Rom sehen und nicht sterben

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein Schriftsteller überwindet dank Schreibfreude und neuer Liebe seine Krebserkrankung.
In einem Briefbericht erzählt der Ich-Erzähler von seinem Leben als Schriftsteller, von den Prägungen durch die immer mit Zitaten präsente Großmutter und der schwierigen Kindheit in Kinderheimen und Adoptivfamilie an der Ostsee. Ein Stipendium in der römischen Villa Massimo signalisiert sein Ankommen im Literaturbetrieb. Aber die Ankunft in Rom ist auch der Beginn unübersehbarer Anzeichen einer Erkrankung. Diese werden negiert, die kaum produktive Zeit in der Villa um zwei Jahre im Stadtteil Trastevere, von ihm "Trostwerdemir" genannt, verlängert, bis seine Berliner Ärzte Krebs diagnostizieren. Der zügigen Behandlung entzieht sich der Erzähler durch eine neuntägige Abschiedsreise nach Rom. Dann erst setzt er sich Chemotherapie und Operation aus, hält "die Angst vor dem Eingriff klein" und ist "übertrieben zuversichtlich" (152). Danach zieht er nach Magdeburg, wo er seine Habseligkeiten aus verschiedenen Orten eingelagert hatte, und beginnt sein neues Leben nach dem Krebs, mit allen körperlichen Schwächen, die durch die postoperative Behandlung nochmals verstärkt werden. Kaum wieder zu Kräften gekommen, flattern während eines Feuerwerkes seine "Hände wie Flügel" (180): Er verliebt sich und gemeinsam unternimmt das Paar eine Reise nach Rom. – Wawerzinek gelingt ein handlungsreduzierter, überaus sprachstarker Roman. "Worterweiterung, Worterheiterung und Wortspiel" (79) bringen den Stoff, seine Atmosphäre und Hintergründe weiter. Nicht notwendige, aber seinen Bericht (an einen unbekannten Freund oder den Leser) ergänzende Zitate von Trakl, Benn, Heine u.a. stellen den Text in literarische Kontexte. Die Auseinandersetzung mit lebensgestaltenden schriftlichen Aufzeichnungen und die feste Hoffnung auf ein Leben nach der Krankheit – wie "Jona aus dem Bauch des Wals herauspurzeln" (8) stehen im Fokus und halten die Lesenden in diesem kapitelfreien Text im Bann. – Breit empfohlen.
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Artikelbeschreibung

»Peter Wawerzinek verwandelt den Stoff seines Lebens in große Kunst« NDR Kultur

Ein Frühjahr in Rom, Peter Wawerzinek ist Stipendiat in der Villa Massimo. Er durchstreift die Stadt, sammelt Inspiration für seinen neuen Roman, eine Fülle von Eindrücken bietet sich ihm dar, Schönheit, Chaos, eine vibrierende Lebendigkeit: Verheißungen für die kommende Zeit. Doch dann wird der Aufenthalt getrübt, die Pandemie macht den Spaziergängen einen Strich durch die Rechnung, die Technik versagt, und alles entstandene Textmaterial ist verloren. Peter Wawerzinek zieht nach Trastevere um, beschließt, über Pasolini zu schreiben. Etwas scheint aber nach wie vor nicht zu stimmen: kalte, weiße Fingerkuppen in der schönsten Frühlingssonne. Es ist sein Körper, der nicht mehr ins Bild passen will. Ein Besuch beim Berliner Hausarzt bringt schließlich die Diagnose: Es ist Krebs. Doch auch die Konfrontation mit dem Tod lässt ihn nicht aufgeben. Es zieht ihn wieder nach Rom, zur Intensität der ewigen Stadt - und dem Beginn des Wegs zurück ins Leben.

Peter Wawerzinek schreibt über die menschliche Vergänglichkeit, die unmittelbare Bedrohung durch den Tod - doch jede einzelne Zeile seines Romans birst vor Intensität. In Literatur, Musik, Kunst - vor allem aber in der Liebe, die ihm zufällig begegnet, genau zur richtigen Zeit, findet er die Kraft für die Heilung. Poetisch, bildgewaltig, zugleich atemraubend und befreiend ist die Sprache, die Peter Wawerzinek für eine existenzielle Erschütterung findet, die ihm alles abverlangt - über die er am Ende aber umso deutlicher triumphiert. Der neue Roman des virtuosen Sprachkünstlers Peter Wawerzinek ist nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025.

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Personeninformation

Peter Wawerzinek wurde unter dem Namen Peter Runkel 1954 in Rostock geboren. Er wuchs in verschiedenen Heimen und bei verschiedenen Pflegefamilien auf. Seit 1988 betätigt er sich neben vielem anderen als freier Schriftsteller, Regisseur, Hörspielautor und Sänger. Peter Wawerzinek hat zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen erhalten, u.a. Berliner Kritikerpreis für Literatur (1991), Hörspielpreis der Berliner Akademie der Künste (1993), Ingeborg-Bachmann-Preis und den gleichnamigen Publikumspreis (2010), Shortlist Deutscher Buchpreis (2010), Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung (2024). Sein Roman »Rom sehen und nicht sterben« (2025) war für den DELIA-Literaturpreis 2026 nominiert.

Pressestimmen

»Peter Wawerzinek erzählt in 'Rom sehen und nicht sterben' von einer Errettung in der Ewigen Stadt und zelebriert das Sprachspiel als Abwehrzauber gegen den Tod.« Wolfgang Schneider / Frankfurter Allgemeine Zeitung
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