Ausstellung »Verdammte Lust«
Sexualität hat ihren Platz im Paradies
Kardinal Reinhard Marx hat für ein positives Verständnis von Sexualität plädiert als „Gabe Gottes, die gestaltet sein will, damit sie dem Menschen und der Liebe dient“.
Ausstellung "Verdammte Lust". Foto: © Erzbischöfliches Ordinariat
Kardinal Reinhard Marx hat für ein positives Verständnis von Sexualität plädiert als „Gabe Gottes, die gestaltet sein will, damit sie dem Menschen und der Liebe dient“. Sexualität und Körperlichkeit gehörten „existentiell zum Menschen dazu – zeitlos und aktuell. Die Diskussion, was das für den Menschen bedeutet, wird nie aufhören“, so der Münchner Erzbischof anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst“ im Diözesanmuseum Freising am vergangenen Samstag. Trotz der Geschichte vom Sündenfall bestehe die „Verheißung, dass es gelingen kann, dass die Sexualität Platz hat im Paradies“.
Die Ausstellung kann nach Ansicht von
Kardinal Marx zur Auseinandersetzung mit der Frage anregen, „ob diese
Gabe Gottes, dieser Raum, der uns geschenkt ist durch die Schöpfung,
kreativ, lebensdienlich entfaltet wird, oder zu einer toxischen
Wirklichkeit erklärt wird, wo man eigentlich nur noch Fehler machen
kann“. Der Kardinal räumte ein, dass diese Frage „durch die Geschichte
der Kirche hindurch nicht immer gut gelöst“ worden sei und die
katholische Lehre über die Sexualität „auch ein katholisches Trauma“
darstelle. „Unser Problem ist nicht das Lehramt, sondern dass sich das
Lehramt übernommen hat in Fragen, die gar nicht dahingehören“, sagte
Marx.
Kunst eröffnet neues Erkennen
Auch in einem Hörfunk-Beitrag des Bayerischen Rundfunks forderte der Kardinal am Wochenende eine neue Debatte über die katholische Sexuallehre und sagte wörtlich: „Es ist um der Menschen willen an der Zeit, eine lebensdienliche Moral und Lehre weiterzuentwickeln, die auf der Höhe der gegenwärtigen Debatten die Menschenfreundlichkeit Gottes verkündet.“ Angesichts aktueller Herausforderungen, auch im Zusammenhang mit der Diskussion um Missbrauch, sei es „geradezu notwendig, das Thema aufzurufen, nicht nur im intellektuellen Bereich, nicht nur im Rahmen einer moraltheologischen Debatte, sondern auch im Blick auf die Kunstgeschichte, gerade da, wo noch sinnlicher, noch deutlicher und emotional das aufleuchten kann, was mit diesem Thema gemeint ist“, beschrieb Marx den ursprünglichen Impuls für die Ausstellung. Er wünsche sich, „dass die Kunst auch Auswirkungen hat auf das theologische Denken. Denn Kunst ist immer eine Öffnung für einen weiteren Raum, für neues Erkennen“. In diesem Sinn sei das im vergangenen Jahr wiederöffnete Diözesanmuseum ein Ort, um „über das nachzudenken und ins Gespräch zu kommen, was Kirche, Religion, Glauben heute bedeuten“. So ein Museum solle „ein Ort des Dialogs“ sein, „soll nicht museal zurückschauen, sondern die Gegenwart in den Blick nehmen“, erklärte Marx.
Nach der Begrüßung durch Museumsdirektor Christoph Kürzeder und der Eröffnung durch Kardinal Marx sprach Staatsminister Florian Herrmann ein Grußwort, das Kuratorenteam Kürzeder, Steffen Mensch, Marc-Aeilko Aris und Carmen Roll stellte die Ausstellung vor, Anna-Sophia Achatz-Reichelt und Katharina Huys von der Kunstvermittlung präsentierten das Begleitprogramm.
Die neue Ausstellung im Diözesanmuseum Freising zeigt mehr als 150 Kunstwerke, von der Antike bis in das frühe 19. Jahrhundert, von Leonardo da Vinci über Tintoretto und Cranach bis hin zu Artemisia Gentileschi und Guido Reni, die das spannungsreiche Verhältnis von Sexualität und Kirche reflektieren. An der Ausstellung beteiligt sind 52 Leihgeber aus acht Ländern, darunter renommierte Museen wie die Uffizien in Florenz, das Staatliche Kunstmuseum in Kopenhagen oder das Kunsthistorische Museum Wien.



