Träume in Europa

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Buchprofile - Rezension
Hymnen auf die Nacht: Wolfram Lotz versammelt bizarre Alltagsträume aus europäischen Internetforen.
Träume sind Schall und Rauch, sagen die einen. Traumdeutung ist der Königsweg zum Unbewussten, sagt die Psychoanalyse. Jenseits von banalen Träumen, wie sie wohl jeder kennt und schnell wieder vergisst, jenseits auch vom Tiefenschwindel, der Traumdeutern oft entgegengehalten wird, stehen die Traumerzählungen von Wolfram Lotz. Es sind kurze Erzählungen, Träume im Sprinter-Dress: sie haben wenig an und spurten durch ein merkwürdiges Erlebnis. Das kann eine Mensch-Tier-Verwandlung sein, ein tabuisiertes Familienmuster, eine ferne Schulerinnerung, eine ungewohnte Reise, eine übergriffige Einladung, große Dinge werden zerkleinert, Schönheiten zerstört. Einmal fallen Apps aus einem Handydisplay und werden wieder draufgeklebt. Das ist ein versteckter Schlüsseltraum. Denn die Träume sind nicht von Lotz selbst. Er hat sie aus europäischen Internetforen aufgesammelt, dramatisch bearbeitet und narrativ aufgemöbelt. Quellen werden im Anhang benannt, aber das nachzurecherchieren, ist nicht Sinn der Übung. Schon zwei oder drei der Traumstories zu lesen, kann einen Aha-Effekt oder einen schrecklich-schönen Eindruck auslösen. Am Stück empfiehlt sich das Büchlein nicht zu lesen, die Vielzahl der im Grunde einfach gestrickten Traumberichte wäre entweder erdrückend oder schlicht zu langweilig. Verraten sie etwas über das gemeinsame kollektive Unbewusste europäischer Träumer? Etwas vom archaischen Ursprung der Erzählung des Abendlands? Das mag, wer will, selbst herausfinden. Oder in eine Inszenierung des Buches gehen, die im Staatsschauspiel Dresden läuft und in Münster und in Köln angekündigt ist. In Maßen zu lesen empfohlen.
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Artikelbeschreibung

»Träume in Europa« - das neue Prosa-Buch von einem der wichtigsten und erfolgreichsten Dramatiker der Gegenwart

Du sitzt im Taxi in Amsterdam, aber seltsamerweise musst du selbst fahren, während der Taxifahrer daneben sitzt. Ein Bekannter aus dem Internet umarmt dich zu Hause, du fühlst dich seit Langem wieder geborgen, dann aber kommt dein Mann mit den Kindern die Treppe hinauf - alles verschwindet, und du wachst auf. Wolfram Lotz hat sich in europäischen Internetforen auf die Suche nach Träumen gemacht und sie in seine ganz eigenen literarischen Erzählungen übertragen. Es sind merkwürdige, komische Träume, die einem immer wieder sehr vertraut vorkommen - weil es die Träume wirklicher Menschen sind und weil die Welt, in der wir leben, ja wirklich ziemlich komisch ist.

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Personeninformation

Wolfram Lotz, geboren 1981 in Hamburg, wuchs im Schwarzwald auf. Er studierte Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft in Konstanz und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2011 gewann er mit DER GROSSE MARSCH u. a. den Kleistförderpreis und den Publikumspreis des Berliner Stückemarktes. In der Kritikerumfrage von »Theater heute« wurde er zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. Nach dem Erfolg von EINIGE NACHRICHTEN AN DAS ALL erhielt er 2012 den Dramatikerpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft und 2013 den Kasseler Förderpreis für Komische Literatur. DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS wurde 2015 zum Berliner Theatertreffen und zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Im selben Jahr erhielt Wolfram Lotz den Nestroypreis für das Beste Stück und wurde in der Kritikerumfrage von Theater heute zum Dramatiker des Jahres gewählt.

Pressestimmen

[...] Lotz [hat] auch in diesem Frühjahr wieder das sehr wahrscheinlich geistreichste und lustigste Buch veröffentlicht [...], das in deutscher Sprache zu haben sein wird Felix Stephan Süddeutsche Zeitung 20260128
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