»Weil ich nun mal ein Gerechtigkeitsfanatiker bin«

Der Fall des SS-Richters Konrad Morgen
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Buchprofile - Rezension
Darstellung des Wirkens eines SS-Richters unter den moralisch pervertierten Bedingungen des Dritten Reiches während der Jahre 1940-1945.
Als junger Jurist und Mitglied der SS tritt Konrad Morgen im Herbst 1940 in den Dienst der SS-Gerichtsbarkeit, die strafrechtliche Vergehen von Mitgliedern der Waffen-SS und angegliederten Sondereinheiten verfolgte. Im Glauben an einen vermeintlichen Ethos dieser Spezialtruppen spürte er Korruptionsfällen und anderen Formen der Kriminalität bis in höchste Kreise der SS vornehmlich im besetzten Polen und im Osten nach. Dabei musste er erleben, wie solche Verbrechen oft von prominenter Stelle gedeckt wurden. Sein Versuch, kriminelles Handeln in einem zutiefst verbrecherischen System juristisch zu ahnden, das Massenmorde staatlicherseits legitimierte, musste scheitern, führte aber nach 1945 dazu, dass Morgen entnazifiziert wurde und als Zeuge in etlichen Kriegsverbrecherprozessen aussagte. - Mit großer Genauigkeit und fachlich exakter Dokumentation zeichnen die beiden Autoren, Professoren der Philosophie, exemplarisch den Werdegang des Juristen Konrad Morgen nach und bewerten dabei sein Handeln nach ethisch-moralischen Kategorien. Dieses zweifelsohne spannend zu lesende Fallbeispiel der Verstrickung einer Einzelperson im Dritten Reich hat fast den Charakter einer wissenschaftlichen Studie. Vor allem in stark ausgebauten Geschichtsbeständen.
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Artikelbeschreibung

Man habe 'das moralische Recht', dieses Volk 'umzubringen', sagte Heinrich Himmler im Oktober 1943 über den millionenfachen Mord an den Juden. 'Wir haben aber nicht das Recht', fuhr er fort, 'uns auch nur mit einem Pelz, einer Uhr, mit einer Mark oder mit einer Zigarette oder sonst etwas zu bereichern.' Tatsächlich hatte Himmler 1939 eine SS-Gerichtsbarkeit geschaffen, die über die 'Moral' und die Einhaltung des 'Ehrenkodex' der Organisation wachen sollte.Ein solcher SS-Richter war Konrad Morgen (1909-1982). Morgen ermittelte gegen hochrangige Nationalsozialisten, u. a. gegen Karl Otto Koch, den ehemaligen Kommandanten des Lagers Buchenwald, und gegen Adolf Eichmann, dem er vorwarf, Juwelen unterschlagen zu haben. Sich selbst bezeichnete Morgen als 'Gerechtigkeitsfanatiker'.Gestützt auf seine Berichte und Briefe aus der Kriegszeit sowie auf seine Aussagen in Nürnberg und beim Frankfurter Auschwitz-Prozess, zeichnen Herlinde Pauer-Studer und J. David Velleman die wichtigsten Stationen in der Karriere des SS-Richters Konrad Morgen nach. Die Biografie dieses ambivalenten Charakters ist zugleich eine Studie in moralischer Komplexität und verdeutlicht die strukturelle Pervertierung von Recht und Moral im 'Dritten Reich'.

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Pressestimmen

»Die Wiener Philosophin und ihr New Yorker Kollege bezeichnen ihr faszinierendes Buch als 'normative Fallstudie'. Sie verweben in zumeist sehr verständlicher Erzählweise verschiedene Ebenen: den raschen Weg des NS-Staates in die totale Unrechtsdiktatur [und] Konrad Morgens ... theoretische Fragen der Rechts- und Staatsphilosophie, die kaum komplexer sein könnten.« Milos Vec Neue Zürcher Zeitung 20170916
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