Sophies Schwester

Band 94
Inge Scholl und die Weiße Rose
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Buchprofile - Rezension
Inge Scholls Bemühen um die richtige Deutung der Motive für den Widerstand ihrer 1943 hingerichteten Geschwister Hans und Inge.
Diese vom Münchner Institut für Zeitgeschichte herausgegebene Dissertation ist weniger eine Biografie von Inge Scholl, der älteren Schwester der beiden bekannten Opfer der Widerstandsbewegung "Weiße Rose", als vielmehr ein eingehender Bericht über das lebenslange Bemühen von Inge Scholl, ihre Geschwister und deren Einsatz nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Inge Scholl hat ein Archiv über Hans und Sophie aufgebaut, die Deutungshoheit über die Weiße Rose und ihre Geschwister beansprucht, Veröffentlichungen und Filmprojekte unterstützt oder zu verhindern versucht. Sie hat sich bemüht, alle Angehörigen der Hingerichteten der Widerstandsgruppe einzubinden, was zunehmend zu Unstimmigkeiten führte. Die Verfasserin berichtet auch von öffentlichen Maßnahmen, die Erinnerung an die Geschwister Scholl durch Gedenktafeln wachzuhalten. Ausführlich wird darauf eingegangen, wie sich der Blick auf die Geschwister Scholl und die Einschätzung ihrer Bedeutung mehr als einmal geändert hat, schließlich auch, wie sich die Erinnerung nicht mehr von der Familie Scholl kanalisieren ließ, sodass es zum Aufbau konkurrierender Archivbestände und unguten Auseinandersetzungen mit Autoren und Filmproduzenten kam. - Eine informative, auch spannende Lektüre.
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Artikelbeschreibung

Sophies Schwester ¿ das ist Inge Scholl, deren jüngere Geschwister Hans und Sophie 1943 hingerichtet wurden, weil sie sich dem NS-Regime widersetzt hatten. Inge Scholl wusste nichts vom Widerstand ihrer Geschwister. Doch sie begab sich umgehend auf eine private Spurensuche und avancierte damit nach 1945 zu einer ebenso einflussreichen wie prominenten Aktivistin in der bundesrepublikanischen Erinnerungs- und Gedenkkultur an den Widerstand im "Dritten Reich". Christine Hikel hat darüber ein erhellend-aufregendes Buch geschrieben. Sie kann eindrucksvoll zeigen, wie familiäre Erinnerungen konstruiert wurden, wie sie sich im Laufe der Zeit veränderten, wie und wann sie sich gegen konkurrierende Widerstands-Erzählungen durchsetzten und das öffentliche Gedenken prägten. Die Geschichte der Weißen Rose wird damit in die Zeit nach 1945 verlängert und als faszinierendes Lehrstück präsentiert: Selbst spektakuläre Taten wie die Flugblatt-Aktion Hans und Sophie Scholls in der Münchner Universität finden im kollektiven Gedächtnis nur dann einen Platz, wenn sie Fürsprecher finden, die sie immer wieder neu zum aktuellen politischen und gesellschaftlichen Zeitgeist in Bezug setzen. Shortlist-Nominierung Opus Primum 2013!

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Pressestimmen

"Die gut lesbare Studie geht weiter über die Weiße Rose hinaus, indem sie an diesem Fallbeispiel offenlegt, wie Erinnerung kanalisiert und in das kollektive Gedachtnis eingeschrieben werden kann. Von daher kann sie jedem empfohlen
werden, der zum Thema ,,Erinnerungskultur" arbeitet."
Ralph Erbar in: Geschichte für heute 3/2014

"Sorgfältig recherchierte Darstellung ... überzeugend aus den Quellen gearbeitet."
Ulrich Schlie in: FAZ 15.7.2013

"Das Innovative an dieser Studie ist, dass die Autorin beide Seiten aufeinander bezieht: Inge Scholl sowie die Adressaten des von ihr vermittelten Geschichtsbilds. Hikel versteht ihre Forschungen insofern als Ergänzung zu den sozialpsychologischen Arbeiten etwa von Harald Welzer[2], die zeigen, wie gesellschaftlich vermittelte Wissensbestände über die nationalsozialistische Diktatur in das familiäre Gedächtnis integriert werden.[...] So ist zu hoffen, dass Christine Hikels gelungene und lesenswerte Arbeit weitere Forschungen anregen wird."
In: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-2-043

"Sensible und dennoch bestechend nüchterne Studie... brilliant... akribisch recherchiert."
Rudolf Neumaier in: Süddeutsche Zeitung, 22.11.2012

''Diese Arbeit muss künftig als Kommentar neben den bisher publizierten Quelleneditionen und Darstellungen gelesen werden.''
In: suedkurier.de, 28.12.2012

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