Juli, August, September

Roman
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Buchprofile - Rezension
In einer Lebenskrise beginnt eine Frau mittleren Alters, sich mit der Familiengeschichte auseinanderzusetzen.
In ihrem fünften Roman stellt Olga Grjasnowa eine junge Frau in den Mittelpunkt, die durch eine Fehlgeburt ihr zweites Kind verloren hat und in eine Krise geraten ist, in der sie besonders empfindlich wird, was Spannungen und offene Fragen in ihrem Leben anbetrifft, etwa ihre Identität als jüdische, in Russland geborene Person, die ihren Vater kaum kennt. Auch Lous Mann Sergej, ein Konzertpianist, gerät in eine Sinnkrise. Über ihre Trauer um das ungeborene Kind können sie miteinander kaum sprechen. Die beiden leben mit ihrer vierjährigen Tochter in Berlin in engem Kontakt zu Lous Mutter. Lou hat sich eine Pause von ihrer Arbeit als Kuratorin in einer Kunstgalerie verschafft und reist mit Kind und ihrer Mutter nach Gran Canaria zu dem großen Familientreffen aus Anlass des 90. Geburtstags ihrer Großtante Maya. Die letzten Zusammenkünfte in den Sommern ihrer Kindheit in Tel Aviv liegen lange zurück, wenig familiäre Nähe ist spürbar. Als die hochbetagte Maya wieder einmal eine völlig verzerrte Version ihrer Kriegs- und Fluchtgeschichte an der Seite ihrer Schwester Hannah zum besten gibt, will Lou das nicht mehr als Familienfolklore durchgehen lassen und fasst den Mut, längst fällige Fragen zu stellen. – Die 40-jährige Autorin ist in Baku geboren, sie erzählt erfrischend direkt, unsentimental und temporeich. Die Autorin macht Reibungspunkte sichtbar, lässt ihre Figuren auch in Konfrontationen gehen, bleibt aber feinfühlige Beobachterin. Auch in diesem Roman ist die Identitätsfindung als Deutsche:r mit Migrationshintergrund ein wichtiges Thema. Im Mittelpunkt steht die Frage, woher sich die Kraft nehmen lässt für die kleinen und großen Krisen des Alltags, gespiegelt an den Zumutungen, die die Eltern- und Kriegsgeneration zu bewältigen hatte. Ein lebensnah erzählter, ehrlicher Roman, der nicht zwanghaft versucht, Antworten zu geben. Eine lohnende Lektüre über die Generationen hinweg.
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Artikelbeschreibung

Auf der Suche nach Wahrheit: Die Geschichte einer modernen jüdischen Familie. "Olga Grjasnowa erweist sich als kluge Chronistin moderner Verirrung." Publishers WeeklyLous zweiter Ehemann ist eine Trophäe - das muss selbst ihre Mutter anerkennen. Sergej ist Pianist und er ist jüdisch, genau wie Lou. Trotzdem ist ihre Tochter Rosa noch nie in einer Synagoge gewesen - eine ganz normale jüdische Familie in Berlin. Aber sind sie noch eine Familie, und was ist das überhaupt? Um das herauszufinden, folgt Lou der Einladung zum 90. Geburtstag ihrer Tante. In einem abgehalfterten Resort auf Gran Canaria trifft der ganze ex-sowjetische Clan aus Israel zusammen, verbunden nur noch durch wechselseitige Missgunst. Gegen die kleinen Bösartigkeiten und die vage Leere in sich trinkt Lou systematisch an und weiß plötzlich, dass die Antwort auf all ihre Fragen in der glühenden Hitze Tel Avivs zu finden ist.Ein Roman, so aktuell, zynisch und unterhaltsam, wie nur Olga Grjasnowa ihn schreiben kann, über eine Frau, deren Identität sich aus lauter Splittern zusammensetzt, die scheinbar alle nicht zusammenpassen. Bis sie es auf unerwartete Weise doch tun.

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Personeninformation

Olga Grjasnowa, geboren in Baku, Aserbaidschan. Sie lebt als Professorin an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Längere Auslandsaufenthalte in Polen, Russland, der Türkei, den USA und Israel. Sie hat bislang einen Essay und vier Romane veröffentlicht, zuletzt 2020 "Der verlorene Sohn". Ihre Werke wurden in 15 Sprachen übersetzt, fürs Radio und die Bühne adaptiert und verfilmt.
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