Terror und Traum

Moskau 1937. Ausgezeichnet mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2009
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Buchprofile - Rezension
Weitausholende Rekonstruktion der Ereignisse in Moskau während des stalinistischen Terrorjahres 1937.
Seinen absoluten und fürchterlichen Höhepunkt erreichte der stalinistische Terrorismus im Jahre 1937. Zwischen dem Juli dieses Jahres und dem November 1938 wurden mindestens 1,5 Millionen Menschen Opfer der willkürlichen, oft äußerst brutalen Verfolgung des stalinistischen Geheimdienstapparates. Auf genau diese Monate konzentriert sich die große Studie von Karl Schlögel. Ihm geht es dabei nicht nur um die Erinnerung an diesen terroristischen Furor, der auch schon von vielen anderen Literaten und Historikern dargestellt worden ist, sondern um eine detaillierte Rekonstruktion der Moskauer Stadtgesellschaft in jener Zeit. So untersucht der Autor etwa die Moskauer Adressbücher des Jahres 1936 - 1938 und kann damit sehr genau Namen von unter Stalin verschwundenen Bürgern identifizieren. Aber Schlögel belässt es nicht nur bei einer Erinnerung an diese dunkelsten Seiten der Moskauer und russischen Geschichte im 20. Jh. Ihm geht es auch um die Träume der russischen Menschen in jener Zeit, wie sie sich etwa im Kino, im Theater, in den Konzertsälen gezeigt haben. So spiegelt Schlögel den Terror Stalins immer in den Träumen der Sowjetbürger und sieht die Unterhaltungsbedürfnisse des Volkes nie losgelöst von der brutalen Machtpolitik des kommunistischen Apparates. Es hat lange gedauert, bis der "Zivilisationsbruch von Moskau 1937" in seiner ganzen horrenden Bedeutung bis heute (Beispiel: Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit) bei uns zur Kenntnis genommen wurde. Zusammen mit dem ebenfalls in diesem Jahr erschienenen Band "Die Flüsterer" von Orlando Figes (BP 08/777) liegen jetzt zwei große Studien gegen das Vergessen des Stalinismus vor.
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Artikelbeschreibung

Moskau 1937: Die sowjetische Metropole auf dem Höhepunkt der stalinistischen Diktatur. In einem Orkan der Gewalt geht eine Gesellschaft vollständig zugrunde. Karl Schlögel rekonstruiert Monat für Monat, wie sich der Terror eines Notstandsregimes zum "Großen Terror" steigerte, dem binnen eines Jahres anderthalb Millionen Menschen zum Opfer fielen. Doch damit ist noch nicht die ganze Geschichte erzählt: Im Schatten des Terrors will das Regime um Stalin eine neue Gesellschaft aufbauen. Gestützt auf zahllose Dokumente, vergegenwärtigt Schlögel in seinem historischen Meisterwerk eine Zeit, in der Terror und Traum fließend ineinander übergingen.

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Personeninformation

Karl Schlögel, Jahrgang 1948, studierte Philosophie, Soziologie, Osteuropäische Geschichte und Slawistik an der Freien Universität Berlin. Er arbeitete zunächst als freiberuflicher Übersetzer, Publizist und Autor, bevor er 1990 auf den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte an der Universität Konstanz berufen wurde. 1995 wechselte er an die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, wo er bis 2013 lehrte. Karl Schlögel ist Mitglied des Ordens Pour le mérite und wurde mit zahllreichen Preisen geehrt, u.a.: Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2004), Preis des Historischen Kollegs (2016), Preis der Leipziger Buchmesse (2018), Gerda Henkel Preis (2024) und Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (2025). Bei Hanser erschienen zuletzt: "Entscheidung in Kiew. Ukrainische Lektionen" (2015, NA 2022), "Der Duft der Imperien. 'Chanel No. 5' und 'Rotes Moskau'" (2020), "American Matrix. Besichtigung einer Epoche" (2023) und "Auf der Sandbank der Zeit. Der Historiker als Chronist der Gegenwart" (2025). Karl Schlögel lebt in Berlin.

Pressestimmen

"Ein atemberaubendes Buch, das den Leser in seinen Bann zieht. Ein Geschichtsbuch, das sich wie ein Thriller liest - mit dem Unterschied, dass sich alles tatsächlich zugetragen hat. ... Vor allem aber schafft es Karl Schlögel, die Stimmung zu beschreiben, die hinter den nackten Zahlen und Fakten verborgen liegt." Guido Kalberer, Tages-Anzeiger-Zürich, 13.10.08 "Schlögels meisterhaftes, plastisches "Panorama eines heillosen Geschehens" ist auch ein Widerstand gegen den Furor des Vergessens und Verschwindens." Egbert Hörmann, Tageszeitung, 01.11.08 "Ein Werk, das mit Fug und Recht als herausragend unter allen neueren Werken der Geschichtsschreibung zu loben ist. Es ist in der Kunst seiner Darstellung ein hervorragender Beleg für die Verbindung von Literarizität und Wissenschaft." Michael Jeismann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.08 "Wie kaum ein zweiter deutscher Historiker erweckt Karl Schlögel Moskau, die Hauptstadt des Jahres 1937, zum Leben." Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung, 14.10.08 "Ein Jahrhundertwerk: Karl Schlögels präzise Vermessung des Jahres 1937 in Stalins Sowjetunion." Wolfgang Templin, Der Tagesspiegel, 15.12.08 "Ein grandioser stereoskopischer Rundblick über Moskau 1937." Gerd Koenen, Literaturen, 1/2 2009 "Eine große Erzählung aus den Zeiten des Terrors. ... Niemand und nichts war sicher in jener Zeit. Das beschreibt Schlögel in seinem Buch meisterhaft. Es ist ein Geschichtsbuch von literarischer Qualität." Liane von Billerbeck, Deutschlandradio, 11.02.09
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