Die Aufsteiger

Deutscher Mittelstand unter Hitler: Eine Familiengeschichte
28,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Profit und Verdrängung: eine deutsche Familiengeschichte in der NS-Zeit.
Die Ausführungen der Urenkelin des Protagonisten dieses Buches verweisen am Beispiel einer dem deutschen Mittelstand angehörenden Unternehmerfamilie in einem kleinen rheinhessischen Ort, abseits der politischen wie wirtschaftlichen Zentren, auf den immensen Einfluss und Druck des NS-Regimes auf die Bevölkerung, die wiederum großteils alle Maßnahmen und Befehle der NSDAP-Funktionäre akzeptierte und umzusetzen half. Anschaulich legt die Autorin dar, wie sich einzelne Familienmitglieder überall dort andienten, wo für die Fabrik und Familie wirtschaftlicher Profit und gesellschaftliches Ansehen winkten. Die Strunckwerke, ehemals ein Baustoff- und Kohlenhandel, etablierten sich unter Johann Strunck zu einer florierenden Zementwarenfabrik, deren Produkte – vor allem bei Stahlbetonplatten (Panzerbeton) sowie bei der Fertigung von Bunkern – von großen Namen (u.a. Krupp) geschätzt wurden. Aufgrund intensiver Recherchen in Archiven und Dokumentationszentren entdeckt die Verfasserin zahlreiche Belege für die Verstrickung der Firma in NS-Projekte, so z.B. beim Bau des Westwalls oder bei Lieferungen aus dem eigenen Weinberg an die Wachmannschaften des KZ Sachsenhausen, was nur durch enge persönliche Verbindungen zum NS-Führungspersonal möglich war. Um die Produktion hoch halten zu können, wurden osteuropäische Zwangsarbeiter als Arbeitskräfte verpflichtet, für die auf dem Firmengelände ein Lager errichtet wurde. Alle gefundenen Belege – vornehmlich Dokumente aus den Spruchkammerverfahren nach Kriegsende – zeigen die Verstrickung der Familie in diverse NS-Verbrechen, die Verdrängung ihrer Schuld sowie das Festhalten an der Überzeugung, stets das Richtige getan zu haben. Klar und kritisch setzt sich Strunck mit dem Denken und Tun ihrer Vorfahren, aber auch mit dem Verhalten der Dorfgemeinschaft auseinander und benennt zugleich die Abgründe der Nazi-Herrschaft. – Für große Bestände zu empfehlen!
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

Der deutsche Mittelstand und die Schuld: eine Familiengeschichte

Ein Selfmademan aus der Provinz hat im «Dritten Reich» große Pläne. Eine Zementwarenfabrik, ein Weingut sind im Besitz der Familie. Schon bald beteiligt sich das Familienunternehmen am Bau des Westwalls und errichtet auf dem Firmengelände ein Lager für Zwangsarbeiter, während das Weingut die Wachmannschaften des KZ Sachsenhausen mit rheinhessischem Wein beliefert: Geschäfte, die nur möglich sind durch enge persönliche Verbindungen und Seilschaften, vor Ort und bis in die NS-Führungsriege. In diesem System werden die fünf Kinder des Patriarchen auf ihre je eigene Art zu Tätern und zu Opfern.

Christina Strunck ist die Urenkelin des Firmengründers. Sie geht einem wachsenden Unbehagen nach, sucht in den Archiven nach Belegen für das lang Verdrängte - und wird fündig. Dabei zeigt sich: In jener 2500-Seelen-Ortschaft in Rheinhessen bündeln sich die Konflikte der Zeit wie unter einem Brennglas. So erzählt Christina Strunck nicht nur die Geschichte ihrer Familie, sondern auch die Mikrogeschichte einer Gemeinde. Zugleich leuchtet sie mit ihrer Fallstudie ein noch immer unterbelichtetes Thema aus: die Rolle des deutschen Mittelstands im «Dritten Reich».

«So mutig wie herzergreifend. So erschreckend wie wahr. Christina Struncks Spurensuche führt schonungslos in die Abgründe der Nazi-Herrschaft, am Beispiel der eigenen Familie, eines kleinen Ortes, einer ganzen Gesellschaft. Ein brandaktuelles Buch, leider.» Dorothee Röhrig

Produktsicherheit

Hersteller: Rowohlt Verlag GmbH
Anschrift: Kirchenallee 19
DE-20099 Hamburg
Kontakt: produktsicherheit@rowohlt.de

Personeninformation

Christina Strunck, geboren 1970 in München, ist Professorin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und leitet das dortige Institut für Kunstgeschichte. Ihre Dissertation über den Bildhauer und Architekten Gianlorenzo Bernini wurde 2002 mit der Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet; es folgten Stipendien- und Forschungsaufenthalte u.a. in Rom, Paris, Florenz, Los Angeles und Cambridge. Sie ist spezialisiert auf italienische, französische und britische Kunst des Zeitraums 1500 bis 1800. Die unerwartete Konfrontation mit der Spruchkammerakte ihres Urgroßvaters war für sie der Anstoß, in die Erforschung der eigenen familiären Vergangenheit einzutauchen.

Pressestimmen

Ungemein spannend ... Christina Strunck ist eine sehr gute Erzählerin. Mareike ; Leonie Gries ; Berger SWR Kultur 20260307
Mehr von Strunck, Christina

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.