Mein Herz ist eine Krähe

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Buchprofile - Rezension
Eine Familiengeschichte voller bitterer Geheimnisse in der Tiefe der skandinavischen Wälder.
Was für eine düstere, traurige Geschichte voller Entbehrungen, Hunger, Misshandlungen, zerstörter Existenzen und menschlicher Not. Aber auch eine Geschichte voller Liebe, familiärem Zusammenhalt und Aufopferung. Sprachlich sehr dicht und berührend werden die Schicksale zweier Frauen, Unni und Kara, nebeneinander aufgerollt. Einer der Erzählstränge bezieht sich auf das Ende des 19. Jh., der andere auf die Mitte des 20. Jh. Die verbindenden Faktoren zwischen den Zeitebenen und zwischen den beiden Frauen sind Roar, Unnis erstgeborener Sohn und später Karas Schwiegervater, sowie ein abgelegenes Haus in den schwedischen Wäldern mit dem trügerischen Namen Frieden. An diesen Ort muss Unni 1897 völlig mittellos mit ihrem Geliebten und ihrem Sohn aus Norwegen fliehen. Und genau dort sitzt Kara 1973 mit ihrer Schwiegermutter Bricken in deren Wohnküche und versucht in einer Art Katz-und-Maus-Spiel, die gemeinsame Trauer über Roars Tod zu bewältigen. Über vieles wurde jahrzehntelang geschwiegen. Ist jetzt, wo auch Bricken langsam schwächer wird, der geeignete Zeitpunkt, über Wahrheiten zu sprechen? - Diese Geschichte macht nicht glücklich, eher sprachlos angesichts dessen, wozu wir Menschen fähig sind - im Positiven wie im Negativen. Literarisch gesehen als Debütroman der schwedischen Autorin ein großer Kunstgriff und absolut lesenswert.
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Lina Nordquists Familienroman entfaltet eine Wucht, die an die Kraft mythischer Erzählungen denken lässt und ist zugleich tief in der Natur verankert. Am Anfang steht eine Flucht zu Fuß von Trondheim quer über die nordische Halbinsel an die Ostküste ins schwedische Hälsingland - eine schier übermenschliche Überlebensleistung. Mittelpunkt des Geschehens ist ein Holzhaus tief im Wald, zuerst als Notquartier bezogen und nach langen Jahren hart erschufteter Pachtzahlungen zum bescheidenen Heim für eine mehr als ungewöhnliche Familie geworden.

Die Autorin zeigt uns das beinahe archaisch anmutende Leben der kleinen Gemeinschaft in der Holzhütte, die buchstäblich von ihrer Hände Arbeit lebt: Holz fällen gegen Lohn, Felder bestellen, Gemüse anbauen, Beeren und Pilze sammeln. Der Alltag der Schwiegertochter Kora unterscheidet sich nur in Nuancen von dem der ersten Bewohnerin Unni. Die beiden haben sich nie kennengelernt, aber ihnen ist gemeinsam, dass sie jeden Tag kämpfen müssen. Auf Unni lastet die Sorge ums schiere Überleben ihrer kleinen Familie, allein der Gedanke an den nächsten Winter löst Panik aus, von drei Kindern bleibt ihr nur eines. Kora dagegen leidet schon seit sie denken kann unter Ängsten und extremer Schüchternheit, eine Außenseiterin, die immer ein wenig im Schatten steht. Sie wäre so gern wie Unni: geliebt, stark und imstande, einfach zu gehen

Artikelbeschreibung

Norrland um 1900: Unni, Armod und der kleine Roar mussten überhastet aus Norwegen fliehen. Inmitten der blauen Berge und dunkelgrünen Wälder Hälsinglands finden sie ein neues Zuhause. Doch die brutalen Launen der Natur und des Landbesitzers lassen die kleine Familie kaum Frieden finden. Mehr als 70 Jahre später plant Kåra die Beerdigung ihres Schwiegervaters Roar. Was ist damals wirklich passiert? Und welche Geheimnisse verbinden Kåra und Unni über die Jahrzehnte hinweg?

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Personeninformation

Lina Nordquist, geboren 1977 in Norrala, ist Schriftstellerin, außerordentliche Professorin für Physiologie, Diabetesforscherin und Politikerin. Seit 2018 ist sie Mitglied des schwedischen Parlaments. Sie wuchs in Hälsingland auf und lebt derzeit mit ihrer Familie in Uppsala. Ihr Debütroman 'Mein Herz ist eine Krähe' wurde als Buch des Jahres in Schweden ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Lina Nordquists Roman - ihr Debüt - besticht durch ungebrochene Sprachkraft, Beobachtungslust, lakonische Nüchternheit und poetische Verdichtung.« Jutta Duhm-Heitzmann / WDR 5 WDR 5

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