Angststillstand

Warum die Meinungsfreiheit schwindet - Der SPIEGEL-Bestseller vom Nr.1-Podcaster
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Buchprofile - Rezension
Anklage der zunehmenden Diskurseinengung im öffentlichen Raum.
Mit seinem neuen Buch macht es der populäre Philosoph und Autor Bewunderern wie Kritikern noch schwerer. Ersteren dürften seine Anklage der zunehmenden Diskurseinengung im öffentlichen Raum missfallen; der Topos gilt als rechtspopulistisch vermint. Seine Gegner dürften daran zu schlucken haben, dass dies betont im Namen klassisch linker Ideale geschieht. Zwischen den Stühlen ist nicht der schlechteste Platz, wenn es um ein so hohes Gut wie die Meinungsfreiheit geht. Buch und Titel sind ein hochengagiertes Plädoyer für die Überwindung des geistigen Stillstands im Land. Zu viele hätten mittlerweile Angst, Missliebiges zu äußern. Anders als andere Advokaten der freien Rede sieht Precht gesellschaftspsychologische Fehlentwicklungen als Problemverursacher. Er führt dazu Begriffe ein wie die "Axelotlisierung" und "kultureller Kapitalismus", meint damit eine Weigerung weiterer Bevölkerungskreise, geistig erwachsen zu werden, und eine Maximierung des eigenen Prestiges mittels Wuchers mit Sozialkapital zu betreiben. Das ist in seinen Details nicht komplett neu, aber mit Schmiss und dabei geschmeidig formuliert. Der Stil wirkt dicht, ist dabei in angebrachtem Maß redundant, um den Faden nicht zu verlieren. Sicher keine Lektüre für den Nachttisch, das Buch fordert auf jeder Seite die Konzentration des Lesers. Und bleibt bis zum Schluss ein Lesevergnügen, intellektuell wie sprachlich. – Empfehlenswert für jeden Bestand.
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Artikelbeschreibung

»Das Thema Meinungsfreiheit ist zu wichtig und zu dringend, um es den Rechtspopulisten zu überlassen.«

Studien zufolge ist mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung der Ansicht, ihre Meinung nicht mehr frei äußern zu können. Woran liegt das? Je mehr Menschen heute ihre Individualität ausdehnen und die Dinge 'persönlich' nehmen, umso leichter fühlen sie sich gekränkt. Beschleunigt durch Social Media und die Möglichkeiten des Shitstorms wird das Risiko freier Meinungsäußerungen immer größer und die sozialen Kosten steigen gefährlich an. In der Folge gerät unsere Gesellschaft in einen Angststillstand. Denn wie sollen eine beherzte Politik, eine provozierende Kunst und eine gesellschaftskritische Kultur noch möglich sein, wenn immer jemand empört oder verletzt reagiert?

Richard David Precht entwickelt ein gesellschaftliches Psychogramm und nimmt uns in die Pflicht, das »Wir« wieder in den Vordergrund zu stellen.

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Personeninformation

Richard David Precht, geboren 1964, ist Philosoph, Publizist und Autor und einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Er ist Honorarprofessor für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Seit seinem sensationellen Erfolg mit »Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?« waren alle seine Bücher zu philosophischen oder gesellschaftspolitischen Themen große Bestseller und wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Seit 2012 moderiert er die Philosophiesendung »Precht« im ZDF und diskutiert zusammen mit Markus Lanz im Nr.1-Podcast »LANZ & PRECHT« im wöchentlichen Rhythmus gesellschaftliche, politische und philosophische Entwicklungen.
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