Max Weber

Preuße, Denker, Muttersohn
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Buchprofile - Rezension
Umfangreiche Biografie, die auch Herkunft und Lebensumfeld des wohl bedeutendsten deutschen Soziologen akribisch beleuchtet.
"Wer eine Figur in ihrem Spiel auf der Bühne verstehen will, wird den Hintergrund, Kulissen und Mitspieler kennen müssen." (S. 45) Für den Autor dieser Biografie des wohl bekanntesten deutschen Soziologen (1864-1920) ist das keine Floskel, sondern leitende Maxime der Darstellung. Wenn von den "sechs Bühnenbilder(n) dieses Lebens" (S. 45) die Rede ist, dann heißt das z.B., dass auf den ersten 300 Seiten fast ausschließlich die "Geschichte dreier Generationen" (S. 128) in ihrer Relevanz für den Lebensweg Max Webers beleuchtet werden. Zu den Bühnenbildern zählt auch, dass die Politik im 19. und beginnenden 20. Jh., ebenso die gesellschaftliche Lage, die wirtschaftlichen Verhältnisse, große und kleine Kommunalpolitik in dieser Zeit und an den verschiedenen Wirkungsstätten Webers und seiner Vorfahren (Erfurt, Heidelberg, Bielefeld, Berlin, München) genauestens erörtert werden. Und hier erschließen sich dem historisch interessierten Leser in der Tat ungemein anschauliche Details. Auch die persönlichen, durchaus auch erotischen Irrungen und Wirrungen, die Lebensumstände und Krisen, die das Leben des großen Gelehrten charakterisieren, nehmen in der manchmal fast romanhaft erzählten Darstellung einen großen Raum ein. Die wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der Soziologie, die den Rang Max Webers vor allem ausmachen, werden z.B. erst in der zweiten Hälfte des über 1000 Seiten starken Werks thematisiert. Ebenso seine publizistische Tätigkeit und sein politisches Engagement, z.B. als Gründungsmitglied der DDP oder als beratendes Delegationsmitglied bei der Versailler Friedenskonferenz. - Obwohl sich der Autor mit seiner "Erzählung" ausdrücklich an "ein allgemeines Publikum (...) wendet" (S. 877), ist diese umfangreiche Biografie sicher nur für große Bestände geeignet.
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Artikelbeschreibung

Max Weber ist einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, doch er war nicht unser Zeitgenosse. Dirk Kaesler zeigt in seiner lang erwarteten, gl¿nzend erz¿hlten Biographie Max Weber im Koordinatensystem seiner eigenen Epoche - zwischen der Gr¿ndung des Deutschen Kaiserreichs und seinem Untergang. Nur wenige Denker werden so h¿ufig als Interpret unserer Gegenwart in Anspruch genommen wie Max Weber. Etwa, wenn es um die Frage geht, ob Politiker "Charisma" haben oder nicht, wenn behauptet wird, dass Politik das "Bohren harter Bretter" sei oder wenn er¿rtert wird, ob der Protestantismus "Schuld" am Kapitalismus trage. Doch es war nicht unsere Welt, die Weber zu seinen Theorien inspirierte. Dirk Kaesler rekonstruiert die Entstehung von Webers Werk im Kontext der damaligen Ideen und Kontroversen, zeichnet seine wissenschaftlichen und politischen Aktivit¿ten nach und entschl¿sselt eindrucksvoll den Menschen Max Weber. Dabei wird deutlich, wie sehr sowohl das wissenschaftliche Werk als auch das lebenslange politische Engagement dieses Mannes untrennbar mit seinen diversen Familiensystemen verbunden waren und nur aus diesen verstanden werden k¿nnen. Leben wie Werk Max Webers sind vorgepr¿gt von Vorfahren, Gröeltern, Eltern und Geschwistern, deutschen St¿dten und ihren B¿rgern. Seine bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen sind zugleich das Werk seines eigenen Lebens wie auch das jener vielen Menschen, die dieses Leben begleitet und mitbestimmt haben.

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Pressestimmen

"In short, Dirk Kaesler's biography is set to be the standard reference work on Weber for a long time to come."
Ronald Speirs, Times Literary Supplement, 24. Juli 2015

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