Reisewarnung
21.10.2024

Papua-Neuguinea: Der letzte deutsche Missionar

Pater Arnold Schmitt lebt seit mehr als zwanzig Jahren im Inselstaat. Er ist einer der fünf Gäste aus Papua-Neuguinea, die im Weltmissionsmonat Oktober in den bayerischen (Erz-) Bistümern und im Bistum Speyer über die Lage der Menschen vor Ort, die Auswirkungen des Klimawandels und kirchliches Engagement insbesondere von Frauen berichten.

Der letzte deutsche Missionar im Inselstaat erzählt von seiner Arbeit in Goroka, einer 30.000 Einwohner-Stadt im Hochland. Das Armenviertel „Pisswara“ beginnt gleich neben seiner Pfarrei. Benannt wurde es nach der Kläranlage, die dort früher stand. Wer weiß, dass Pidgin-English eine Kombination aus englischen, melanesischen und deutschen Worten ist, kann sich vorstellen, wie es dort riecht. Heute leben hier Menschen in selbstgezimmerten Hütten und haben kaum Perspektiven, dem Elend zu entkommen.

Chancen durch Bildung
Denn nur mit guter Bildung hätten sie eine Chance auf einen Job, von dem sie leben können. In dieser Folge erklärt der Missionar: „Ein Jugendlicher, der nicht die Chance auf Schule und Ausbildung hat, wird zu 90% entweder kriminell, Alkoholiker oder Drogenabhängig. Marihuana kostet bei uns fast nichts.“  Die Mädchen heiraten oft schon mit 15 Jahren und werden schwanger.
Schulgeld statt Schusswaffe
Aber Bildung kostet Geld in diesem Land. Und so hält der Missionar Ausschau nach jungen Menschen, die lernen wollen. Er zahlt ihnen Schuluniformen, besorgt Tablets, hat selbst einen Klassenraum eingerichtet und auch schon mal einem Teenager ein Gewehr abgekauft – und das Geld nicht ihm gegeben, sondern davon Schulgebühren bezahlt. Achim war damals 16 Jahre alt und hatte schon vier Überfälle mit diesem Gewehr begangen. Seine Eltern waren tot, seine Brüder verdienen ihr Geld mit Drogenhandel. Aber Pater Arnold wusste, dass Achim klug ist und so hat er ihm den Deal angeboten: Waffe gegen Schulgeld. Jetzt hat der junge Mann die elfte Klasse abgeschlossen und macht weiter.
Auch die Mütter wollen Lesen und Schreiben lernen
Rund 90% der städtischen Bevölkerung leben in solchen Stadtvierteln ohne Strom, Wasser oder Müllabfuhr. Die Quote der Analphabeten liegt landesweit bei 35%. Erst kürzlich hat Pater Arnold Räume seiner Pfarrei renoviert, Stifte und Bücher gekauft und hier einen Klassenraum eingerichtet. Hier lernen jetzt nicht nur Kommunionkinder und Firmlinge, sondern auch deren Mütter, die so hoffen, auf dem Markt nicht immer wieder um ihr Geld betrogen zu werden, weil sie nie richtig rechnen gelernt haben. Oder sie träumen davon, in einem richtigen Geschäft zu arbeiten und nicht unter freiem Himmel. Manche wollen auch einfach nur die Zeitung lesen können.

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