Königin der Nacht

Ein kurzes Buch über meine Mutter | "Lukas Bärfuss hat sich in eine schmerzhafte Gegend gewagt und ein unglaublich gutes Buch darüber geschrieben." Tagesanzeiger
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Buchprofile - Rezension
Autofiktionale Prosa über ein Frauenleben voller Widersprüche.
Lukas Bärfuss, bisher vor allem als Dramatiker in Erscheinung getreten, legt mit seinem neuen Großessay „Königin der Nacht. Ein kurzes Buch über meine Mutter“ ein Stück autofiktionaler Prosa vor, die vor allem durch ein provokantes Thema besticht: Armut in der Schweiz, einem der reichsten Länder der Welt, im ausgehenden 20. Jh. Dem Publikum, das mit dem Werk von Bärfuss vertraut ist, ist dieses Sujet bereits als ein zentrales Thema seines Oeuvres bekannt. Ausgehend vom Tod der Mutter wird die komplizierte Beziehung zum Sohn reflektiert, die von einer sozial prekären Situation, familiären Schwierigkeiten, nicht wahrgenommenen Verantwortlichkeiten geprägt und dabei so toxisch ist, dass das erzählende Ich noch als Kind zum Obdachlosen wird. Das Buch erzählt aber auch davon, sich durch entmutigende Umstände nicht klein kriegen zu lassen und trotz aller Widrigkeiten einen Weg zu gehen, der schließlich in die Literatur führt. Im letzten Teil verknüpft Bärfuss dann auch sein eigenes Schicksal mit den Vaganten und Fahrenden früherer Zeiten, die sich im Zweifelsfall durch eine gut erzählte Geschichte als Lohn den Lebensunterhalt für den nächsten Tag sichern konnten. In dieser Ahnenreihe verortet sich Bärfuss, so dass sein neues Buch nicht nur für alle die interessant sein dürfte, die einen Schlüssellochblick auf die abgründigen Seiten seiner Vergangenheit werfen, sondern auch für die, die etwas über sein literarisches Selbstverständnis erfahren möchten.
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Artikelbeschreibung

Nach "Vaters Kiste" wendet sich Lukas Bärfuss nun in einem bewegenden autobiografischen Essay dem Leben seiner Mutter zu.

Eine kleine Stadt in der Schweiz. Ein Haushalt mit einer Frau und ihrem Sohn. Es gibt keinen Mann, es gibt Männer. Und an Geld herrscht immer Mangel, an Zärtlichkeit erst recht.

Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war.

Der Sohn musste sich früh in der Kunst üben, seine Mutter zu überleben. Und in der Rückschau stellt er sich die Frage, wo in einem elenden Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt. Ein aufrüttelndes Buch, für Leserinnen und Leser von Edouard Louis und Annie Ernaux.

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Personeninformation

Lukas Bärfuss, geboren 1971 in Thun, ist Dramatiker, Romancier und streitbarer Publizist. Seine Stücke werden weltweit gespielt, die Romane sind in zwanzig Sprachen übersetzt. Lukas Bärfuss ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und lebt in Zürich. Für seine Werke wurde er u.a. mit dem Berliner Literaturpreis, dem Schweizer Buchpreis und dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen Vaters Kiste (2022) und Die Krume Brot (2023).

Pressestimmen

Diesmal ist ihm sein bestes Buch überhaupt gelungen, und das liegt ganz einfach an der unerhörten Vielfalt des Buches. Meisterhaft. Andreas Isenschmid 3Sat "Kulturzeit" 20260520
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