Zweifelssohn

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein Blick auf unsere Zeit zwischen Popkultur, existenzieller Verunsicherung und Apokalypse.
Zweifelssohn reist von Wien ausgehend durch verschiedene deutsche Städte wie Berlin, München, Erlangen, Nürnberg, Weimar, Rügen und Hiddensee. Diesen Roadtrip unternimmt er als therapeutische Maßnahme. Er sucht Orientierung in einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit, Spannungen und Gewalt geprägt scheint. Ob im Zug, bei Begegnungen mit Freunden, im Urlaub mit der Freundin oder allein: Immer stößt er auf Zeichen persönlicher und gesellschaftlicher Gewalt. Aus jüdischer Sicht nimmt er vieles davon besonders aufmerksam wahr. Stets begleitet ihn die Frage, wie Gewalt entsteht und warum sie immer wieder zurückkehrt. Vergeblich versucht er, sich an die Oberflächlichkeit des Lebens zu halten: an Musik, Mode, Exzesse und die Verheißungen der Gegenwart. Doch stets drängt sich die Gewalt unaufhaltsam in sein Bewusstsein, als Vorahnung einer Zukunft, die bereits begonnen hat. Zweifelssohn sieht das Ende der Welt rasant nahen. – In 50 Kapiteln gibt es zwar einige Minimalhandlungen, aber eher liest sich dieses Buch – einen Roman würde ich es nicht nennen – als eine Aufzählung von Skizzen und Überlegungen zur deutschen Geschichte, zu Hinterlassenschaften der NS-Zeit und jüdischer Traumata. Ein Buch, dem man entweder beeindruckt folgt oder es rasch zur Seite legt.
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Artikelbeschreibung

Der Protagonist Zweifelssohn - wie der jüdische Aufklärer Mendelssohn, aber mit Zweifel - reist von Wien durch verschiedene deutsche Städte bis nach Rügen und ist dabei immer auch auf der Flucht vor einer Welt, deren Ende ihn einzuholen droht. Max Czollek ringt in seinem ersten Roman mit einer Gegenwart zwischen Popliteratur und Untergangsvision, wie es sonst wohl kaum jemand vermag. Emotional, voller bitterbösem Humor und hochgradig aktuell!

Vielleicht ist Zweifelssohn verrückt, vielleicht ein Genie, vielleicht ein Prophet, so genau lässt es sich nicht sagen. Jedenfalls sieht er Dinge, die andere nicht sehen: tote Verwandte auf einer Wiener Wasserstraße, prophetische Visionen in Münchner Vorstädten und eine rauchende Hannah Arendt am Berliner Landwehrkanal. Er ist das Gegenteil von Leichtigkeit, trägt in seinem Koffer die Schwere der Geschichte. Schwebt zugleich über ihr, denn bei ihm besteht alles aus Gas, wie beim Warzenschwein Pumba aus dem König der Löwen. Er hält sich fest an seinen Freund*innen und ist doch endlos weit entfernt von ihrer Gegenwart.

»Zweifelssohn« ist der poetische, witzige und verzweifelt optimistische Debütroman von Max Czollek.

»Wie sieht eine Literatur aus, die unsere Gegenwart in all ihrer Abgründigkeit, ihrer Absurdität, ihrem Witz, ihrer Gewalt und Zärtlichkeit beschreibt? Genau so!«. MITHU SANYAL

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Personeninformation

Max Czollek, geboren 1987, ist Autor und lebt in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Magazins Jalta - Positionen zur jüdischen Gegenwart, Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Kurator beim Haus der Kulturen der Welt Berlin, Stadtschreiber zu Rheinsberg und DAAD Distinguished Chair in Contemporary Poetics, New York 2024. »Zweifelssohn« ist sein erster Roman.

Pressestimmen

»Die Sorglosigkeit der Neunziger ist vorbei und Czolleks Roman die Literatur gewordene Suche nach einer dazu passenden Poetologie.« Thomas Hummitzsch, Republik, 18. September 2026 Thomas Hummitzsch Republik 20260918
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