Monde vor der Landung

Roman | Ein faszinierender, unorthodoxer Blick auf Querdenkertum und alternative Wahrheiten | Österreichischer Buchpreis 2023
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Buchprofile - Rezension
Peter Bender, Querdenker: Ein Leben in der Hohlwelt vor und während des Zweiten Weltkriegs.
Romane und Erzählungen von Clemens J. Setz (Büchner-Preis 2021) sind nicht unbedingt leichte Kost: Reibung und Auseinandersetzung mit nicht alltäglichen Themen als auch sprachliche Besonderheiten (wechselnde Erzählstile, ausgefallene Worte) können polarisieren. Hier wird Leben und Denken des Wormser Peter Benders (1893-1944) in einem Roman besonders in Szene gesetzt: fiktional, z.B. in der Darstellung des Familien- und Liebeslebens, realistisch durch Abdrucke aus Benders "Karl Tormann – Ein rheinischer Mensch unserer Zeit" (1927), von Auszügen aus seiner privaten Korrespondenz und Gutachten zu seinem Gesundheitszustand. Als glühender Vertreter der Hohlwelttheorie und in Kontakt mit Gleichgesinnten seiner Zeit, besonders der Koreshan Unity in Florida, sieht er sich einerseits als erfolgreichen Missionar seiner Theorien, scheitert andererseits aber im Alltag. Seine jüdische Frau Charlotte, mit der er seiner von ihm gegründeten Menschheitsgemeinde vorsteht und die er in Abhängigkeit von sich wähnt, ist in Wirklichkeit als sein stärkerer Antipol für das existenzielle Überleben der Familie verantwortlich. Peter, nach außen eher passiv unpolitisch, steht in erster Linie für seine Belange ein und kann letztendlich weder sich noch Charlotte vor dem Zugriff der Nazis schützen. – Eine Herausforderung an Leser*innen.
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Artikelbeschreibung

Worms, Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Peter Bender, ehemals Fliegerleutnant des Deutschen Heeres, macht sich als Gründer einer neuen Religionsgemeinschaft und mit der Proklamation der sogenannten Hohlwelt-Theorie einen Namen: Die Menschheit lebe nicht auf, sondern in einer Kugel, außerhalb derselben existiere nichts. Benders Gemeinde bleibt überschaubar, dennoch wird er wegen der Verbreitung aufwieglerischer und gotteslästerlicher Flugschriften zu einer mehrmonatigen Kerkerhaft verurteilt. Als sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten herumspricht, dass seine Frau Jüdin ist, wenden sich selbst seine engsten Gefolgsleute von ihm ab. Die Benders verarmen, die Repressionen besonders gegen seine Frau werden bald unerträglich.

Bestürzend aktuell, von unüberbietbarer sprachlicher und gedanklicher Originalität: Dieser Roman erzählt von Querdenkertum und alternativen Wahrheiten und rekonstruiert eine so bewegende wie verstörende Lebensgeschichte.

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Personeninformation

Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren, wo er Mathematik und Germanistik studierte. Heute lebt er mit seiner Frau und seiner Tochter als Übersetzer und freier Schriftsteller in Wien. 2011 wurde er für seinen Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Sein Roman Indigo stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012 und wurde mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2013 prämiert. 2014 erschien sein erster Gedichtband Die Vogelstraußtrompete. Für seinen Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre erhielt Setz den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2015. Mit drei seiner Stücke war Setz bei den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Zuletzt 2023 mit Der Triumph der Waldrebe in Europa. Zuletzt wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis 2021 und dem Österreichischen Buchpreis 2023 geehrt.

Pressestimmen

»Die kulturell, historisch und sprachlich ausgesprochen sensible Erzählinstanz ergreift niemals Partei und legt kein Urteil nahe. Auf diese Weise können Leser:innen ihren eigenen Zugang in die komplexe Thematik entwickeln und das soziale Abtriften eines trotz allem einnehmenden Menschen 'von Innen' erleben.« Jury des Österreichischen Buchpreises 2023 20231010
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