Glaubenswelten
16.04.2023


Ausstellung »Verdammte Lust«

Sexualität hat ihren Platz im Paradies

Kardinal Reinhard Marx hat für ein positives Verständnis von Sexualität plädiert als „Gabe Gottes, die gestaltet sein will, damit sie dem Menschen und der Liebe dient“.

Ausstellung "Verdammte Lust". Ausstellung "Verdammte Lust". Foto: © Erzbischöfliches Ordinariat

Kardinal Reinhard Marx hat für ein positives Verständnis von Sexualität plädiert als „Gabe Gottes, die gestaltet sein will, damit sie dem Menschen und der Liebe dient“. Sexualität und Körperlichkeit gehörten „existentiell zum Menschen dazu – zeitlos und aktuell. Die Diskussion, was das für den Menschen bedeutet, wird nie aufhören“, so der Münchner Erzbischof anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Verdammte Lust! Kirche. Körper. Kunst“ im Diözesanmuseum Freising am vergan­genen Samstag. Trotz der Geschichte vom Sündenfall bestehe die „Verhei­ßung, dass es gelingen kann, dass die Sexualität Platz hat im Paradies“.

Die Ausstellung kann nach Ansicht von Kardinal Marx zur Auseinander­setzung mit der Frage anregen, „ob diese Gabe Gottes, dieser Raum, der uns geschenkt ist durch die Schöpfung, kreativ, lebensdienlich entfaltet wird, oder zu einer toxischen Wirklichkeit er­klärt wird, wo man eigentlich nur noch Fehler machen kann“. Der Kardinal räumte ein, dass diese Frage „durch die Geschichte der Kirche hindurch nicht immer gut gelöst“ worden sei und die katholische Lehre über die Sexualität „auch ein katholisches Trauma“ darstelle. „Unser Problem ist nicht das Lehramt, sondern dass sich das Lehr­amt übernommen hat in Fragen, die gar nicht dahingehören“, sagte Marx.

Kunst eröffnet neues Erkennen

Auch in einem Hörfunk-Beitrag des Bayerischen Rund­funks forderte der Kardinal am Wo­chenende eine neue Debatte über die katholische Sexuallehre und sagte wörtlich: „Es ist um der Menschen wil­len an der Zeit, eine lebensdienliche Moral und Lehre weiterzuentwickeln, die auf der Höhe der gegenwärtigen Debatten die Menschenfreundlichkeit Gottes verkündet.“ Angesichts aktueller Herausforde­rungen, auch im Zusammenhang mit der Diskussion um Missbrauch, sei es „geradezu notwendig, das Thema aufzurufen, nicht nur im intellektuellen Bereich, nicht nur im Rahmen einer moraltheologischen Debatte, sondern auch im Blick auf die Kunstgeschichte, gerade da, wo noch sinnlicher, noch deutlicher und emotional das aufleuch­ten kann, was mit diesem Thema gemeint ist“, beschrieb Marx den ur­sprünglichen Impuls für die Ausstellung. Er wünsche sich, „dass die Kunst auch Auswirkungen hat auf das theologische Denken. Denn Kunst ist immer eine Öffnung für einen weite­ren Raum, für neu­es Erkennen“. In diesem Sinn sei das im vergangenen Jahr wiederöffnete Diözesanmuseum ein Ort, um „über das nachzudenken und ins Gespräch zu kommen, was Kirche, Religion, Glauben heute bedeuten“. So ein Mu­seum solle „ein Ort des Dialogs“ sein, „soll nicht museal zurückschauen, son­dern die Gegenwart in den Blick neh­men“, erklärte Marx.

Nach der Begrüßung durch Muse­umsdirektor Christoph Kürzeder und der Eröffnung durch Kardinal Marx sprach Staatsminister Florian Herr­mann ein Grußwort, das Kuratoren­team Kürzeder, Steffen Mensch, Marc-Aeilko Aris und Carmen Roll stellte die Ausstellung vor, Anna-Sophia Achatz-Reichelt und Katharina Huys von der Kunstvermittlung präsentier­ten das Begleitprogramm.

Die neue Ausstellung im Diözesan­museum Freising zeigt mehr als 150 Kunstwerke, von der Antike bis in das frühe 19. Jahrhundert, von Leonardo da Vinci über Tintoretto und Cranach bis hin zu Artemisia Gentileschi und Guido Reni, die das spannungsreiche Verhältnis von Sexualität und Kirche reflektieren. An der Ausstellung betei­ligt sind 52 Leihgeber aus acht Län­dern, darunter renommierte Museen wie die Uffizien in Florenz, das Staat­liche Kunstmuseum in Kopenhagen oder das Kunsthistorische Museum Wien.