Pompeji oder Die fünf Reden des Jowna

Roman | »Ein Buch wie ein Vulkan: kraftvoll und faszinierend.« (Martin Oehlen, Frankfurter Rundschau)
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Buchprofile - Rezension
Ein Bild von Gesellschaft und Politik im 20. und 21. Jh. in historischem Gewand.
Pompeji, im Jahr 830 nach der Gründung Roms. Dies ist die Geschichte von Josse, der es als junger Mann ohne Schulbildung, Beruf, Geld und Skrupel schafft, sehr weit aufzusteigen. Nach dem Vortrag eines Mannes über Vulkane entwickelt sich aus Josses Aussage, dann müsse man, da Berge sich nicht bewegen, die Wohnstätte verlegen, der Auszug einiger aus Pompeji. Am „Fenster am Meer“ treffen sich Aussteiger aller Art: u.a. Anhänger Platons, Pythagoreer, Hedonisten, Anhänger von volkstümlicher Tradition, Arbeitsverweigerer. Polybios, ein mittelständischer Bauunternehmer, gewinnt Josse mit seinem scheinbaren Reichtum für den Bau einer Siedlung am Meer, damit wird Livia, eine der beiden großen Bauherrinnen in Pompeji, auf ihn aufmerksam. Sie kauft Josse mit ihrem Körper, ihrem Geld und der Aufnahme in die bessere Gesellschaft, damit er zu Livias Vorteil die Menschen vom Gegenteil dessen überzeugt, was er zuvor gesagt hat: In Pompeji bleiben und den Gott Vulcanus durch Opfer beruhigen. Dann bricht der Vesuv tatsächlich aus. – Der Stil der Erzählung fällt auf. Der Erzähler zeigt sich als Überlebender (wir), sein Ton ist plaudernd und ausschweifend, die Leser/-innen werden oft angesprochen. Im Gewand des geschichtlichen Ereignisses führt Eugen Ruge den Aufstieg eines ungebildeten Mannes vor, der ein guter Demagoge ist. Die Macht des Geldes in Politik und Gesellschaft, die Käuflichkeit der Menschen, die Leere von Ideologien und die Wirkmacht von Rhetorik ohne jeden Inhalt werden aufgezeigt. Ein Spiegel von Ereignissen des 20. und 21. Jh., (wer Hitlers Reden kennt, entdeckt in Josses Reden die gleichen Formen zur Verdeckung inhaltlicher Leere). Der Roman setzt aber voraus, dass Teile der römischen Geschichte, griechische Philosophen und Geschichtsschreiber bekannt sind, sonst macht das Lesen keine Freude, führt zur Verwirrung.
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Artikelbeschreibung

Der große historische Roman des Buchpreisträgers

Nach den Bestsellern 'In Zeiten des abnehmenden Lichts' und 'Metropol': ein fulminanter Geschichtsroman über den verheerenden Ausbruch des Vesuvs 79 n. Christus - über Aufstieg und Fall, Wahrhaftigkeit und Lüge. Brillant und fesselnd erzählt von einem der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart.

Als auf einem Berg oberhalb der Stadt Pompeji tote Vögel gefunden werden, hat der Zuwanderer Jowna alias Josephus alias Josse eine Eingebung: Wenn da wirklich ein Vulkan grollt, wie von manchen behauptet wird, sollte man das Weite suchen. Ohne Schulbildung, Geld und Einfluss gelingt es ihm, sich an die Spitze einer Aussteigerbewegung zu setzen. Bald fürchtet das Stadtoberhaupt Fabius Rufus, die Vulkangerüchte könnten Pompeji schaden. Erst als sich ein paar wohlhabende Bürger für die Gründung einer neuen Siedlung zu interessieren beginnen, die in sicherer Entfernung am Fenster des Meeres liegt, schaltet sich Livia ein, die mächtigste Frau der Stadt. Allmählich wird der Aussteiger Josse zum Aufsteiger. Seine Weggefährten mit ihrer Schwäche für Fliegenpilzsud und Philosophie werden ihm zur Last, die eigenen Ideen fangen an, ihn zu stören. Doch wie wirft man Überzeugungen über Bord, ohne seine Anhängerschaft zu verprellen? Wie macht man eine Kehrtwende, ohne sich zu drehen?

Eugen Ruges 'Pompeji' ist eine Erfindung, die auf geschichtlicher Wahrheit beruht und zugleich durch ihre Gegenwärtigkeit verblüfft: die Geschichte einer verhängnisvollen Verblendung im Vorfeld einer Katastrophe. Eine schillernde Parabel über Verführbarkeit, Verrat und Wahn.

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Personeninformation

Eugen Ruge wurde 1954 in Soswa (Nordural) geboren und kam 1956 mit seinen Eltern nach Ost-Berlin. Als diplomierter Mathematiker arbeitete er von 1980 bis 1985 am Zentralinstitut für Physik der Erde an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Dann begann er zu schreiben, zunächst vorwiegend Theaterstücke und Hörspiele, und Anfang 1989 folgte die Flucht in die Bundesrepublik. 2011 veröffentlichte er den mit dem Alfred-Döblin-Preis, dem Deutschen Buchpreis und dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichneten Roman 'In Zeiten des abnehmenden Lichts', später erschienen 'Cabo de Gata', 'Follower', 'Metropol' und 'Pompeji'. Er lebt in Berlin und auf Rügen.

Pressestimmen

Eine wunderbare Hauptfigur, eine ebenso abgründige wie komische Aufsteigergeschichte, ein eminent kluger Roman. Thea Dorn ZDF, Das Literarische Quartett 20230505
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