Und mittendrin der Birnbaum

Roman | Die Geschichte einer dramatischen Rettung, ein Roman über Schuld und Vergebung, über Liebe und Freundschaft
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Buchprofile - Rezension
In die Straße eingelassene Stolpersteine erinnern Dora an das eigene Versagen.
Nach dem Tod ihres Mannes entschließt sich die 90-jährige Dora 2011, aus dem eigenen Haus in Bielefeld ins betreute Wohnen im Heimatdorf Hausen zu wechseln. Und fühlt sich dort erst einmal fremd. Erste Erkundungsspaziergänge im Dorf lassen Erinnerungen wach werden. Sie kehrt zurück in die Zeit, in der alle Häuser und Familien eigene Dorfnamen hatten. Dora ist dort eine „Gehanndingel“. Als sie vor dem Lebensmittelladen steht, der vor der Nazizeit der jüdischen Familie „Jokops“ gehörte, entdeckt sie vier Stolpersteine, die zum Gedenken an vier im KZ Buchenwald getötete Jokops erinnern. Irritiert wendet sie sich ab. Für ihre beste Schulfreundin Fanny, das jüngste Kind der Familie, fehlt der Stein. So beginnt ihre Reise in die Vergangenheit, die sie damit konfrontiert, dass auch sie sich von Fanny abgewandt hatte, dem BDM beigetreten war und ihr dadurch eine bessere Schulbildung ermöglicht wurde. Im Dorf hat vor allem Pina, die junge Enkeltochter der „Bachkriemers“, die das Geschäft gekauft hatten, die Erinnerung an die Judendeportation aus dem Dorf wachgerufen. Durch Dora erfährt sie von Fanny, aber mehr ist Dora nicht bereit zu sagen. Zu sehr meldet sich ihre eigene Schuld. Pina lässt nicht locker und gemeinsam finden sie die Familie am Dorfrand, bei denen Fanny untertauchen konnte und viele Monate lang versteckt wurde. Ein Brief nach Amerika führt zu einem zukünftigen Treffen von Pina mit Fannys Enkeltochter. – Manks im besten Sinne unaufgeregt, schlicht geschriebener Roman zeichnet die aktiv, passive Beteiligung an der Judenvernichtung in vielen Familien nach. Die dadurch entstandenen Dorfkonflikte, bis heute oft verschwiegen, werden lebendig. Mutig sind früher wie heute meist Einzelne. Der Vergleich des jüdischen Schicksals mit denen von Indianern und Eskimos (84) und die ungenutzte erzählerischen Idee der Tablet-Nutzung (44) sind Schwachstellen des Buches. – Für alle Büchereien.
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Artikelbeschreibung

Ein Dorf in dunklen Zeiten. Ein Mädchen, dessen Spur sich verliert. Eine Freundin, die sich erinnert.

Es ist ein milder Frühsommer, als Dora nach vielen Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Stundenlang wandert sie durch die fremd-vertrauten Straßen - zu ihrem Elternhaus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem einst ihre beste Freundin wohnte.

Vom Wissen und Wegschauen: Ein berührender Roman über Zerbrechlichkeit und Hoffnung in dunklen Zeiten.

Als sie entdeckt, dass vor diesem Haus Stolpersteine verlegt wurden, ist Dora fassungslos. Denn dort liegen nur vier Steine, sie weiß aber genau, dass es fünf sein müssten. Einer fehlt, nämlich der ihrer ehemals besten Freundin Fanny. Was ist damals mit ihr geschehen?

Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung: ein neuer, spannender Blick auf die düstere deutsche Geschichte. Emotional, glänzend recherchiert und mitreißend erzählt.


Dora ging auf das Haus zu. Mit jedem Schritt wurde sie ein bisschen langsamer. Mit jedem Schritt sank ihr Kopf ein bisschen tiefer. Noch konnte sie nicht hingucken. Ob das Haus ihrer Freundin wohl entstellt worden war wie so manch anderes im Dorf? Ob sie es wiedererkennen würde?

Als sie endlich den Kopf hob, wäre sie fast in Tränen ausgebrochen. Es war ganz und gar unglaublich. Es sah genauso aus wie damals. Als wäre die Zeit nicht vergangen. Dora stand und stand, konnte sich gar nicht sattsehen. Gleich musste die Freundin aus dem Haus kommen. Oder aus dem Fenster gucken. Oben links. Und rufen: »Ich komme.«

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Personeninformation

Ute Mank wurde in Marburg geboren. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, lernte einen Gesundheitsberuf, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte später nebenberuflich. Ihr erster Roman 'Wildtriebe' erschien 2021 und war für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Hessen.

Pressestimmen

Toller Roman über Hoffnung und Erinnerung. Für Sie 20261007
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Dora entscheidet sich nach vielen Jahrzehnten Abwesenheit, in ein Seniorenheim in ihrem Heimatort Hausen zu ziehen. Sie läuft durch die Straßen und bemerkt die Veränderungen, erkennt aber auch viel Bekanntes. Eines Tages kommt sie zu einem Fachwerkhaus, in dem früher ihre beste Freundin Fanny gewohnt hat. Es sieht noch genauso aus wie früher. Fast rechnet sie damit, dass ihre Freundin gleich zur Tür rauskommt. Dann entdeckt sie jedoch vier Stolpersteine davor. Dora ist fassungslos! Warum sind da nur vier Steine? Es müssten eigentlich fünf Steine sein. Der Stein für Fanny fehlt. Dora entdeckt nur die Steine für Fannys Eltern und ihre beiden Schwestern. Was ist mit Fanny geschehen?
Für Dora ist diese Rückkehr nach Hausen mit vielen Erinnerungen verbunden. Nicht nur gute, sondern auch schlechten. Vor allem ihr schlechtes Gewissen, aber auch die Frage nach Fannys Verbleib beschäftigt sie sehr. Und so macht sie sich auf die Suche nach Antworten.
Die Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Sie ist unglaublich emotional erzählt und beschreibt so beängstigend die dunklen Zeiten unserer deutschen Geschichte. Die Dorfgemeinschaft, wo jeder jeden kennt und sich die Menschen während der Machtergreifung der Nazis verändern. Jahrzehnte später möchte fast niemand mehr darüber sprechen, was damals passiert ist. Für Dora ist die Suche nach Antworten auch unglaublich schmerzhaft, denn sie hat jahrelang die Erinnerung an ihre eigene Schuld verdrängt. In den Erzählungen einiger Dorfbewohner erfahren wir, was damals passiert ist und auch in Doras Erinnerungen wird präsent, wie sie die Machtergreifung von Hitler und den Krieg erlebt hat.
Ich habe dieses Buch zu lesen begonnen und konnte es fast nicht mehr aus der Hand legen. Mich hat die Geschichte unglaublich berührt. Natürlich auch, weil diese dunklen Zeiten auch aktuell wieder so präsent sind.
Die Autorin Ute Mank hat diese Geschichte wirklich wunderbar mitreißend geschrieben. Ganz große Leseempfehlung von mir!