistorie. Entsprechend der Recherche der Erzählfigur führen die Kapitel vom späten Bruckner (Wien 1868-1896) über die Zeit in Linz und Ausbildung in St. Florian bis zur Kindheit und Jugend des Komponisten auf dem oberösterreichischen Land (1824-1845). Der Charme dieses kompositorischen Aufbaus, dazu die Vielfalt von Porträts, Zeit- und Charakteranalyse machen das Buch zu einem großen Lesevergnügen auch für Leser:innen ohne dezidiertes Bruckner-Vorwissen. Durch den vielstimmigen Stil, der Abwechslung und Konzentration zugleich gewährt, bleibt der Leser über alle 300 Seiten des Buches „ganz Ohr“. Man möge nun Bruckner neu oder überhaupt erstmals hören. Eine herzliche Empfehlung für alle Musikfreunde.
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Artikelbeschreibung

Jakob Weinberger ist hingerissen, aufgewühlt, begeistert! Der junge Musikstudent erlebt am 18. Dezember 1892 in Wien die Uraufführung von Anton Bruckners Achter Sinfonie. Für Jakob, überwältigt von dieser für ihn völlig neuen Klangwelt, steht nach diesem Abend fest: Er will Bruckners erster und einziger Biograf werden. Akribisch sammelt er fortan alles, was er über das merkwürdige Leben und reichhaltige Schaffen des bewunderten Meisters finden kann. Jakob reist nach Linz, verbringt einige Wochen im Stift St. Florian, steht vor Bruckners Geburtshaus in Ansfelden, verfolgt mit Interesse die Aufführungen neuer Werke. So entsteht im Laufe von drei Jahren ein widersprüchliches, rätselhaftes Künstlerporträt zwischen Genialität und Provinzialität, künstlerischer Kühnheit und kleinlicher Unsicherheit, tiefster Frömmigkeit und ständiger Sehnsucht nach jungen Frauen ... Eines Tages steht Jakob dem alten, von schwerer Krankheit gezeichneten Meister selbst gegenüber - und muss erfahren, dass er nicht der Einzige ist, der an einer Bruckner-Biografie arbeitet. Was tun?In "Bruckner stirbt nicht" verbindet Christian Schacherreiter die Form der Künstlerbiografie mit dem klassischen Bildungsroman, denn in den Jahren, in denen Jakob an seinem wegweisenden Werk arbeitet, muss er auch die Weichen für sein eigenes Leben stellen: weltanschaulich, künstlerisch, beruflich - und nicht zuletzt in Sachen Liebe.

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Personeninformation

Geboren 1954 in Linz, aufgewachsen im Innviertel, studierte Germanistik, Geschichte und Violine in Salzburg. In den siebziger und achtziger Jahren gemeinsam mit dem Musiker Gerald Fratt mit kabarettistischen Liedern erfolgreich (u. a. "Salzburger Stier" 1982), bis 1992 freier Mitarbeiter des ORF (Literatur und Hörspiel), langjährige Lehrtätigkeit an Gymnasien und Hochschulen, Kolumnist und Literaturkritiker für die "Oberösterreichischen Nachrichten", Mitglied des Adalbert-Stifter-Instituts Linz. Zahlreiche Veröffentlichungen in Fachpublikationen, Zeitungen und Zeitschriften.
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