Im Namen der Deutschen

Die Bundespräsidenten und die NS-Vergangenheit
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Buchprofile - Rezension
Die Rolle der Bundespräsidenten in der jungen BRD für die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.
"Was als unabschließbare Aufgabe bleibt, ist die glaubwürdige Verkörperung jener Bereitschaft, aus der Vergangenheit zu lernen, der sich die Gründung der Republik verdankt." Mit diesem Statement beendet der Historiker Norbert Frei seine verständlich formulierten Ausführungen, die sich mit der Rolle der Bundespräsidenten für das gesellschaftliche Zusammenwachsen in der jungen BRD, insbesondere jedoch für die in Politik und Gesellschaft sich langsam entwickelnde Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und einer sich allmählich etablierenden Erinnerungskultur beschäftigen. Diesen oft schwierig verlaufenden Prozess, der neben der distanzierten Haltung großer Teile der Kriegsgeneration auch das ganz persönliche Verhalten der Präsidenten zum Nationalsozialismus sowie zu ihrem Amtsverständnis aufzeigt, zeichnet Frei an den ersten sechs Bundespräsidenten nach, an Theodor Heuss (1949 - 59), Heinrich Lübke (1959 - 69), Gustav Heinemann (1969 - 74), Walter Scheel (1974 - 79), Karl Carstens (1979 - 84) und Richard von Weizsäcker (1984 - 94). Alle waren - ob als schon berufstätige Erwachsene oder als Wehrmachtssoldaten - in das NS-Regime involviert, ohne sich parteipolitisch engagiert zu haben. Genaues Nachforschen und Hinterfragen von Seiten der Bevölkerung oder eine Selbstreflexion von Politikern waren nicht das Gebot der Stunde, man wollte ein ruhiges Klima, damit Wiederaufbau, Wohlstand, Gemeinsinn und internationale Anerkennung baldmöglichst und reibungslos gelingen können. Der diesbezügliche Beitrag aller Amtsinhaber war vielschichtig und zielführend. Insgesamt macht Frei deutlich, dass alle genannten Präsidenten einen großen Anteil daran hatten, dass sich die Haltung der Bevölkerung gegenüber dem Nationalsozialismus änderte und eine kritische Auseinandersetzung angestrebt und praktiziert wurde. - Größeren Beständen sehr zu empfehlen!
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Artikelbeschreibung

VON THEODOR HEUSS BIS RICHARD VON WEIZSÄCKER - DIE BUNDESPRÄSIDENTEN UND DIE NS-VERGANGENHEIT

Der Bundespräsident spricht qua Amt «im Namen der Deutschen», auch und gerade, wenn es um die NS-Vergangenheit geht. Für Theodor Heuss und seine Nachfolger zu Zeiten der Bonner Republik Heinrich Lübke, Gustav Heinemann, Walter Scheel, Karl Carstens und Richard von Weizsäcker war das immer auch ein Sprechen über die eigene Zeitgenossenschaft. Norbert Frei zeigt in seinem glänzend geschriebenen, mitunter atemverschlagenden Buch, wie dabei die persönliche Vergangenheit beschwiegen und zugleich der Ton für das Reden über Nationalsozialismus und Holocaust in einer Gesellschaft gesetzt wurde, die erst lernen musste, sich ihrer Geschichte selbstkritisch zu stellen.

Richard von Weizsäcker war der letzte Bundespräsident, der die Jahre des Zweiten Weltkriegs noch als damals schon erwachsener Zeitgenosse erlebt hatte. Der weltweite Ruhm für seine Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 erklärt sich auch vor diesem Hintergrund. Mit Weizsäckers Präsidentschaft endet dieses Buch, das mit Theodor Heuss beginnt, der als erstes Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland Formen und Wege finden musste, «im Namen der Deutschen» über die Verbrechen des «Dritten Reiches» zu sprechen.
Norbert Frei, einer der renommiertesten Zeithistoriker der Gegenwart, folgt in seiner brillanten, minutiös aus den Quellen gearbeiteten Darstellung den gewundenen Wegen, auf denen im präsidialen Reden auch zu schweigen zur staatsmännischen Kunst und respektierten Praxis wurde.

  • Schuld und Scham, Vergessen und Vergegenwärtigung
  • Vom Autor des Klassikers "Vergangenheitspolitik"
  • Vom Umgang mit der NS-Vergangenheit im höchsten Amt des Staates

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Personeninformation

Norbert Frei ist Seniorprofessor für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Autor der zum Klassiker gewordenen Studie «Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit» (bsr 2012).

Pressestimmen


Sachbuch-Bestenliste von der literarischen WELT, NZZ, RBB Kultur und Radio Österreich 1 im Januar 2024:
„Frei untersucht präsidiale Reden und wie sie auf die deutschen Verbrechen der Nazizeit zu sprechen kamen.“
„Ein glänzend geschriebenes und akribisch dokumentiertes Buch.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Paul Ingendaay

„Faktenreich und erhellend (…) eine große Studie zum Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit am Beispiel ihrer Staatsoberhäupter.“
t-online, Marc von Lüpke

„Sowohl wissenschaftliches als auch sehr gut lesbares Buch (…) ein bahnbrechendes Standardwerk zur offiziellen Selbstbefragung der deutschen Gesellschaft.“
Süddeutsche Zeitung, Volker Weiß

„Zeigt, wie die Bundespräsidenten mit dem Nationalsozialismus und ihrer Vergangenheit umgingen.“
Eckart Lohse

„Frei ist ein ausgewiesener Kenner der deutschen Vergangenheitspolitik … In seiner neuen Studie „Im Namen der Deutschen“ zeichnet er ein differenziertes Bild der ersten Amtsinhaber und ihren Umgang mit der NS-Vergangenheit.“
taz, Daniel Bax

"Frei kritisiert die bundespräsidiale Erzählung von einem ‚täterlosen Leid‘, das die Opfer der Nationalsozialisten ereilt habe, ohne dass sich dafür letztlich jemand verantworten musste."
SPIEGEL, Felix Bohr

„Ein beeindruckendes und scharfsichtiges Protokoll des Auf und Ab der Vergangenheitsbewältigung an der bundesdeutschen Staatsspitze.“
Süddeutsche Zeitung, Newsletter Prantls Blick, Heribert Prantl

„Freis Analyse ist originell, interessant und packend.“
Dresdener Morgenpost

„Das Buch ist eine Grundlage für Diskussionen, die wir heute führen müssen. Diskussionen zur Verteidigung unserer Demokratie.“
WELT, Gerhart Baum

„Ein spannendes Buch … Führt eindringlich vor Augen, dass sich die ersten Bürger des Staates schwer taten, die Täter zu benennen.“
Blog der Republik, Norbert Bircher

„Eine aufschlussreiche Geschichte über die ersten sechs Bundespräsidenten und ihres Amts- und Geschichtsverständnisses.“
journal21.ch, Claudia Kühner

„Zu empfehlen, weil sein Verfasser ein sehr guter Autor ist. … Korrigiert viele Mythen, die sich mit den Präsidenten der Bonner Republik verbinden.“
Spiegel online, Sebastian Hammelehle

„Fachlich fundiert und sprachlich herausragend“
General Anzeiger, Helge Matthiesen
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