Drittes "Georg-Walser-Stipendium" für Erinnerungsarbeit

Das Georg-Walser-Stipendium „Mut und Menschlichkeit“ 2025 erhalten die Reporterinnen Eileen Kelpe und Katharina Zöpfl, der Journalist Joshua Kocher sowie der Lehrer Dr. Michael Stierstorfer.

Zum dritten Mal hat der Sankt Michaelsbund in München sein Georg-Walser-Stipendium für Erinnerungsarbeit vergeben. Es ist mit insgesamt 4.500 Euro dotiert und soll junge Journalisten, Wissenschaftler und Schüler zur Befassung mit Widerstand gegen Diktatur und Unrecht anregen.

Eine Förderung von 2.500 Euro erhalten die Reporterinnen Eileen Kelpe und Katharina Zöpfl für ihre geplante journalistisch-philosophische Spurensuche „Stimmen aus der NS-Todeszelle“, wie das katholische Medienhaus am Dienstagabend in München mitteilte. Kelpe und Zöpfl wollen Briefe von zum Tode Verurteilten aus dem Münchner Gefängnis Stadelheim nachverfolgen, die nie abgeschickt wurden, nun aber Hinterbliebenen zugestellt wurden und werden.

Je 1.000 Euro erhalten der Freiburger Nachwuchsjournalist Joshua Kocher sowie Michael Stierstorfer vom Benediktiner-Gymnasium Schäftlarn bei München. Kocher plant eine Reportage über eine Reise Jugendlicher der Bildungseinrichtung Christophorus Jugendwerk in Breisach-Oberrimsingen ins einstige KZ Auschwitz.

Stierstorfers Projekt trägt den Titel „Grafischer Holocaust und bildlicher Judenhass“ und soll Schüler-Booktubes – literarisch-politische Erklärvideos – zu Graphic Novels produzieren, die wiederum andere Jugendliche zum Lesen von Werken über die Untaten der Nationalsozialisten anregen.

Das Stipendium ist nach dem Journalisten Georg Walser (1969-2020) benannt. Er beschäftigte sich zeitlebens beruflich und ehrenamtlich mit vergessenen Gegnerinnen und Gegnern des Nationalsozialismus, etwa dem 1934 ermordeten Publizisten Fritz Gerlich.

„Georg wäre dieses Jahr besonders begeistert gewesen von dem Booktube-Projekt im Gymnasium Schäftlarn“, sagte die Witwe Christina Walser, selbst Jury-Mitglied; „schon allein wegen der Verbindung ‚Erinnerung – Jugend – Technik‘. Ich sehe ihn quasi mit den Schülern im Aufnahmestudio sitzen, mittendrin - und für jeden eine Aufgabe finden, der er gewachsen ist.“

Die Jury zur Vergabe des Walser-Stipendiums ist prominent besetzt: Ihr gehören Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle an und die Vorsitzende der "Weiße Rose Stiftung", Hildegard Kronawitter; weiter die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Professorin für Fernsehjournalismus, Claudia Nothelle, sowie die Münchner Bischöfliche Beauftragte für KZ-Gedenkstättenarbeit, die Theologin Judith Einsiedel, und der Direktor des Sankt Michaelsbundes Stefan Eß.

Nothelle sagte: „Antisemitismus begegnet uns heute nicht nur in Parolen, sondern oft schon in Andeutungen oder digitalen Codes. Umso wichtiger sind Projekte, die Geschichte ernst nehmen, die Verantwortung einfordern und jungen Menschen Orientierung geben.“ Das Georg-Walser-Stipendium setze in schwierigen Zeiten ein Zeichen für eine wache, demokratische Erinnerungskultur.

Pressekontakt:
Stefan Eß, Sankt Michaelsbund, Geschäftsführender Direktor Tel. 089-23225-500, s.ess@michaelsbund.de